Mesale Tolu nach ihrer Freilassung | Bildquelle: dpa

Ausreisesperre aufgehoben Tolu darf Türkei verlassen

Stand: 20.08.2018 08:08 Uhr

Wende im Fall Mesale Tolu: Die deutsche Journalistin, gegen die in der Türkei ein Prozess wegen Terrorpropaganda läuft, darf das Land verlassen. Das teilten ihre Unterstützer mit.

Die wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte deutsche Journalistin Mesale Tolu darf offenbar das Land verlassen. Ein Gericht habe die Ausreisesperre gegen Tolu aufgehoben, teilte der Solidaritätskreis "Freiheit für Mesale Tolu" mit. Tolu werde schon in Kürze in Deutschland erwartet. Der Prozess werde allerdings weitergeführt.

Tolu war im Dezember 2017 nach mehr als sieben Monaten aus türkischer Haft entlassen worden. Zusammen mit dem Fall des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner und des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel hatte der Vorgang die deutsch-türkischen Beziehungen stark belastet. Doch anders als bei Steudtner und Yücel ordnete das zuständige Gericht nach der Freilassung ein Ausreiseverbot an.

Mesale Tolu mit ihrem Mann Suat Corlu und ihrem Vater Ali Riza Tolu | Bildquelle: dpa
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Mesale Tolu mit ihrem Mann Suat Corlu und ihrem Vater Ali Riza Tolu

Tolus Mann muss bleiben

Anders als Tolu muss ihr Mann, Suat Çorlu, der im selben Verfahren angeklagt ist, vorerst in der Türkei bleiben. Seine Ausreisesperre bleibe bestehen, hieß es in der Erklärung der Tolu-Unterstützer.

Der in Ulm geborenen Journalistin wird Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Bei einem Urteil drohen Tolu bis zu 20 Jahre Haft. Der nächste Gerichtstermin ist für den 16. Oktober angesetzt. Im Prozess hatte Tolu mit Blick auf ihren dreijährigen Sohn ihre Ausreiseerlaubnis gefordert. "Als deutsche Staatsbürgerin will ich, dass mein Kind in dem Land, aus dem ich komme, in den Kindergarten geht", sagte Tolu. Für das Kind ist nach Tolus Angaben in Ulm ein Kindergartenplatz reserviert.

Die Entscheidung des Gerichts kommt inmitten einer Serie von Annäherungsversuchen der Türkei an Europa. Die Türkei hatte zudem schon am Dienstag zwei griechische Soldaten aus der Haft entlassen - ihre Festnahme hatte die Beziehungen zum Nachbarland Griechenland schwer belastet. Am Mittwoch kam dann überraschend auch Taner Kilic, Ehrenvorsitzende der in London ansässigen Menschenrechtsorganisation Amnesty International, aus der Untersuchungshaft frei. Kilic war vor mehr als einem Jahr ebenfalls wegen Terrorvorwürfen inhaftiert worden.

Weitere Festnahme

Allerdings war erst am Mittwoch in der osttürkischen Provinz Elazig ein weiterer Deutscher festgenommen worden. Ihm werde vorgeworfen, über soziale Medien Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verbreitet zu haben, sagte sein Anwalt Ercan Yildirim der Deutschen Presse-Agentur.

Nach offiziellen Angaben sind in der Türkei derzeit sieben weitere Deutsche aus "politischen Gründen" in Haft. Am Mittwoch war ein Deutscher inhaftiert worden. Ihm werde vorgeworfen, über soziale Medien Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verbreitet zu haben, sagte sein Anwalt Ercan Yildirim der Deutschen Presse-Agentur.

Mesale Tolu darf Türkei angeblich verlassen
Karin Senz, ARD Istanbul z.Zt. Athen
20.08.2018 06:35 Uhr

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