Der US-amerikanische Außenminister Rex Tillerson | Bildquelle: REUTERS

Tillerson zu Nordkorea-Konflikt "Kein Grund für schlaflose Nächte"

Stand: 09.08.2017 13:57 Uhr

Alles halb so wild? Laut US-Außenminister Tillerson ist eine Eskalation des Nordkorea-Konflikts nicht nähergerückt. Präsident Trump habe Diktator Kim eine klare Botschaft in einer Sprache senden wollen, die dieser verstehe. In den USA gibt es aber auch Kritik an Trump.

US-Außenminister Rex Tillerson hat nach den gegenseitigen Drohungen von US-Präsident Trump und Nordkorea zur Ruhe aufgerufen. Es gebe keine unmittelbare Bedrohung, und die US-Bevölkerung habe kein Grund für schlaflose Nächte.

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"Wir begegnen dem mit Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat."

Donald Trump

Tillerson widersprach Interpretationen, wonach die USA einem militärischen Eingreifen näher gekommen seien: "Nichts, was ich gesehen habe und nichts, von dem ich weiß, deutet darauf hin, dass sich die Lage in den vergangenen 24 Stunden dramatisch verändert hat."

Die nordkoreanischen Streitkräfte hatten den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam gedroht. Dies folgte auf eine Aussage von Trump. Dieser sagte, wenn Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen "begegnet mit Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat".

Tillerson sagte nun, Trump habe "eine klare Botschaft" senden wollen - "in einer Sprache, die Kim Jong Un verstehen kann, weil er die Sprache der Diplomatie nicht zu verstehen scheint". Die eskalierenden Drohungen aus Pjöngjang wiederum offenbarten den Druck der erfolgreichen US-Strategie in dem Konflikt.

"Unbesonnene Rhetorik keine gute Strategie"

Zuvor hatten einflussreiche Politiker beider US-Parteien den Präsidenten kritisiert. Der republikanische US-Senator John McCain sagte, große Führer sprächen keine Drohungen aus, wenn sie nicht zum Handeln bereit seien. "Und ich bin nicht sicher, dass Präsident Trump zum Handeln bereit ist." Zugleich warnte er davor, die Äußerung des Präsidenten allzu ernst zu nehmen: "Das ist typisch Trump. Er neigt zu Übertreibungen."

Bei den Demokraten gab es weniger Verständnis. "Gegenüber Nordkorea müssen wir hart und mit Bedacht vorgehen", sagte der Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer. "Unbesonnene Rhetorik ist keine gute Strategie, um die Sicherheit Amerikas zu gewährleisten." Ähnlich kommentierte laut CNN auch Senatorin Dianne Feinstein die Lage: Trump trage mit seinen "bombastischen Äußerungen" nicht zur Entspannung bei.

"Wutgeschrei"

Der Demokrat Eliot Engel, Mitglied im Außenausschuss des Repräsentantenhauses, sagte laut CNN, Trump verspiele die Glaubwürdigkeit der USA mit seiner unangemessenen Reaktion. "Nordkorea ist eine reale Bedrohung. Aber die gestörte Reaktion des Präsidenten deutet an, dass er in Erwägung zieht, als Antwort auf die böse Bemerkung eines nordkoreanischen Despoten amerikanische Atomwaffen einzusetzen."

Der ranghöchste Demokrat im Außenausschuss des Senats, Ben Cardin, verglich Trumps Worte gar mit der Rhetorik aus Pjöngjang: "Wir sollten nicht in dasselbe Wutgeschrei und dieselben Provokationen über einen Atomkrieg einstimmen wie Nordkorea."

Mahnungen auch aus Berlin

Die Bundesregierung rief alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf. "Wir verfolgen die rhetorische Eskalation um die koreanische Halbinsel mit größter Sorge", sagte ein Außenamtssprecher. "Weiteres Säbelrasseln wird uns hier sicher nicht weiterhelfen." Der militärische Weg könne keine Lösung sein.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wiederum sah China in der Pflicht, weil es als einziges Land Einfluss auf Nordkorea habe. Die Ministerin nannte die Eskalation des Konfliktes besorgniserregend.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz rief die USA und die gesamte Weltgemeinschaft auf, sich nicht von Nordkoreas Drohungen provozieren zu lassen. Es sei nun wichtig, "mit kühler Abwägung" zu reagieren. "Wir sehen, wohin es führt, wenn wir nicht nuklear abrüsten", fügte er hinzu.

Mit Besorgnis und dem Wunsch nach einer stärkeren Sicherheitszusammenarbeit mit den USA hat die japanische Regierung auf die Eskalation der Atomkrise mit Nordkorea reagiert. Ein Regierungssprecher sagte nach Trumps Warnung, auf weitere Drohungen Nordkoreas mit "Feuer, Wut und Macht" zu antworten, Tokio schätze die Position Washingtons.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2017 um 04:58 Uhr und 14.00 Uhr.

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