US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: dpa

US-Republikaner Trumps Machtbasis bekommt Risse

Stand: 08.06.2020 07:07 Uhr

Lange waren die parteiinternen Kritiker von US-Präsident Trump still. Inmitten der Corona-Krise und Massenproteste melden sie sich nun mit scharfen Tönen zurück. Die Schlüsselfiguren der Partei sind aber nicht dabei.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Während Zehntausende Demonstranten in der US-Hauptstadt das ganze Wochenende mit handgemalten Schildern vor dem Weißen Haus auf- und abmarschierten und Parolen gegen Rassismus skandierten, war Präsident Donald Trump auf Tauchstation. Der Präsident hat dieser Tage so einiges an Kritik einzustecken: schlechtes Management der Corona-Krise, haarsträubende Wirtschaftsdaten und Massendemonstrationen, die sich auch massiv gegen ihn und seine Politik richten.

Auch aus seinen eigenen Reihen kam Widerstand. Hochrangige Militärs distanzierten sich von Trump, weil er Demonstranten mit militärischer Gewalt gedroht hatte. Und auch Ex-Außenminister Colin Powell teilte in der CNN-Polittalkshow "State of the Union" ordentlich aus: "Wir haben eine Verfassung und der müssen wir folgen. Und der Präsident tut das nicht. Ich bin stolz auf die Generäle und Admiräle, die sich jetzt geäußert haben. Ich habe meinen Standpunkt schon vor vier Jahren klar gemacht, als Trump für das Präsidentenamt kandidiert hat. Als ich ihn reden hörte, war klar: Dieses Individuum kann ich unter keinen Umständen wählen."

Der frühere US-Außenminister Colin Powell (Archivbild vom 30.09.2015) | Bildquelle: REUTERS
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Ex-Außenminister Colin Powell sprach eine Empfehlung für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden aus.

Schelte von Bush, Powell, Rice

Bei den kommenden Wahlen wolle er dem demokratischen Kandidaten Joe Biden seine Stimme geben, sagte der Vier-Sterne-General, der auch Außenminister unter dem Republikaner George W. Bush war. Eben dieser Bush hatte schon vor Tagen erklärt, auch er werde die Wiederwahl Trumps nicht unterstützen.

Die Kritik von Ex-Außenministerin Condoleezza Rice fiel etwas milder aus. In "Face the Nation" auf CBS empfahl sie dem Präsidenten, etwas weniger zu twittern und dafür häufiger mit echter Anteilnahme zum Volk zu sprechen: "Wenn sich der Präsident äußert, dann sollte Nachdenklichkeit herausklingen. Er sollte eine Botschaft senden, die alle Amerikaner erreicht - und übrigens nicht nur der Präsident, sondern Politiker aller Parteien." 

Wegen seiner mangelnden Empathie für sein aufgebrachtes und trauerndes Volk wird Trump von vielen massiv angegangen. Die republikanische Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska gilt schon seit langem als Kritikerin Trumps. Murkowski sagte vor ein paar Tagen im Senat, sie wisse nicht, ob sie ihn weiter unterstützen könne: "Präsident Bush sagte diese Woche Worte, die ich sehr tröstlich fand in dieser Zeit, in der wir alle so aufgebracht und wütend sind. Er hat uns daran erinnert, dass es unser aller Pflicht ist, für Gerechtigkeit zu sorgen."

Ex-US-Außenministerin Condoleezza Rice (Archivbild vom 11.11.2019) | Bildquelle: AFP
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Die frühere Außenministerin Condoleezza Rice wünscht sich von Trump mehr Anteilnahme.

Die wirklich wichtigen Figuren schweigen weiter

Nach einer neuen Umfrage sind nur noch 46 Prozent der Republikaner der Meinung, dass sich die USA auf dem richtigen Weg befinden. Anfang März waren es noch 70 Prozent. Dennoch: Von den tragenden Säulen der Republikanischen Partei wie Lindsay Graham oder Mitch McConnell hört man dieser Tage kein Sterbenswörtchen. Das Fundament von Trumps Macht mag also Risse haben, aber wirklich bröckeln tut es nicht.

Bröckelt die Basis? Immer mehr Republikaner wenden sich gegen Trump
Claudia Sarre, ARD Washington
08.06.2020 06:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Juni 2020 um 08:05 Uhr.

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Claudia Sarre, NDR

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