Ein Demonstrant bei Protesten in Bangkok trägt ein Banner und eine Königkrone auf dem Kopf. | Bildquelle: DIEGO AZUBEL/EPA-EFE/Shutterstoc

Proteste in Thailand Die Jugend rüttelt am Königsthron

Stand: 19.09.2020 12:42 Uhr

In Bangkok demonstrieren wieder Tausende für mehr Demokratie und Reformen. Vor allem König Vajiralongkorn steht in der Kritik - obwohl Majestätsbeleidigung mit Gefängnis bestraft wird.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Ein buntes Meer von Schirmen im Bangkoker Nieselregen - Tausende fast ausschließlich junge Menschen haben sich vor der Universität versammelt. Seit Wochen schon demonstrieren sie für Neuwahlen und Reformen der thailändischen Monarchie. Der Protest richtet sich zum einen gegen den früheren Armeegeneral Prayuth Chan-Ocha, der sich 2014 an die Macht putschte und vergangenes Jahr in einer umstrittenen Wahl als Premierminister bestätigen ließ. Außerdem fordern die Demonstranten die Abschaffung des sogenannten "Lèse-majesté" - einem Gesetz, das Majestätsbeleidigung mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft.

Zehntausende demonstrieren in Thailand für mehr Demokratie
tagesschau24 15:00 Uhr, 20.09.2020

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"Wozu brauchen wir einen König?"

Maha Vajiralongkorn, Sohn des einst sehr verehrten Königs Bhumipol, hat in den Augen vieler Thailänder die Monarchie ad absurdum geführt. Der Regent lebt weitgehend in Bayern, seine feudalen Eskapaden füttern regelmäßig die deutsche Boulevardpresse. Artikel, die sich auch in Thailands sozialen Medien rasant verbreiten, ebenso wie der wachsende Unmut seiner Untertanen. Der Hashtag "Wozu brauchen wir einen König?" wurde eine Million mal geteilt. Die Millionen-Ausgaben für die königlichen Hobbies - eine Flugzeug- und Helikoptersammlung etwa - haben sich in kürzester Zeit mehr als verdoppelt, während in Thailand das Geld für Corona-Tests fehlt.

Demonstranten vor einem Gebäude in Bangkok, an dem ein Plakat mit dem Foto des Königspaars hängt. | Bildquelle: DIEGO AZUBEL/EPA-EFE/Shutterstoc
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Das Bild des Königspaars prangt meterhoch an einem Gebäude in Bangkok. Die Demonstranten äußern offen Kritik am thailändischen König, obwohl sie dafür bestraft werden könnten.

"Der König führt mit Steuergeldern, das die Leute hier dringend brauchen, ein glückliches Leben in Europa", klagt diese Studentin, "Wenn er in Deutschland ist, kann er hier nicht seine Pflicht tun. Damit verletzt er seine Landsleute, die ihn verehren, aber er ist nicht für sie da."

Junge Generation will Regeln nicht mehr akzeptieren

Solche Sätze sind ungeheuerlich für thailändische Verhältnisse. Es sind schon Frauen und Männer wegen zurückhaltenderer Kritik jahrelang hinter Gitter geschickt worden. Doch die junge Generation ist dank Internet und sozialer Medien sehr viel besser informiert als ihre Eltern. Und sie ist nicht mehr bereit, überkommene Regeln zu akzeptieren und vor Autoritäten die Knie zu beugen.

"Warum sind wir gezwungen das zu tun, habe ich meine Mutter damals gefragt", erzählt eine junge Frau. "aus Respekt vor dem König, sagte meine Mutter, aber für mich machte diese Antwort überhaupt keinen Sinn. Für mich sind der König und die königliche Familie nichts Reales. Wir alle sind doch menschliche Wesen, und niemand sollte vor einem Anderen auf die Knie gehen müssen."

Regierung und Polizei halten sich zurück

Thailands Premier wirft den Demonstranten vor, Chaos zu erzeugen in schwierigen Pandemie-Zeiten. Erst lasst uns Covid-19 bekämpfen, dann können wir über Politik reden, forderte der Regierungschef. Das klang für seine Verhältnisse außergewöhnlich defensiv. Die direkte Konfrontation scheut die Staatsmacht bislang. Die Polizei schreitet nicht ein gegen die immer größer werdenden Demonstrationen in Bangkok.

Zum Verstummen bringen  lässt sich der Ruf der Jugend nach Veränderung wohl nicht mehr. Es ist ein Tabu- und Dammbruch, der sich da gerade vollzieht. Thailand steht offenbar vor einem gewaltigen  Umbruch, der hoffentlich friedlich verläuft.

Der Unmut wächst - Massenproteste in Bangkok
Holger Senzel, ARD Singapur
19.09.2020 11:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. September 2020 um 12:08 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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