Der Dalai Lama zu Besuch im EU-Parlament

Besuch des Dalai Lama EU-Abgeordnete fasten für Tibet

Stand: 04.12.2008 13:10 Uhr

Seit Mitternacht fasten Europaabgeordnete und EU-Beamte aus Solidarität mit dem tibetischen Volk. Die Aktion soll 24 Stunden dauern, sagte der Vorsitzende der sogenannten Tibet-Intergruppe des Europaparlaments, Thomas Mann. Er und "mindestens 40" andere Parlamentarier wollten in dieser Zeit nur Wasser oder gesüßten Tee zu sich nehmen, so der CDU-Politiker.

Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, besuchte heute das EU-Parlament. Er nahm von Mann eine Liste mit den Namen von 520 Abgeordneten sowie Angestellten von Parlament und EU-Kommission entgegen, die die Aktion zumindest symbolisch unterstützen. Der Tibeter habe die Aktion begrüßt, berichtete Mann nach dem Treffen mit dem Gast. Der Dalai Lama sehe darin ein "wichtiges Signal" angesichts der verfahrenen Lage im chinesisch-tibetischen Dialog, den Peking abrupt abgebrochen habe.

Der Dalai Lama zu Besuch im EU-Parlament

Für zwei Tage ist der Dalai Lama in Belgien zu Besuch: heute im EU-Parlament.

Rede mit stehenden Ovationen gewürdigt

In einer Rede vor dem Plenum bekräftigte der Friedensnobelpreisträger seinen Verzicht auf ein von China unabhängiges Tibet. "Wir wollen bei China bleiben, aber mit einer echten Autonomie und unter Wahrung unserer Identität", sagte er. Wenn Vertreter Chinas behaupteten, er wolle eine Abspaltung Tibets, sei dies vollkommen falsch.

Zugleich warb der Dalai Lama um Unterstützung für sein Volk. Wer den Tibetern helfe, helfe aber auch den Chinesen. Denn China schlage eine zunehmend "totalitäre Richtung" ein, es unterdrücke Presse- und Redefreiheit. Die EU müsse im Umgang mit Peking auf dem Schutz der Menschenrechte bestehen, forderte der Dalai Lama, den die EU-Abgeordneten mit stehenden Ovationen feierten. Viele der EU-Volksvertreter trugen weiße tibetische Schals - als Zeichen ihrer Solidarität mit den Tibetern.

China warnt Sarkozy vor Treffen mit Dalai Lama

Am Samstag ist ein Treffen des Friedensnobelpreisträgers mit dem französischen Staatsoberhaupt und EU-Ratspräsidenten Nicolas Sarkozy geplant. Die chinesische Regierung warnte Sarkozy erneut vor dieser Verabredung. China lege großen Wert auf eine "strategische Partnerschaft" und den Handel mit Frankreich, sagte Außenminister Liu Jianchao in Peking. Handelsbeziehungen setzten aber "gute bilaterale Beziehungen" voraus. Aus Protest gegen das Treffen hatte Peking bereits einen für vergangenen Montag in Lyon geplanten EU-China-Gipfel platzen lassen.