Konfrontation zwischen Präsident Trump und dem CNN-Reporter Acosta | Bildquelle: REUTERS

Trump über CNN-Reporter "Unverschämte, fürchterliche Person"

Stand: 08.11.2018 03:30 Uhr

Die erste Trump-Presskonferenz nach den Midterms verlief hitzig - vor allem das Rededuell mit dem CNN-Journalisten Acosta. Das Weiße Haus zog Konsequenzen aus dem Eklat und entzog ihm die Akkreditierung.

Nach einem Eklat während einer Pressekonferenz von US-Präsident Donald Trump hat das Weiße Haus dem CNN-Reporter Jim Acosta die Akkreditierung "bis auf Weiteres" entzogen. Das teilte Sprecherin Sarah Sanders mit.

Als Anlass wurde genommen, dass Acosta sich auch mehrfach geweigert hatte, das Mikrofon einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses zurückzugeben. Acosta habe sie dabei angefasst. Auch wenn Trump an eine freie Presse glaube und schwierige Fragen begrüße, werde derartiges Verhalten gegenüber einer jungen Mitarbeiterin des Weißen Hauses niemals toleriert, heißt es in der Mittelung von Sanders.

Dass sich CNN stolz über die Arbeit ihres Reporters geäußert habe, sei "nicht nur widerlich, sondern auch ein Beispiel ihrer empörenden Missachtung für alle, auch junge Frauen, die in dieser Regierung arbeiten".

Auf Fernsehaufnahmen ist zu sehen, wie die Frau sich neben Acosta stellte, sich zu ihm wandte und versuchte, ihm das Mikrofon abzunehmen. Währenddessen hielt Acosta das Gerät weiter fest und gestikulierte, dann senkte er einen Arm, der wiederum auf einen Arm der Mitarbeiterin fiel.

"Verstörend unamerikanisch"

CNN verurteilte in einem Statement die Äußerungen Trumps. "Die andauernden Angriffe des Präsidenten auf die Presse sind deutlich zu weit gegangen", heißt es darin. "Sie sind nicht nur gefährlich, sie sind verstörend unamerikanisch." Trump habe zwar einen Eid auf die in der US-Verfassung festgeschriebene Pressefreiheit geleistet und sei somit zu deren Schutz verpflichtet, er habe aber wiederholt deutlich gemacht, dass er für die Pressefreiheit keinerlei Respekt übrig habe.

"Wir stehen hinter Jim Acosta und seinen Kollegen", heißt es in der Antwort der Firmenleitung auf den Streit Trumps mit dem Reporter.

Acosta selbst sprach auf Twitter von einer Lüge.

Der Verband der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) nannte den Entzug der Akkreditierung "schwach und fehlgeleitet". Er stehe in keinem Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei nicht akzeptabel. Das Weiße Haus müsse die Entscheidung rückgängig machen.

Streit über "Karawane"

Der Journalist hatte Trump zu dessen Verbalattacken auf die zentralamerikanischen Flüchtlinge befragt, die sich zu Tausenden auf dem Weg in Richtung USA befinden. Auf die Frage, ob er die Flüchtlingstrecks im Wahlkampf bewusst "verteufelt" habe, reagierte Trump zunächst ausweichend.

Als Acosta sagte, bei den Migranten lasse sich kaum von einer "Invasion" sprechen, fuhr Trump den Journalisten an: "Ehrlich gesagt sollten Sie mich das Land führen lassen. Sie leiten CNN, und wenn Sie gut wären, wären die Einschaltquoten höher." Der Journalist ließ sich nicht beirren und fragte weiter nach.

Trump rief Acosta daraufhin zu: "Das reicht, geben Sie das Mikrofon ab", was der Journalist aber nicht tat. Kurz drauf bezeichnete Trump Acosta als "unverschämte, fürchterliche Person" und "Feind des Volkes". Trump war bereits vor fast zwei Jahren in New York - noch vor seiner Amtseinführung mit Acosta aneinandergeraten, weil ihm dessen Fragen nicht gefallen hatten.

Bei der Pressekonferenz sprach Trump mehrfach von feindseligen Medien und forderte Reporter auf, den Mund zu halten und sich hinzusetzen.

"Könnte eine schöne überparteiliche Lage sein"

Auf der Pressekonferenz hatte Trump zunächst den Demokraten nach deren Sieg im Repräsentantenhaus Zusammenarbeit angeboten. Er nannte Infrastrukturprojekte, Gesundheitsversorgung und dabei insbesondere Medikamentenpreise sowie Handel und Wirtschaft. "Es könnte wirklich eine schöne überparteiliche Lage sein."

Zugleich warnte er die Demokraten davor, im Repräsentantenhaus ihre neuen Möglichkeiten für Untersuchungsausschüsse gegen ihn und die Republikaner zu nutzen: "Sie können dieses Spiel spielen, aber wir können es besser." Wenn sie gegen ihn ermitteln würden, ermittle er gegen sie. Wenn die Demokraten ihn vorladen würden, käme die Regierung zu einem Halt.

Auf die Frage eines Journalisten bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus nach seinem Vizepräsidentschaftskandidaten fragte Trump seinen derzeitigen Vize Mike Pence vor den versammelten Reportern, ob er im Wahlkampf wieder diesen Posten übernehmen wolle. Pence antwortete mit "Ja".

Weißes Haus entzieht CNN-Reporter vorläufig die Akkreditierung
Jan Bösche, MDR Washington
08.11.2018 07:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. November 2018 um 04:55 Uhr.

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