Windräder in der Ostsee | Bildquelle: dpa

Umweltagentur zu EU-Klimazielen Zwischen Hoffnung und mahnenden Worten

Stand: 30.11.2020 16:43 Uhr

Die EU ist auf dem richtigen Kurs, ihre gesteckten Klimaziele für dieses Jahr zu erreichen - zumindest zwei von dreien, meldet die Umweltagentur EEA. Doch noch nicht alle Länder sind auf dem richtigen Weg.

Die Europäische Union ist auf dem besten Weg, zwei ihrer drei Klimaziele für 2020 zu erreichen. Einem Bericht der Europäischen Umweltagentur EEA zufolge könnten die 27 Länder (plus Großbritannien) in zwei Bereichen Erfolg haben: bei der Reduzierung der Treibhausgasemissionen und bei der Förderung der Erneuerbaren Energien. Unklar sei, ob das dritte Ziel, die Senkung des Energieverbrauchs, erreicht werde.

Treibhausemissionen gehen zurück

Dem Bericht zufolge sind die Treibhausgasemissionen seit 1990 ständig zurückgegangen. Im Zeitraum 1990 bis 2019 sei das Niveau um 24 Prozent gesunken. Ursprüngliches Ziel bis 2020 war eine Verringerung um 20 Prozent gegenüber 1990.

Höchster Rückgang 2019

Der höchste Rückgang von vier Prozent sei 2019 erreicht worden - also vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie. Das sei in einer Phase des Wirtschaftswachstums erfolgt und spiegele die langfristigen und nachhaltigen Bemühungen um niedrigere Emissionswerte wider, so der Bericht. Zwölf Länder lägen den Schätzungen zufolge unter ihren Zielen, dazu zählen auch Deutschland, Österreich und Polen.

Bei erneuerbaren Energien auf richtigem Kurs

Bei der Förderung von erneuerbaren Energien seien die EU-Länder ebenfalls auf dem richtigen Kurs, heißt es in dem Bericht weiter. Vorläufige EEA-Daten deuteten darauf hin, dass der Gesamtanteil des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen 2019 19,4 Prozent erreichte. Das Ziel für 2020 liege bei 20 Prozent.

Während der Anteil der erneuerbaren Energien an Strom, Heizung und Kühlung zum Erreichen des EU-Gesamtziels beitrug, sei man im Transportsektor vom Zehn-Prozent-Ziel noch weit entfernt. 14 Mitgliedstaaten sind aufgefordert, weitere Anstrengungen zu unternehmen. Der erhobene Zeigefinger richtet sich auch hier an Deutschland.

Mehr Anstrengung bei Senkung des Energieverbrauchs

Auch bei der Senkung des Energieverbrauchs wünscht sich die Agentur mehr Einsatz. Nach ihrer Schätzungen sind nur neun der 27 Mitgliedsländer hier auf dem richtigen Weg. "Alle anderen Mitgliedstaaten müssen weitere Anstrengungen unternehmen, um ihren nationalen Energiebedarf einzudämmen und ihre Ziele für 2020 zu erreichen."

Corona-Auswirkungen nur von kurzer Dauer?

Allerdings wird damit gerechnet, dass die Covid-19-Pandemie es den Ländern erleichtern werde, ihre Ziele zu erreichen. Der wirtschaftliche Abschwung hat vor allem die Aktivität im Transportsektor gesenkt und möglicherweise den Gesamtenergieverbrauch reduziert. In welchem Maße, sei aber noch nicht errechnet.

Die Umweltexperten fürchten jedoch, dass "die Auswirkungen von Covid-19-bezogenen potenziellen Reduzierungen von kurzer Dauer sein können und die Emissionen sich erholen, wenn die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder auf das Niveau vor Covid zurückkehren. "

Die Agentur mahnte, dass trotz der positiven Entwicklung nachhaltige und langfristige Anstrengungen erforderlich seien, um die Ziele für 2030 und 2050 zu erreichen.

"Anstrengungen in allen Wirtschaftssektoren verstärken"

Auch Frans Timmermans, EU-Kommissar für Klimaschutz, warnt vor einem Nachlassen in der Klimapolitik. In einer Mitteilung erklärte er: "Die Europäische Union beweist, dass es möglich ist, die Emissionen bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum zu senken." Der Bericht bestätige jedoch erneut, dass "wir unsere Anstrengungen in allen Wirtschaftssektoren verstärken müssen, um unser gemeinsames Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen". Beim EU-Gipfel in der kommenden Woche wird auch die Klimapolitik Thema sein.

Merkel: Müssen beim Klimaschutz auch realistisch bleiben

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte beim Klimaschutz mit Blick auf die Industrie Augenmaß ein. Sie mahnte das Europäische Parlament, "dass wir ambitioniert, aber auch realistisch bleiben". Insofern würden die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel kein Ziel einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes bis 2030 beschließen, das über 55 Prozent hinausgeht, sagte sie bei einer virtuellen Konferenz mit den Europaausschüssen der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments.

Nach der Pandemie stehe Europa vor einem großen Wettbewerb. Die EU dürfe die Industrie daher nicht "vor eine Transformation stellen, die gar nicht zu bewältigen ist, sondern es muss auch machbar sein". Bei der Umsetzung des 55-Prozent-Ziels plädiere sie für möglichst viel marktwirtschaftliche Instrumente und setze weniger auf die Ordnungspolitik.

Die EU-Kommission hatte bei der Reduzierung des Treibhausgases als Ziel bis 2030 "mindestens 55 Prozent" vorgeschlagen, das Europäische Parlament plädiert für 60 Prozent.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. November 2020 um 14:00 Uhr.

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