Das Rohingya Flüchtlingscamp in Bangladesch einen Tag nach dem Großbrand | REUTERS

Großbrand in Rohingya-Lager 400 Vermisste, 45.000 Obdachlose

Stand: 23.03.2021 20:01 Uhr

Einen Tag nach dem verheerenden Brand in einem Flüchtlingslager in Bangladesch bietet sich den Helfern ein katastrophales Bild. Mehrere Menschen starben, Hunderte wurden verletzt, Zehntausende sind obdachlos.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Verkohlte Bäume und ausgebrannte Hütten soweit das Auge reicht: Der Großbrand in einem Flüchtlingslager für Rohingya im Süden von Bangladesch hat Tausende Baracken und Hütten zerstört, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur AP zu sehen war.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Verzweifelte Menschen suchen in den Trümmern nach ihren Angehörigen. Shappuni, eine junge Mutter, sitzt erschöpft am Wegesrand und vermisst ihren kleinen Jungen: "Gestern, bevor das Feuer ausbrach, gingen meine Kinder in die Koranschule. Danach habe ich sie nicht mehr gesehen", sagt sie. "Meine beiden älteren habe ich inzwischen gefunden, aber mein jüngster Sohn ist verschwunden."

"So etwas haben wir noch nie gesehen"

Es war bereits der dritte Brand in einem der Rohingya-Flüchtlingslager in diesem Jahr, aber noch keiner sei so gewaltig gewesen, sagte der Leiter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Bangladesch, Johannes van der Klaauw. "Es war schlimm, so etwas haben wir noch nie gesehen. Bislang wurden 15 Tote bestätigt, 560 Menschen sind verletzt und mehr als 400 werden noch vermisst", berichtet Klaauw.

Mindestens 10.000 Hütten seien völlig zerstört worden, das bedeute, mindestens 45.000 Menschen hätten kein Dach mehr über dem Kopf. Für sie müssten neue Unterkünfte gefunden werden.

Das Feuer war gestern Nachmittag in einem Abschnitt des riesigen Flüchtlingslagers ausgebrochen und hatte sich schnell ausgebreitet. Bis spät in die Nacht hinein waren die Feuerwehren zusammen mit Soldaten, Polizisten und Mitarbeitern verschiedener Hilfsorganisationen im Einsatz.

UN-Mitarbeiter berichten über schreckliche Szenen

Das ganze Ausmaß der Schäden könne noch gar nicht abgeschätzt werden, so Tomson Phiri, der Sprecher des UN-Welternährungsprogramms WFP, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Doch seine Mitarbeiter vor Ort berichteten über schreckliche Szenen und Verzweiflung der betroffenen Menschen. "Stellen Sie sich nur vor, wie das ist, wenn jemand erst vor drei, vier Jahren aus seiner Heimat fliehen musste und dabei alles verloren hat und jetzt zusehen muss, wie das Bisschen, was er besitzt und sich aufgebaut hat, in Flammen aufgeht", sagt Phiri.

Das Flüchtlingslager in Cox's Bazar gilt als eines der größten weltweit, es beherbergt rund 850.000 Menschen. Insgesamt leben etwa eine Million Rohingya aus dem benachbarten Myanmar in Bangladesch. Die meisten waren im Sommer 2017 vor Gewalt und Menschenrechtsverletzungen der Streitkräfte von Myanmar aus ihrer Heimat geflohen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. März 2021 um 20:00 Uhr.