Mesale Tolu steht in Istanbul neben ihrem Ehemann Suat Corlu. | Bildquelle: dpa

Prozess gegen Journalistin Tolus Mann darf Türkei nicht verlassen

Stand: 23.05.2019 11:01 Uhr

Der Prozess gegen die deutsche Übersetzerin und Journalistin Tolu wurde nach nur kurzer Verhandlung vertagt. Ihrem Mann Corlu wurde bei der Einreise in die Türkei der Pass abgenommen.

Der Prozess gegen die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu in Istanbul ist nach einer kurzen Verhandlung auf den 11. Oktober vertagt worden. Ursprünglich sollte ein geheimer Zeuge - unkenntlich gemacht und per Videoschalte - angehört werden. Laut Tolus Anwalt Keles Öztürk wurde das aber wegen eines "technischen Problems" auf die nächste Verhandlung verschoben.

Tolu selbst kam nicht zu ihrem Prozess in die Türkei. Sie lebt inzwischen mit ihrem Mann Suat Corlu in Ulm. Beide sind in dem Verfahren angeklagt, weil sie Mitglieder einer Terrororganisation sein sollen.

Tolus Mann wollte bei der Verhandlung dabei sein. Er war am Abend in die Türkei eingereist. Nach Angaben des Paares nahmen ihm die Behörden noch am Flughafen den Pass ab. Sie hätten ihm mitgeteilt, dass ein Gericht gegen ihn schon am 14. Mai eine Ausreisesperre verhängt hatte.

Acht Monate Haft wegen angeblichen Terroverdachts

Tolu twitterte daraufhin: "Ist es ein Verbrechen, dem Verfahren beiwohnen zu wollen?"

In der Verhandlung beantragte Corlu dann, die Ausreisesperre aufzuheben. Aber die Richter sahen sich nicht zuständig. Nicht sie hätten die Sperre verhängt, sondern ein Richter in Ankara.

Er selbst vermutet dahinter eine Strategie der Behörden: "Sie wollen nicht, dass wir an den Verhandlungen teilnehmen; wollen nicht, dass wir uns verteidigen; wollen nicht, dass wir es vor Gericht schaffen, unsere Unschuld zu beweisen. Sie sagen quasi: Wir wollen diesen Prozess so zu Ende führen, wie wir uns das vorgestellt haben."

Tolu war im Dezember 2017 nach fast acht Monaten aus der Haft freigekommen, durfte aber erst vergangenen Sommer die Türkei verlassen. Die Ausreisesperre gegen Corlu wurde vergangenen Oktober aufgehoben. Damals war auch Tolu noch einmal nach Istanbul gekommen.

Kritik am Verfahren

Kritik an der Vertagung des Prozesses kam unter anderem von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Margit Stumpp, die zur Prozessbeobachtung angereist war: "Der Verlauf des Prozesses heute bedeutet einen harten Rückschlag", sagte sie. Sie habe zumindest gehofft, dass der geheime Zeuge befragt werden könne. Dass die nächste Verhandlung erst im Oktober stattfinde, bedeute eine Erhöhung des psychischen Drucks auf alle Beteiligten. Es sei nicht abzusehen, wann das Verfahren beendet werde. Begonnen hatte es im Oktober 2018.

Corlu sagte: "Die gesamte Anklage beruht auf dem geheimen Zeugen, aber trotz unserer Forderung wurde er nicht angehört. Wie kann es seit vier Monaten ein technisches Problem geben?" Er zweifelte daran, dass es diesen Zeugen überhaupt gebe. "Das scheint eine Ausrede zu sein, um den Prozess in die Länge zu ziehen."

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Mesale Tolus Mann wird bei der Einreise der Pass abgenommen
Karin Senz, ARD Istanbul
23.05.2019 08:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2019 um 10:00 Uhr.

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