Amnesty International

Amnesty-International-Report 2015 Zahl der Hinrichtungen drastisch gestiegen

Stand: 06.04.2016 02:01 Uhr

Die Zahl der Exekutionen ist weltweit so stark gestiegen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Insgesamt zählte Amnesty International 1634 Hinrichtungen. Die tatsächliche Zahl ist laut Amnesty aber viel höher, in China seien erneut Tausende exekutiert worden.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Es ist eine Bilanz aus Licht und Schatten: Die Zahl der Todesstrafen ist im vergangenen Jahr weltweit so stark gestiegen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig ist die Zahl der Länder, die die Todesstrafe anwenden, aber gesunken. Nachdem jetzt auch Surinam, die Fidschi-Inseln, die Republik Kongo und Madagaskar die Todesstrafe abgeschafft hätten, seien die Länder, in denen es keine Exekutionen mehr gebe, erstmals in der Mehrheit, sagt Amnesty International-Direktorin Audrey Gaugham.

Verurteilte in China
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In einem der größten Korruptionsprozesse Chinas wurden im Jahr 2000 14 Todesurteile verhängt. Das Archivbild von November 2000 zeigt einige der Verurteilten.

Weniger Länder, aber insgesamt deutlich mehr Fälle - der Grund: Vor allem in Pakistan, im Iran und in Saudi-Arabien ist die Zahl der Todesstrafen stark gestiegen. Pakistan hatte die Todesstrafe im vergangenen Jahr nach dem Terrorangriff auf eine Schule in Peschawar wieder eingeführt.

Auch Jugendliche und Behinderte wurden hingerichtet

Seitdem wurden in Pakistan 326 Menschen exekutiert - längst nicht alle seien Terroristen gewesen, kritisiert Champa Patel, Amnestys Südostasien-Expertin: "Unsere Analyse zeigt, dass die große Mehrheit der Exekutionen nicht an verurteilten Terroristen vollzogen wurde. Es wurden Jugendliche getötet, und Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, Menschen aus armen Familien, die sich keine ordentliche Verteidigung leisten konnten."

Ähnlich ist die Lage in Saudi-Arabien. Dort seien im vergangenen Jahr 158 Menschen exekutiert worden, so viele wie seit 1995 nicht mehr. "Saudi-Arabien nutzt den Anti-Terrorkampf auch, um Dissidenten auszuschalten. Die Hälfte der Exekutierten sind außerdem Ausländer, die in der Regel wegen Drogenvergehen verurteilt wurden. Darunter viele ausländische Arbeitnehmer und Haushaltshilfen, die in Saudi-Arabien kaum Rechte haben und in den Prozessen unfair behandelt werden", berichtet Amnestys Nahost-Experte James Lynch.

Fast drei Exekutionen pro Tag im Iran

Noch schlechter sieht die Lage im Iran aus. Dort wurden im vergangenen Jahr 977 Menschen exekutiert, ebenfalls vor allem wegen Drogenvergehen. Fast drei Exekutionen pro Tag wurden durchgeführt, darunter auch Exekutionen an Jugendlichen. Das stelle einen Verstoß gegen internationales Recht dar, der im krassen Gegensatz zu den Bemühungen Irans stehe, wieder international anerkannt zu werden, so Lynch.

In den Vereinigten Staaten wurden im vergangenen Jahr 28 Todesstrafen vollzogen, so wenige wie seit 1991 nicht mehr. In Europa gab es keine Exekutionen, aber Weißrussland, das einzige europäische Land, das die Todesstrafe noch anwendet, verhängte sie 2015 zwei Mal. Die beiden Verurteilten warten jetzt auf den Vollzug.

Insgesamt zählte Amnesty International im vergangenen Jahr weltweit 1634 Exekutionen. Die tatsächliche Zahl ist nach Angaben der Organisation aber viel höher: In China seien erneut Tausende Menschen exekutiert worden, dort werde die Todesstrafen-Statistik jedoch als Staatsgeheimnis behandelt. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. April 2016 um 07:23 Uhr

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