Boris Johnson posiert mit Schülerinnen einer britischen Polizeiakademie in Reading für ein Selfie. | Bildquelle: AP

Britische Konservative Was die Durchschnitts-Tories wollen

Stand: 06.07.2019 12:42 Uhr

Die Stimmzettel sind verschickt - nun wählen die britischen Konservativen ihren Vorsitzenden. Ein Politikwissenschaftler ist sich sicher, wer zwischen Hunt und Johnson das Rennen macht.

Von Jenny Beyen, ARD-Studio London

160.000 Personen dürfen über den künftigen Chef der Konservativen Partei und damit über den britischen Premierminister abstimmen. Diese Zahl hat die Partei vor Kurzem veröffentlicht. Tim Bale ist Politikwissenschaftler an der Queen-Mary-Universität in London und recherchiert seit 2006 zu den konservativen Parteimitgliedern, den Tories. Ein typisches Tory-Mitglied sieht nach seinen Erkenntnissen so aus: "Der Durchschnitts-Tory - angenommen, es gäbe eine solche Person - ist mit großer Wahrscheinlichkeit männlich, 70 Prozent der Mitglieder sind Männer. Er ist Ende 50, vielleicht sogar schon Rentner, er lebt wahrscheinlich im Süden Englands und ist ziemlich sicher jemand, den man als weißen Briten bezeichnen würde, also kein Angehöriger einer Minderheit."

Inhaltlich seien dem Durchschnitts-Tory vor allem die Staatsausgaben wichtig: Er ist gegen zu viele Steuern und für einen höheren Verteidigungsetat, erklärt Bale. Und natürlich ist er für den Brexit: Über 70 Prozent der konservativen Parteimitglieder haben im Referendum für den Austritt gestimmt. Ihre Haltung hat sich in den vergangenen zwölf Monaten sogar noch verschärft. In diesem Zeitraum sind etwa 36.000 neue Mitglieder eingetreten.

Henley Royal Regatta - Rudern ist Nebensache
Brexit Diary - Neues von der Brexit-Insel, 04.07.2019, Annette Dittert, ARD London

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Unterwanderung durch UKIP ist nicht belegt

In der britischen Presse hält sich hartnäckig das Gerücht, dass es sich dabei um bisherige Mitglieder der EU-feindlichen UKIP-Partei handle: Sie sollen die mitgliederschwache Konservative Partei unterwandert und ihr ein deutlich schärferes Brexit-Profil gegeben haben. Tatsächlich machen die neuen Mitglieder fast ein Viertel der gesamten Konservativen aus.

Ob die Tories allerdings wirklich unterwandert wurden, lässt sich laut Bale nicht belegen. "Wir haben eine grobe Vorstellung davon, wie sich die alteingesessenen Mitglieder und die, die gerade erst beigetreten sind, ideologisch unterscheiden", sagt er. "Die Neu-Mitglieder sind wesentlich mehr an einem No-Deal-Brexit interessiert, als zum Beispiel Mitglieder, die schon 2015 in der Partei waren. Insgesamt scheint der Kurs der neuen Mitglieder härter zu sein."

Boris Johnson, der Favorit um den konservativen Parteivorsitz, posiert mit Wurstwaren einer britischen Firma. | Bildquelle: DARREN STAPLES/POOL/EPA-EFE/REX
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Boris Johnson, der Favorit um den konservativen Parteivorsitz, posiert mit Wurstwaren einer britischen Firma.

Viele halten No-Deal-Szenarien für Panikmache

Die Prognosen für einen No-Deal-Brexit sind fast einstimmig verheerend: Dramatischer Abfall der britischen Währung, enorme Verluste beim Export und dadurch große Entlassungswellen in britischen Unternehmen - das sind nur ein paar der Szenarien, vor denen unter anderem die Bank of England regelmäßig warnt. Trotzdem hat die Basis der Konservativen Partei keine Angst vor einem No-Deal.

"Letztendlich gibt es zwei Erklärungen", erläutert Bale: "Zum einen zeigen jüngste Umfragen, dass viele Mitglieder überzeugt sind, auf eine ökonomische Krise gut vorbereitet zu sein. Ein Teil der Mitglieder nimmt wirtschaftliche Schwierigkeiten auch gerne in Kauf, wenn sie dafür dem 'Bösewicht EU' entkommen können. Zum anderen glauben sie nicht, dass ein No-Deal tatsächlich viel Schaden anrichten wird. Etwa 80 Prozent sind der Meinung, dass dieses Argument nur Abschreckung ist und dass es nur zu minimalen Auswirkungen kommen wird."

"Zwischen 60 und 65 Prozent" für Johnson

Nimmt man all diese Erkenntnisse zur Parteibasis der Konservativen zusammen, kann es nach Meinung von Tim Bale im Kampf um den Parteivorsitz und den Premierminister-Posten am Ende nur einen Gewinner geben. "Ich denke, dass es ziemlich klar ist, dass sie wohl oder übel Boris Johnson wählen werden, wahrscheinlich zwischen 60 und 65 Prozent von ihnen. Er hat offenbar erreicht, dass die Parteimitglieder erstens glauben, dass er den Brexit gut über die Bühne bringen wird, und zweitens, dass selbst ein No-Deal unter ihm kein großes Problem sein wird. Ob dem am Ende tatsächlich so ist, ist natürlich eine andere Frage."

Das endgültige Ergebnis will die Konservative Partei am 23. Juli bekannt geben.

Torys stimmen über neuen Vorsitzenden und Premierminister ab
Jens-Peter Marquardt, ARD London
06.07.2019 11:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juli 2019 um 07:38 Uhr.

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