Die thailändische Prinzessin Ubolratana | Bildquelle: JORGE ZAPATA/EPA-EFE/REX

Parlamentswahl in Thailand Prinzessin gegen General

Stand: 24.03.2019 10:15 Uhr

Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang in Thailand: Bei der nächsten Parlamentswahl tritt Prinzessin Ubolratana, die älteste Schwester des Königs, als Spitzenkandidatin an - gegen den regierenden Junta-General.

Prinzessin Ubolratana, die Schwester von König Maha Vajiralongkorn, will Ministerpräsidentin werden. Die 67-Jährige wird bei der Wahl am 24. März für die Partei Thai Raksa Chart antreten. Das teilte Parteichef Preechapol Pongpanich mit: Dies sei eine "große Ehre". Bislang war sie in der Politik nie groß in Erscheinung getreten. Sie selbst äußerte sich zunächst nicht weiter zu ihrem Vorhaben. Auf Instagram verbreitete sie jedoch die Botschaft: "Wir werden zusammen vorangehen."

Es ist das erste Mal in der Geschichte des südostasiatischen Landes, dass sich jemand aus dem Königshaus um ein Amt in der Politik bewirbt. Über eine Kandidatur war seit einigen Tagen spekuliert worden. Viele glaubten nicht daran.

Prinzessin Ubolratana ist das älteste von vier Kindern des jahrzehntelangen Königs Bhumibol und seiner Frau, Königin Sirikit. Seit dem Tod des alten Königs im Oktober 2016 steht Bruder der Prinzessin, Maha Vajiralongkorn, an der Spitze der Monarchie. Der 66-Jährige, der sich häufig in Deutschland aufhält, ist allerdings noch nicht offiziell gekrönt.

Ubolratana wird häufig Prinzessin genannt und als solche behandelt, obwohl ihr die höchsten royalen Titel aberkannt wurden, als sie 1972 einen Amerikaner heiratete.

General seit Militärputsch an der Macht

Thailands Premier General Prayut Chan-o-Cha
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Thailands Premier General Prayut Chan-o-Cha

Mit ihrer Kandidatur fordert Ubolratana Junta-Chef Prayut Chan-O-Cha heraus. Prayut gab - wie erwartet - ebenfalls seine Kandidatur bekannt. Der General ist seit einem Militärputsch 2014 an der Macht. Der General ist Spitzenkandidat der Partei Phalang Pracharat, die dem Militär nahesteht. Über mehrere Jahre hinweg hatte er angekündigt, die Macht abzugeben. Nun erklärte er: "Ich bekräftige, dass ich keine Absicht habe, meine Macht im Amt zu verlängern. Ich will nur zum Wohl des Landes und der Menschen arbeiten."

Der auf Südostasien spezialisierte Politikwissenschaftler Allen Hicken der University of Michigan sagte, Ubolratanas Kandidatur mische die Karten in der thailändischen Politik neu. "Wenn mit Thaksin verbündete Parteien die Wahl gewinnen, macht es das für das Militär und Royalisten sehr schwer, das Ergebnis anzufechten, dagegen zu protestieren oder es aufzuheben."

Erste Wahl seit dem Putsch vor fünf Jahren

Am 24. März sollen die Menschen in Thailand über ein neues Parlament entscheiden. Damit steht das Land vor den ersten demokratischen Wahlen seit der Machtübernahme des Militärs im Jahr 2014. Thailands letzte demokratisch gewählte Premierministerin Yingluck Shinawatra war nach Korruptionsvorwürfen vom Militär gestürzt worden. Insgesamt treten mehr als 100 Parteien an.

Thailands frühere Regierungschefin Yingluck Shinawatra | Bildquelle: AFP
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Thailands frühere Regierungschefin Yingluck Shinawatra (Archiv)

Ursprünglich sollte die Abstimmung schon viel früher stattfinden. Die Militärführung hatte den Termin aber mehrfach hinausgezögert - zuletzt im Januar. Dabei begründete sie die Verschiebung mit den Vorbereitungen für die Krönungsfeier des neuen Königs. In den vergangenen Monaten hatten in Bangkok gelegentlich Regierungsgegner für freie Wahlen demonstriert.

Beobachter gehen davon aus, dass Thailands Militär auch nach der Abstimmung ein wichtiger Machtfaktor im Land bleiben wird.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Februar 2019 um 06:00 Uhr.

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