Strand bei Hammamet | REUTERS

Thomas-Cook-Insolvenz Urlauber sitzen fest, Reisebranche klagt

Stand: 23.09.2019 17:40 Uhr

Allein in Griechenland sitzen wegen der Cook-Pleite rund 50.000 Urlauber fest, in der Türkei sind es mindestens 22.000. Auch die Reisebranche in den Ländern reagiert nervös. Die Hoteliers befürchten deutliche Einbußen.

Die Insolvenz des Thomas-Cook-Konzerns sorgt nicht nur bei Urlaubern für Nervosität. Auch für die Reisebranche in mehreren Ländern ist die Pleite ein Schlag - ganz besonders viele Thomas-Cook-Reisende sind in der Türkei und in Griechenland.

Griechische Reiseunternehmer und Hoteliers reagieren unterschiedlich auf die Nachrichten von der Pleite des Reise-Konzerns. Thomas Cook hat in den vergangenen Jahren Millionen Gäste nach Griechenland gebracht. Die jetzt in Griechenland festsitzenden etwa 50.000 Urlauber, die bald in ihre Heimatländer zurückgebracht werden müssen, sind nur ein Teil des Problems, mit denen die griechische Reisebranche jetzt umgehen muss.

Da speziell Thomas Cook für Verträge in den Hotels oft nur 40 Prozent der anfallenden Kosten vorab beglichen hatte, könnten einige Hoteliers nun ziemlich lange auf die Überweisung der restlichen Gelder warten. Sie müssen hoffen, dass die Versicherungen auch tatsächlich für alle anfallenden Ausfallkosten aufkommen werden.

Athen hat Krisenstab gebildet

In einer schriftlichen Stellungnahme des Tourismusministeriums in Athen heißt es, die Regierung habe einen Krisenstab gebildet. Die ersten 15 Flugzeuge zur Rückführung von Thomas-Cook-Reisenden würden auf den Inseln Kos, Korfu und Zykynthos erwartet.

Während einige griechische Veranstalter sich relativ gelassen zeigten, wählte der Präsident des Tourismusverbands auf Kreta, Michalis Vlatkis, drastische Worte: Es sei "ein Erdbeben der Stärke 7", das mit der Thomas-Cook-Pleite die größte griechische Insel erschüttert habe. Auf Kreta seien bisher besonders viele Urlauber, die bei Thomas Cook gebucht hätten - allein in der laufenden Saison etwa 400.000 Besucher.

Die griechische Hotel-Branche rechnet mit Einbußen, die auch in den kommenden Jahren zu spüren sein würden. Ein Hotelier auf Kreta wird in griechischen Medien mit den Worten zitiert, durch die Pleite und die zunächst in Griechenland gestrandeten Urlauber stehe das gute Bild des ganzen Landes auf dem Spiel.

Spanien: Harter Schlag für die Balearen

Die Pleite hat auch in Spanien bei Tausenden Gästen und in der Tourismusbranche große Sorgen ausgelöst. Die Tourismusmisterin María Reyes Maroto sagte, sie sei mit den Hotelierverbänden in Kontakt, um Strategien zu erarbeiten. Auch auf Mallorca ist man alarmiert. "Das ist ein sehr harter Schlag für die Balearen, sagte der für Tourismus zuständige Regionalminister Iago Negueruela dem Radiosender SER. Der finanzielle Schaden sei noch gar nicht abzuschätzen.

Im gesamten Land seien bisher 46 Flüge von Thomas Cook ausgefallen, teilte die spanische Flughafenverwaltungsgesellschaft Aena mit. In Spanien sind Schätzungen zufolge 25.000 bis 30.000 Touristen betroffen.

Kanaren: Sorgen wegen Wintersaison

Auf den Kanarischen Inseln sitzen bis zu 30.000 Touristen fest. Das sagte der Präsident der Hoteliersvereinigung in Las Palmas, José María Mañaricúa, dem Radiosender Cadena Ser. Die Hoteliers auf den Kanaren seien zudem in großer Sorge, was die Wintersaison angeht, da viele Buchungen über Thomas Cook getätigt worden seien. Auf elf spanischen Flughäfen begannen bereits die Rückholungen britischer Thomas-Cook-Kunden. Etwa 150.000 von ihnen hielten sich aktuell in Spanien auf.

Aus Zypern sollen 15.000 Thomas-Cook-Kunden zurückgebracht werden, wie der stellvertretende Tourismusminister Savvas Perdios sagte. Die Regierung stimme sich dazu eng mit Großbritannien ab. Die Hälfte der Betroffenen seien Briten, 40 Prozent kämen aus Skandinavien und der Rest aus Deutschland. Perdios warnte, der Tourismusindustrie drohe ein Verlust von 50 Millionen Euro.

Türkei stellt Kredite in Aussicht

In der Türkei sind nach Angaben des Tourismusministeriums etwa 22.000 Urlauber von der Thomas-Cook-Insolvenz betroffen. Sollten auch die deutschen Tochterfirmen von Thomas Cook in Insolvenz gehen, könnte sich die Zahl der auf Hilfe bei der Rückkehr angewiesenen Urlauber um weitere 20.000 erhöhen. Insgesamt sind demnach 80.000 Touristen mit den verschiedenen Tochterfirmen in der Türkei.

Der zuständige Minister Mehmet Nuri Ersoy hat türkischen Reiseunternehmen oder Hotelkonzernen Hilfe über staatliche Kredite in Aussicht gestellt, wenn sie die jetzt anfallenden zusätzlichen Kosten nicht über Versicherungen erstattet bekommen. Das Kreditpaket werde 50 Millionen Euro umfassen, sagte Ersoy.

Diese Regelung in der Türkei soll aber zunächst nur für die betroffenen Reiseverträge von Thomas Cook in Großbritannien gelten. Hotels dürften in der Türkei außerdem keine Zahlungen von Gästen verlangen oder sie dazu auffordern, ihre Zimmer zu räumen, sonst drohten ihnen gerichtliche Konsequenzen. Die Zahlungen von Reisenden, die bis 22. September eine Unterkunft gebucht hatten, seien abgesichert.

Passagiere am Enfidha-Hammamet International Airport in Tunesien | REUTERS

Urlauber warten auf dem Enfidha-Hammamet International Airport in Tunesien auf ihre Abreise, die Regierung arbeitet nach eigenen Angaben mit Hoteliers und Reiseagenturen zusammen. Bild: REUTERS

Tunesien: Reibungslose Rückkehr

In Tunesien hat die Regierung den Reisenden eine reibungslose Rückkehr in ihre Heimatländer zugesichert. Man arbeite mit Hoteliers und Reiseagenturen zusammen, "um sicherzustellen, dass alle Touristen Tunesien unter den besten Umständen verlassen", teilte das Tourismusministerium mit.

Britische Medien hatten zuvor berichtet, dass Tunesien-Urlauber wegen eines Zahlungsstreits in einem Hotel nahe der Hauptstadt Tunis festgehalten worden seien. Ein Hotel hatte von abreisenden Thomas-Cook-Kunden zusätzliches Geld gefordert - aus Sorge, von dem insolventen Anbieter keine Zahlungen zu erhalten, erzählten Urlauber dem Radiosender BBC. Als Touristen sich weigerten, hätten Wachleute die Türen geschlossen und niemand habe das Gebäude verlassen dürfen.

Das Tourismusministerium dementierte, dass Urlauber festgehalten worden seien. Das Auschecken habe sich lediglich für eine Weile verzögert. Die betroffenen Touristen haben demnach später ausgecheckt und die Rückreise angetreten. Das Hotel entschuldigte sich bei ihnen für die Verspätung. Der Präsident des Hotelverbandes im Bezirk Nabeul, Mehdi Allani, kritisierte das Verhalten der Hotelführung. Nicht die Gäste, sondern der Reiseveranstalter sei für die offenen Zahlungen verantwortlich. Thomas Cook habe Rechnungen in Höhe von rund 60 Millionen Euro an tunesische Hotels nicht bezahlt, sagte Allani. Nach schweren Anschlägen im Jahr 2015 erholt sich der Tourismus in Tunesien erst langsam wieder.

Mit Informationen von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2019 um 12:00 Uhr.