Ein Verkehrsschild weist auf Fahrverbote auf Ausweichstrecken in Tirol hin | Bildquelle: dpa

Transitstreit mit Österreich Tirol genießt die Ruhe

Stand: 25.07.2019 09:14 Uhr

Für deutsche Urlauber bedeuten die österreichischen Fahrverbote: kein Ausweg aus dem Stau. Für die Anwohner: ersehnte Ruhe. Ein Versuch, den Verkehrsstreit zu lösen, startet heute in Berlin.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Rentnerin Karla wohnt in Kufstein an der Grenze zu Deutschland, direkt an der Autobahnauffahrt. An Wochenenden in der Hauptreisezeit ist hier normalerweise die Hölle los, weil viele Autofahrer ihren Navis folgen und Staus durch Kufstein umfahren. "Man kommt ja nicht einmal mehr aus der Garagenausfahrt heraus", erzählt Karla. "Das glaubt vielleicht jemand von außen nicht. Es ist echt eine Belastung und es wird mit jedem Jahr mehr."

Bis zum Ende der Feriensaison am 15. September haben die Kufsteiner aber erst einmal Ruhe. Das Land Tirol hat beschlossen, dass ausländische Autofahrer von sieben Uhr am Samstag bis 19 Uhr am Sonntag bei Stau nicht mehr über die Nebenstraßen ausweichen dürfen. Das gilt entlang der Brenner- und der Inntalautobahn und auch rund um die Städte Reutte und Kufstein. Im Bundesland Salzburg gibt es ähnliche Fahrverbote.

Martin Krummschnabel, Bürgermeister von Kufstein, ist mit dieser Initiative der schwarzgrünen Tiroler Landesregierung zufrieden: "Wir in Kufstein waren begeistert, als wir gehört haben, dass die Landesregierung jetzt wirklich die Diskussionen auf die längere Bank schiebt und Maßnahmen vorzieht."

Transitgipfel: Annäherung aus Absichtserklärungen
tagesschau 17:00 Uhr, 25.07.2019, Volker Schwenck, ARD Berlin

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Lange Gesichter in Bayern

Beim direkten Nachbarn in Bayern kommt das nicht gut an: Kurz nachdem die Österreicher mit ihrer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof die deutschen Mautpläne zu Fall gebracht hatten, vermiesen sie den deutschen Autofahrern auch noch den Urlaub, wird manch einer gedacht haben. Es folgte ein heftiger Schlagabtausch zwischen Tirol und Bayern beziehungsweise Deutschland. Auch die sogenannte Blockabfertigung befeuert den Streit. Österreich lässt bei hohem Verkehrsaufkommen Lkw nur schubweise über die Grenze, auf deutscher Seite entstehen somit lange Staus.

Gipfel in Berlin soll Streit schlichten

Heute soll in Berlin nach Wegen gesucht werden, diesen Nachbarschaftsstreit um Transit und Verkehr zu lösen. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter zeigt sich unnachgiebig - an dem Gespräch nehme er nur Teil, weil er sich Bewegung von Deutschland erhoffe: "Ich werde nicht über unsere Fahrverbote diskutieren, Lkw-Blockabfertigungen aber auch Lkw- und Pkw-Fahrverbote, da werde ich keinen Millimeter nachgeben."

Platter verweist darauf, dass im Jahr 2018 2,4 Millionen Lkw über den Brenner gerollt sind. Das sei mehr als bei allen sechs Alpenübergängen in der Schweiz und in Frankreich zusammen. "Es kann doch nicht sein, dass wir so einen gewaltigen Umwegtransit zu verzeichnen haben, nur weil diese Strecke von München nach Verona viel zu billig ist."

 "Korridormaut" und höhere Dieselpreise

Schon lange will Platter die Brennerroute für Lkw unattraktiv machen und eine sogenannte Korridormaut durchsetzen - und diesen Vorschlag bringt er auch mit nach Berlin. Das bedeutet, dass die Mautgebühren auf der Strecke München-Verona angepasst werden sollen. In Deutschland sind sie zum Beispiel deutlich niedriger als in Österreich. Bayerns CSU-Ministerpräsident Söder hat in dieser Sache nun Gesprächsbereitschaft signalisiert. Im Gegenzug forderte er die Tiroler auf, von der Lkw-Blockabfertigung abzurücken. Das hat Tirol aber kategorisch ausgeschlossen. Meldungen, wonach Österreich prüfe, im Gegenzug für die "Korridormaut" die Dieselpreise für Lkw zu erhöhen, hat das Verkehrsministerium in Wien gegenüber der ARD zurückgewiesen. Es zeichnet sich also eine Pattsituation ab.

Rentner Günther aus Kufstein in Tirol kennt diese Situation vor seiner Haustür, wenn der Reiseverkehr anrollt: "Ja, verstehe ich auch. Ein jeder möchte natürlich schauen, dass er weiterkommt. Wir möchten aber auch schauen, dass wir weiterkommen, nicht?"

Fahrverbote und Blockabfertigung bleiben: Tirols Haltung vor Treffen in Berlin
Srdjan Govedarica, ARD Wien
25.07.2019 08:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das morgenmagazin am 25. Juli 2019 um 06:10 Uhr.

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