Kundgebung von Polizisten in Teheran mit den Porträts von General Soleimani | Bildquelle: VIA REUTERS

Konflikt zwischen USA und Iran Warnung vor neuem Golfkrieg

Stand: 03.01.2020 17:33 Uhr

Eindringlicher Appell zu "maximaler Zurückhaltung": UN-Chef Guterres hat nach der Tötung des iranischen Generals die Beteiligten aufgerufen, die Lage nicht weiter eskalieren zu lassen. Präsident Trump hingegen verteidigte seine Entscheidung.

Nach der Tötung des iranischen Elite-Generals Kassem Soleimani durch die USA wächst die Sorge vor einer militärischen Konfrontation in der Region. UN-Generalsekretär António Guterres rief die Staats- und Regierungschefs zu "maximaler Zurückhaltung" auf.

"Die Welt kann sich keinen weiteren Golfkrieg leisten", sagte Guterres laut einer Mitteilung der Vereinten Nationen. Er habe sich immer für eine Deeskalation in der Golfregion eingesetzt und die jüngste Eskalation beunruhige ihn zutiefst, sagte der UN-Chef weiter.

Besorgt äußerte sich auch Bundesaußenminister Heiko Maas. "Die US-Militäroperation folgte auf eine Reihe gefährlicher Provokationen Irans. Es ist durch die Aktion aber nicht einfacher geworden, Spannungen abzubauen", teilte er mit.

Deutsche Reaktionen auf den Angriff durch die USA
tagesschau 20:00 Uhr, 03.01.2020, Stephan Stuchlik, ARD Berlin

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Putin und Macron äußern sich besorgt

Auch der russische Präsident warnte vor einer weiteren Eskalation. Der Angriff könne "die Lage in der Region ernsthaft verschlimmern", sagte er nach Angaben des Kreml während eines Telefonats mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Beide Staatschefs hätten ihre "Sorge" zum Ausdruck gebracht.

Der britische Außenminister Dominic Raab sagte, London habe zwar "immer die aggressive Bedrohung" durch Soleimani und die von ihm befehligten Al-Kuds-Brigaden gesehen. Zugleich forderte er Zurückhaltung: Ein weiterer Konflikt liege nicht im Interesse Londons.

Lob von Netanyahu

Lobende Worte hingegen fand der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Soleimani sei verantwortlich für den Tod amerikanischer Bürger und vieler anderer Unschuldiger. US-Präsident Donald Trump habe schnell, kraftvoll und entschieden gehandelt.

Der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran drohte den USA "schwere Vergeltung am richtigen Ort zur richtigen Zeit" an. Der "kriminelle" Angriff auf Soleimani sei "der größte Fehler", den die USA in der Region begangen hätten, teilte der Nationale Sicherheitsrat mit. "Amerika wird den Konsequenzen dieser Fehleinschätzung nicht einfach ausweichen können", erklärte das höchste iranische Gremium für Verteidigungsangelegenheiten.

Unmittelbar nach dem Angriff hatte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei bereits Rache geschworen. Er drohte den "Verbrechern", die für den Tod Soleimanis verantwortlich seien, mit "schwerer Vergeltung". Zudem rief er eine dreitägige Staatstrauer aus.

Landesweite Demonstrationen gegen USA

In fast allen Teilen des Irans kam es zu Kundgebungen gegen die Vereinigten Staaten. In Teheran und anderen iranischen Städten gingen Zehntausende Demonstranten auf die Straße. Sie protestierten im Anschluss an die Freitagsgebete. Teilnehmer riefen "Tod für Amerika" und zeigten Plakate mit Bildern Soleimanis. Viele ältere Männer und Frauen nahmen an den Protestzügen im Iran teil, einige hielten Porträts des geistlichen Oberhaupts Khamenei in die Höhe, andere trauerten offen um Soleimani und weinten.

"Den Begriff Sicherheit und Entspannung können die Amerikaner ab heute vergessen", sagte der ranghohe Kleriker Ahmad Chatami beim Freitagsgebet in Teheran. Trump könne sich darauf einstellen, dass der Iran "das Blut Soleimanis rächen" werde und "seine Tage in dunkle Nächte" umwandeln werde, sagte der Geistliche, der den Hardlinern im Land nahe steht.

Lob, Kritik und Angst vor Vergeltung in den USA nach Angriff auf iranischen General
tagesschau 20:00 Uhr, 03.01.2020, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Trump verteidigt Entscheidung

Trump selbst verteidigte seine Entscheidung. Soleimani habe über eine lange Zeit "Tausende Amerikaner getötet oder schwer verletzt", twitterte er. "Und plante, noch viele weitere zu töten...aber wurde geschnappt!" Der Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden "hätte vor vielen Jahren außer Gefecht gesetzt werden sollen", schrieb Trump weiter, und übte indirekt Kritik an der Iran-Politik seiner Vorgänger: "Der Iran hat noch nie einen Krieg gewonnen, aber noch nie eine Verhandlung verloren!"

Soleimani war in der Nacht zu Freitag bei einem US-Angriff nahe des Flughafens von Bagdad getötet worden. Er war Kommandant der berüchtigten Al-Kuds-Brigaden, die zu den iranischen Revolutionsgarden gehören und für Auslandseinsätze zuständig sind.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau und tagesschau24 am 03. Januar 2020 ab 17:00 Uhr.

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