Demonstration in Istanbul

Demonstration gegen türkische Regierung Zwei Tote bei Protesten in Istanbul

Stand: 23.05.2014 12:28 Uhr

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten in Istanbul sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Ein 30-Jähriger sei durch einen Kopfschuss getötet worden, als er in der Nähe einer Demonstration an einer Beisetzung teilnahm, sagte der stellvertretende türkische Regierungschef Bülent Arinc.

Demnach habe die Polizei Tränengas gegen die Demonstranten eingesetzt und Warnschüsse abgegeben. Offenbar sei der Mann von einer verirrten Kugel getroffen worden. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf Augenzeugen jedoch, die Polizisten hätten mit scharfer Munition in die Menschenmenge geschossen.

Demonstration in Istanbul

Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor.

Regierung kündigt Untersuchung an

Arinc kündigte an, die von den Polizisten eingesetzten Schusswaffen sowie die auf den Mann abgefeuerte Kugel untersuchen zu lassen. "Wenn einer unserer Bürger, der nichts mit den Ereignissen zu tun hat, durch einen von einem Polizisten abgefeuerten Querschläger verletzt wird, will ich, dass alle Beteiligten sofort zur Verantwortung gezogen werden", sagte er.

Bei den Zusammenstößen wurden laut Istanbuls Gouverneur Avni Mutlu zwei Zivilisten und acht Polizisten verletzt. Die Demonstranten hatten mit Steinwürfen und Brandsätzen auf den Polizeieinsatz geantwortet, ein Polizeifahrzeug wurde in Brand gesetzt. Die Protestierenden hatten im Stadtteil Okmeydani ihren Unmut über das Grubenunglück von Soma und den Tod eines jugendlichen Demonstranten nach den Gezi-Unruhen im vergangenen Jahr kundgetan. Später demonstrierten etwa 400 Menschen lautstark vor dem Krankenhaus, in dem der 30-Jährige seinen schweren Verletzungen erlag und riefen "Ihr seid Mörder!" und "Der Mörderstaat nimmt ein weiteres Menschenleben".

Weiterer Mann von Sprengsatz getötet

Später berichtete Gouverneur Mutlu von einem zweiten Mann, der bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei ums Leben kam. Er sei seinen Verletzungen erlegen, nachdem er von einem Sprengsatz getroffen wurde. Ob er an den Protesten in Okmeydani teilgenommen hatte, ist bislang unklar.

Demonstrationen in Istanbul

Nach dem Grubenunglück von Soma und kurz vorm ersten Jahrestag der Gezi-Proteste nehmen die Auseinandersetzungen wieder zu.

Lage in Türkei sehr angespannt

Kurz vor dem Jahrestag des Beginns der regierungskritischen Gezi-Proteste mit acht Toten und mehr als 8000 Verletzten und wenige Tage nach dem Grubenunglück in Soma mit mehr als 300 Toten ist die Lage in der Türkei sehr angespannt. Viele Menschen werfen der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan aufgrund schlechter Sicherheitsstandards eine Mitverantwortung an dem Unglück in Soma vor. Kritik gab es auch an Erdogans Umgang mit der Katastrophe. Bereits in den vergangenen Tagen gingen die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vor.