Kämpfer der afghanischen Taliban | Bildquelle: AP

US-Abzug aus Afghanistan Es jubeln nur die Taliban

Stand: 21.12.2018 13:18 Uhr

Schrittweise raus aus Afghanistan - die Berichte über einen Abzug der US-Truppen lassen die Regierung in Kabul scheinbar kalt. Doch es gibt auch andere Stimmen. Die NATO schweigt, die Bundesregierung hat Fragen.

Nach den Berichten über einen schrittweisen Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan versucht die Regierung in Kabul zu beruhigen. Es bestehe keine Gefahr für die Sicherheitslage, so der Tenor. "Wenn sie sich aus Afghanistan zurückziehen, wird das keine Auswirkung auf die Sicherheit haben, denn in den vergangenen viereinhalb Jahren hatten die Afghanen die vollständige Kontrolle", sagte ein Sprecher von Präsident Aschraf Ghani.

Westliche Diplomaten zweifeln das allerdings an. "Wir wissen alle, dass die Moral der afghanischen Truppen auf einem Allzeittief ist, sie sind schlecht ausgestattet, schlecht bezahlt und schlecht koordiniert", sagte ein Diplomat eines Landes, das an der NATO-Mission "Resolute Support" beteiligt ist.

Afghanische Soldaten
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Die Armee Afghanistans benötigt im Kampf gegen die Taliban noch Unterstützung.

Schock hier, Jubel dort

Afghanische Politiker und Militärs zeigten sich geschockt bis enttäuscht. Die Nachrichten kämen zu einer Zeit, in der die Taliban ohnehin auf dem Vormarsch seien. "Wir befinden uns in einer kritischen Situation, ein Truppenabzug wird unserem Land überhaupt nicht helfen", sagte Kanischka Turkistani von der Partei Junbesch. Der Parlamentskandidat Baki Samandar befürchtete, sollten die Berichte stimmen, gehe jedes Vertrauen in die Amerikaner verloren.

Ein Vertreter der radikalislamischen Taliban zeigte sich "mehr als glücklich" über die Ankündigung der USA. Die Miliz habe den Schritt nicht so schnell erwartet, sagte ein ranghoher  Taliban-Kommandeur im Nordwesten Pakistans der Nachrichtenagentur AFP. "Wir erwarten weitere gute Nachrichten".

Bundesregierung will Aufklärung

Die NATO mochte sich gar nicht äußern. "Wir haben diese Berichte gesehen", sagte Bündnissprecherin Oana Lungescu in Brüssel. Informationen dazu könnten aber nur die US-Behörden geben. Die Sprecherin verwies allerdings darauf, dass die Außenminister der Bündnisstaaten noch bei ihrem Treffen Anfang Dezember ein "unerschütterliches Bekenntnis" abgegeben hätten, in Afghanistan langfristig für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. "Unser Einsatz ist wichtig, um sicherzustellen, dass Afghanistan nie wieder ein sicherer Rückzugsort für internationale Terroristen werden kann", sagte sie.

Auch die Bundesregierung ist offenkundig überrascht von einem möglichen Teilrückzug der USA aus Afghanistan. Man dringe auf Aufklärung, dazu gebe es Kontakte mit Ansprechpartnern in den USA, sagten Sprecher des Verteidigungs- und des Außenministeriums.

Afghanische Reaktionen auf den angekündigten US-Truppenabzug
Mittagsmagazin, 21.12.2018, Sibylle Licht, ARD Neu-Delhi

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Was wird aus der NATO-Mission?

Sollten die Berichte über einen US-Teilabzug bestätigt werden, dürfte dies auch für den Ausbildungseinsatz der NATO in Afghanistan Konsequenzen haben. Laut offiziellen Angaben des Bündnisses von Anfang des Monats waren die USA zuletzt mit 8475 Soldaten beteiligt. Sie stellten damit rund die Hälfte der aktuell 16.919 Kräfte. Deutschland beteiligt sich an der NATO-Ausbildungsmission "Resolute Support" in Afghanistan mit bis zu 1300 Soldaten. Die Sicherheitslage in dem Land verschlechtert sich zusehends, die Taliban sind in vielen Regionen auf dem Vormarsch.

Trump will bis zum Frühjahr 2019 offenbar die Hälfte der US-Soldaten jetzt zurückholen, von 5000 bis 7000 Mann ist die Rede. Insgesamt sind derzeit rund 14.000 US-Soldaten am Hindukusch. Offiziell bestätigt sind die Rückzugspläne nicht. Die Meldung kommt aber einen Tag nach dem angekündigten Abzug aus Syrien. Aus Protest gegen den sicherheitspolitischen Kurs von Präsident Trump kündigte Verteidigungsminister James Mattis seinen Rücktritt an. Trump habe das Recht auf einen Verteidigungsminister, dessen Ansichten mehr auf seiner Linie lägen, so Mattis in seinem Rücktrittsschreiben. Mattis betonte darin die Bedeutung internationaler Bündnisse, besonders der NATO sowie der Allianz gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

USA hinterlassen strategisches Vakuum

Nach Einschätzung von Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik war Mattis ein "Transatlantiker alter Schule", der mit dem isolationistischen Kurs Trumps wenig anfangen konnte. Mattis sehe mit Sorge, dass die USA mit dem militärischen Rückzug aus Syrien und Afghanistan ein strategisches Vakuum hinterließen. "Die USA verlieren damit Einflussmöglichkeiten und gewähren anderen Einflussmöglichkeiten, im Falle Afghanistan sind das die Taliban."

Kaim erwartet nun eine Rückzugsdynamik auch bei anderen Staaten, die in Afghanistan engagiert sind. Auch die deutsche Beteiligung an der NATO-Operation in dem Land dürfte schneller zu Ende gehen als erwartet.

US-Soldaten sind seit 17 Jahren in Afghanistan, mehr als 2400 von ihnen kamen bei dem Einsatz ums Leben. Trump hatte noch 2017 einer Aufstockung der Zahl der US-Militärs in dem Land zugestimmt, dies nach eigenen Angaben aber widerwillig getan.

Über dieses Thema berichtete am 21. Dezember 2018 tagesschau24 um 10:00 Uhr und 11:00 Uhr, das ARD-Mittagsmagazin um 13:19 Uhr und B5 aktuell um 18:05 Uhr.

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