Andrea Camilleri  | Bildquelle: CLAUDIO PERI/EPA-EFE/REX

Autor der Montalbano-Krimis Trauer um Andrea Camilleri

Stand: 17.07.2019 11:43 Uhr

Der italienische Bestseller-Autor Andrea Camilleri ist tot. Er wurde 93 Jahre alt. Sein Leben war geprägt vom Kampf gegen Faschismus. Über Innenminister Salvini sagte er, dieser löse "Brechreiz" aus.

Von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

Vor wenigen Tagen hätte der gebürtige Sizilianer eigentlich noch einen großen Auftritt haben sollen - in den römischen Caracalla-Thermen. Für den Bestseller-Autoren Andrea Camilleri wäre das ein Abschied ganz nach seinem Geschmack geworden. Wenn er könne, würde er seine Karriere mit Geschichtenerzählen auf der Piazza beenden, ließ sich der Erfolgsautor zitieren. Danach würde er durchs Publikum gehen mit seiner sizilianischen Mütze in der Hand. 

Der Applaus der Menschen wäre ihm sicher gewesen. Camilleri stand für ein "besseres Italien", für ein Italien, um dessen Zustand er sich zuletzt große Sorgen machte. Alles werde schlechter, "in der Sprache, in der Art, wie wir miteinander umgehen, durch eine absurde Aggression", so der Autor zuletzt in den sozialen Medien.

Doch zu dem ersehnten Auftritt in den Thermen kam es nicht mehr. Bereits im Juni war der Schriftsteller nach einem Herzstillstand in kritischem Zustand in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert worden. Zuletzt habe sich sein Zustand dramatisch verschlechtert, teilte das Krankenhaus mit. Nun starb Camilleri im Alter von 93 Jahren.

Geprägt von den letzten Kriegsjahren

Der Schriftsteller war ein sehr politischer Mensch, stark geprägt vor allem in den letzten Kriegsjahren. "Mit ungefähr 17 Jahren begann ich zu verstehen, dass Freiheit etwas anderes ist", sagte er. Und das habe er durch Lesen verstanden. "Den Büchern verdanke ich, außerhalb der geschlossenen Welt des Faschismus eine andere Welt entdeckt zu haben."

Eine Welt, die wunderschön sein konnte, so wie sein geliebtes Sizilien, das er in seinen Büchern liebevoll beschrieb. Aber auch sehr hässlich, wie die vielen Probleme Italiens, die Camilleri immer wieder zum Thema machte: Korruption, organisiertes Verbrechen und eine nicht wirklich aufgearbeitete Vergangenheit, die der Autor zuletzt immer näher kommen sah. "Achtung! Wir treten ein in eine Herrschaftsform geprägt von Gewalt und Rücksichtslosigkeit", sagte er.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hält bei einer Rede im Mai 2019 einen Rosenkranz in den Händen. | Bildquelle: AFP
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Salvini mit Rosenkranz in der Hand: "Das ist ein Zeichen von schlechtem Geschmack", sagte Camilleri dazu.

Klare Worte gegen Salvini

Vor allem Matteo Salvini, dem starken Mann in der italienischen Regierung, stand er extrem kritisch gegenüber. Dass sich dieser in der Öffentlichkeit mit einem Rosenkranz gezeigt habe, rufe Brechreiz in ihm hervor, sagte Camilleri erst jüngst gegenüber der Zeitung "Repubblica".

"Es ist klar, dass all das instrumentalisiert wird. Der Papst, der genau weiß, was er tut, nimmt keinen Rosenkranz in die Hand - sowas braucht der nicht." Salvini wisse, dass er die Heiligen in dem Moment, in dem er sie benutze, zutiefst beleidigen würde. "Das ist ein Zeichen von schlechtem Geschmack", sagte der Bestseller-Autor.

Scheinheiligkeit musste sich Camilleri selbst nie vorwerfen lassen. Als jungen Kerl hatten sie ihn aus dem bischöflichen Kolleg geworfen - so wurde es eben eine weltliche Karriere, die erfolgreicher kaum hätte verlaufen können. Allein in Italien haben sich seine mehr als einhundert Bücher über 20 Millionen Mal verkauft. In rund 30 Sprachen wurden seine Werke übersetzt.  

Erster Roman erst mit 57 Jahren

Dabei war er ein literarischer Spätzünder. Seinen ersten Roman hatte Camilleri mit 57 Jahren veröffentlicht. Der große Durchbruch kam schließlich schon im Rentenalter mit seinen Montalbano-Krimis, die sich auch in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen.

Davor war er vor allem als Regisseur erfolgreich. Radio, Fernsehen und Theater - kaum ein Genre war ihm fremd. Camilleri war Teil der italienischen Kultur und vor allem ein guter Mensch.

Nachruf Andrea Camilleri
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
17.07.2019 10:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juli 2019 um 11:00 Uhr.

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