Debatte über "Atomknopf"

Der US-Präsident handelt knopflos

Stand: 03.01.2018 21:38 Uhr

US-Präsident Trump hat Nordkorea erneut gedroht: Er habe einen "viel größeren und mächtigeren" Atomknopf. Und: Der funktioniere auch. Auf dem Schreibtisch des US-Präsidenten gibt es tatsächlich einen Knopf. Doch der ist für etwas ganz anderes gedacht.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Es gibt tatsächlich einen roten Knopf auf dem Schreibtisch des US-Präsidenten. Der Fotograf von Donald Trumps Amtsvorgänger Barack Obama, Pete Souza, hat diesen Knopf vor einigen Jahren in einer Nahaufnahme abgelichtet. Allerdings kann der Präsident mit diesem roten Knopf keinen Atomschlag auslösen. Den roten Knopf drückt Trump, wenn er beim Butler des Weißen Hauses Getränke bestellen will.

Zwar sprechen Politiker und Experten immer wieder vom "Atomknopf", in Wirklichkeit gibt es aber keinen Knopf, sondern einen Koffer und eine Karte. Der Atomkoffer - eine dicke Ledertasche, die wegen ihrer ovalen Form "Football" genannt wird - befindet sich immer in der Nähe des Präsidenten.

"Immer ganz nah am Präsidenten"

Auch wenn der Oberste Befehlshaber außerhalb des Weißen Hauses unterwegs ist, folgt ihm stets ein Elite-Soldat als Kofferträger. "Die Zeit zwischen Alarm und Reaktion ist so kurz, deswegen war einer von uns immer ganz nah beim Präsidenten", erzählt Pete Metzger. Er war einer von fünf Atomkoffer-Trägern des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan, die sich rund um die Uhr abwechselten.

Mit dem rund 20 Kilo schweren Koffer hat der US-Präsident die Macht über 7000 Atomsprengköpfe. Doch anders als viele glauben, enthält auch der Koffer keinen Knopf oder Schalter, sondern ein Schwarzbuch mit möglichen Angriffszielen, eine Liste mit atombombensicheren Bunkern in den USA sowie eine Anleitung für das nationale Warnsystem.

Am wichtigsten ist im Ernstfall aber eine sieben mal zwölf Zentimeter große Karte im Koffer: Sie enthält den Identifizierungscode des Präsidenten. Und dieser Code funktioniert nur mit einem Gegenstück, das der Präsident stets bei sich tragen muss: Eine laminierte Karte, die "Biscuit", also "Keks" genannt wird.

US-Senator sorgt sich um Trumps Psyche

Nicht einen Atomknopf müsste Trump also im Ernstfall drücken, sondern Koffer und Nuklearkode parat haben. Und er müsste seinen Befehl dem Verteidigungsminister und dem Generalstabschef durchgeben. In einer Anhörung im Senat ging es jüngst um die Frage, ob diese einen Befehl Trumps notfalls ignorieren könnten. "Wir sind besorgt, dass der US-Präsident psychisch so labil ist, seine Entscheidungsprozesse so abenteuerlich sind, dass er einen Atomangriff befehlen könnte, der nicht dem nationalen Sicherheitsinteresse Amerikas entspricht", äußerte sich der demokratische Senator Chris Murphy besorgt.

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Trump äußert sich zu Nordkorea

tagesschau 20:00 Uhr, 03.01.2018, Stafan Niemann, ARD Washington

Unbestritten ist: Wenn Amerika angegriffen wird, muss der Präsident unter großem Zeitdruck allein entscheiden können. Sollte sich der Verteidigungsminister dennoch weigern, könnte Trump ihn sofort entlassen und den stellvertretenden Verteidigungsminister anweisen, seinem Befehl Folge zu leisten.

Was aber, wenn Trump einen Erstschlag befiehlt? Für dieses Szenario wollen mehrere Senatoren nun ein Mitspracherecht führender Kongresspolitiker verankern. Ein eher aussichtsloses Unterfangen. Denn während des Kalten Krieges wurde bewusst festgelegt, dass ein Präsident ohne lange Abstimmungsprozesse entscheidungsfähig sein muss. Und nach den Erfahrungen der Kuba-Krise wurde dafür gesorgt, dass alleine der Präsident als politisch Verantwortlicher entscheidet und nicht etwa "angriffslustige" Militärs. An einen psychisch instabilen Präsidenten dachte damals niemand.

"So funktioniert das"

Einen illegalen Befehl des Präsidenten müsse das Militär dennoch nicht blind befolgen, betonte kürzlich der für die US-amerikanischen Nuklearwaffen zuständige Vier-Sterne-General John Hyten: "Ich berate den Präsidenten, er befiehlt. Und wenn dies illegal ist, werde ich ihm das sagen. Und er wird fragen, was wäre denn legal. Und dann werden wir Optionen für angemessene Reaktionen beraten. So funktioniert das."

Wenn Trump jedoch entschlossen ist, Atomwaffen einzusetzen, kann ihn auch General Hyten nicht daran hindern.

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Trump hat gar keinen Atomknopf - aber Koffer und Karte
Martin Ganslmeier, ARD Washington
03.01.2018 20:27 Uhr