Maha Vajiralongkorn | Bildquelle: dpa

Entfremdeter Monarch Thailands König feiert lieber in Bayern

Stand: 28.07.2020 09:59 Uhr

Thailands König Maha Vajiralongkorn hat Geburtstag - den verbringt er allerdings in einem bayerischen Luxushotel statt bei seinen Landsleuten. Die sind zunehmend schlecht auf ihn zu sprechen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Innerhalb von Minuten tauchte das Video vom Anti-Königs-Protest in Bayern in thailändischen sozialen Medien auf. "Rama, König von Deutschland" - ein  Spottlied nach der Melodie von Rio Reisers großem Hit. Dazu Bilder politischer Gefangener, die Forderung: "Vajiralongkorn abdanken!"

Die Proteste in Deutschland - wo der thailändische König mit großem Gefolge einen feudalen Lebensstil in einem bayerischen Alpenhotel pflegt - haben der antiroyalen Stimmung in Thailand weiteren Auftrieb gegeben. Der Hashtag "Wozu brauchen wir einen König" wurde eine Million mal getweetet - und das in einem Land, wo Menschen schon für weitaus harmlosere sogenannte Majestätsbeleidigungen bis zu 15 Jahre ins Gefängnis kommen können.

Gerüchte über das Königshaus

Die Glückwünsche im thailändischen Radio wird Maha Vajiralonkorn nicht hören, er feiert seinen 68. Geburtstag lieber in Bayern. Er ist nur selten in seinem Königreich, doch die Meldungen seiner bizarren Eskapaden aus der deutschen Boulevardpresse erreichen natürlich auch seine Landleute - obwohl deren Verbreitung in Thailand streng verboten ist.

Da sind die Berichte über viele Geliebte und übel verstoßene Ehefrauen - und die über seltsame Unfälle, denen ehemalige Vertraute zum Opfer fielen: Vergiftet, vom Auto überfahren, vom Dach gefallen. Das sorgt für Gerüchte.

Fakt ist, dass dem König vom Parlament ein eigener Zellentrakt im Palast genehmigt wurde. Unbewiesen ist dagegen die Behauptung von Demokratieaktivisten, das Königshaus sei in die Entführung des Regimekritikers Wanchalerm Sitanan Satsaksit aus seinem kambodschanischen Exil involviert.

Demokratiefeindliche Allianz

Seit dem 4. Juni fehle von dem 37-Jährigen jede Spur, erzählt seine Schwester, die die Verschleppung am Telefon miterlebte. "Ich bete jede Nacht, dass er zurückkommt, ganz egal in welchem Zustand. Wenn er noch lebt, werde ich ihn pflegen. Auch wenn er ins Gefängnis muss, kann er irgendwann wieder herauskommen als neuer Mann mit einem besseren Leben."

Es ist die Allianz zwischen der demokratieverachtenden Regierung des ehemaligen Armeechefs Prayuz Chan Ocha und dem - zurückhaltend formuliert - wenig rationalen König, die in Thailand ein Klima der Angst schafft.

Maha Vajralongkorns Vater Bhumipol liebten und respektierten die Thailänder - Maha Vajralongkorn fürchten und verachten sie. Natürlich sagt das niemand offen. Auf die Frage, inwiefern sich das Verhältnis der Thailänder zur Monarchie unter dem neuen König verändert habe, antwortet der Demokratieaktivist Sunai Phasuk nach sehr langer Pause: "Streichen Sie die Frage."

"Ich sehe Hoffnung und ich sehe Mut"

Letztlich aber tragen auch die sozialen Medien, die sich kaum kontrollieren lassen, dazu bei, dass die brodelnde Unzufriedenheit wächst. Vor allem unter den jungen Menschen. "Ich weiß nicht, in welcher Gesellschaft ich meine Kinder aufwachsen sehen möchte", sagt die Schwester des entführten Regimekritikers Wanchalerm, "aber mit Sicherheit nicht in jener, in der ich jetzt lebe."

"Ich sehe Hoffnung und ich sehe Mut", erklärt Demokratieaktivist Sunai, "und ich sehe immer mehr Menschen, die bereit sind zu kämpfen. Deshalb sehe ich die Zukunft Thailands nicht ganz hoffnungslos."

Maha Vajiralongkorn in seinem bayrischen Alpenhotel wird das an seinem Geburtstag nicht gern hören.

Königsgeburtstag - Das Vertrauen der Thailänder in die Monarchie schwindet
Holger Senzel, ARD Singapur
28.07.2020 09:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 28. Juli 2020 um 09:52 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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