Thailändische Soldaten saugen mit Hilfe von Schläuchen Wasser aus der Höhle | Bildquelle: dpa

Rettung aus Höhle in Thailand Im Wettlauf mit dem Monsun

Stand: 07.07.2018 16:16 Uhr

Abpumpen, tauchen, Schacht bohren, abwarten: Alle Rettungsoptionen für die Jugendlichen in der thailändischen Höhle sind hoch riskant. Sollte es erneut stark regnen, bleibt den Helfern aber nur noch wenig Zeit.

Die Rettung der eingeschlossenen Jungen und ihres Trainers in der Tham-Luang-Höhle in Thailand wird zum Wettlauf mit der Zeit. Einiges spricht für einen baldigen Versuch, die zwölf Kinder und Jugendlichen und ihren Fußballtrainer zu bergen, die seit zwei Wochen der Höhle festsitzen. Denn die Wettervorhersage meldet weitere Regenfälle - das setzt die Retter unter Zeitdruck.

Der Zeitpunkt für einen Bergungsversuch sei gerade günstig, sagt der Leiter der Mission am Samstagabend Ortszeit. Aber eine Entscheidung für einen Einsatz ist immer noch nicht gefallen. Über Stunden durch die überflutete Höhle zu tauchen, könnte lebensgefährlich für die geschwächten Jungen sein. Abwarten ebenfalls.

Zeit drängt bei Rettung von Fußballteam aus Höhle in Thailand
tagesthemen 23:50 Uhr, 08.07.2018, Sandra Ratzow, ARD Singapur zzt. Chiang Rai

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Kein Gefühl von bevorstehender Rettung in der Luft

Der Missionsleiter, Provinzgouverneur Narongsak Osotthanakorn, ist in einer schwierigen Lage. Derzeit seien die Bedingungen für eine Tauchrettung - was den Wasserstand und den Gesundheitszustand der zwölf Jungen und ihres Trainers angehe - "sehr geeignet". Aber die Diskussionen und Vorbereitungen dauerten noch an.

Vor der Höhle selbst ist am Samstag nur wenig Bewegung. Hubschrauber, die in den vergangenen Tagen über den Bergen kreisten, sind keine zu sehen. Wenig auskunftsfreudige Behördenvertreter sagen nur, alle Möglichkeiten würden geprüft. Das Gefühl, die Rettungsaktion stehe unmittelbar bevor, liegt nicht in der Luft.

hailändische Soldaten legen Schläuche mit Hilfe derer Wasser aus der Höhle flieߟen soll. | Bildquelle: dpa
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Thailändische Soldaten legen Schläuche in die Höhle. Mit deren Hilfe soll das Wasser aus der Höhle flieߟen.

Als Chef der Rettungsmission würde Narongsak den Beginn des Bergungseinsatzes lieber noch etwas verzögern, meinte er noch am Morgen. Die Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren und ihr Betreuer seien nicht ausreichend geübt im Tauchen, um den strapaziösen Weg aus der dunklen, kilometerlangen Höhle ins Freie zu wagen, für den selbst Elite-Einheiten der Marine fünf bis sechs Stunden brauchen. Der Tod eines erfahrenen Tauchers in der Höhle am Freitag lastet schwer auf den Helfern.

Erneute Wolkenbrüche vorhergesagt

Gleichzeitig läuft den Rettungsmannschaften aber die Zeit davon. In den vergangenen Tagen war es rund um die Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non in der nördlichen Provinz Chiang Rai trocken geblieben. Für die kommenden Tage sagt der Wetterbericht aber wieder heftige Regenfälle in der bergigen Region an der Grenze zu Myanmar voraus. Das bedeutet oft Stunden dauernde, starke Wolkenbrüche. Das Regenwasser dringt durch das Gestein in die Höhle ein, rasch kann der Wasserstand steigen.

Rettung einer Jugendfußballmannschaft aus Höhle | Bildquelle: AP
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Die Jungen und ihr Trainer sind alle wohlauf.

Rettung einer Jugendfußballmannschaft aus Höhle | Bildquelle: AFP
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Angehörige warten vor der Höhle auf Rettung.

Ein möglicher Tauchgang durch enge, verwinkelte Höhlenpassagen wird damit noch gefährlicher. "An manchen Stellen wird es sehr eng", sagt der dänische Rettungstaucher Ivan Karadzic, einer von vielen ausländischen Helfern und Bergungsspezialisten, die sich vor der Höhle bereithalten. "Man muss entweder den Atemlufttank abnehmen und ihn zuerst durchquetschen, oder man braucht Spezialausrüstung."

Trotz der Komplikationen bevorzugen die Rettungskräfte derzeit eine Bergung durch Taucher. Sollte es regnen, bliebe für andere Szenarien auch gar keine Zeit mehr: Im Wettlauf mit dem Monsun wären die Wasserpumpen zur Senkung des Pegels chancenlos. Die Bohrung eines 600 Meter langen Rettungsschachts würde viel zu lange dauern. Auch die Suche nach einem alternativen Höhlenzugang blieb bislang erfolglos.

Sauerstoffpegel sinkt, Hygiene "erbärmlich"

Die Gruppe sitzt auf einer trockenen Stelle etwa vier Kilometer im Höhleninneren fest, seit ihnen am 23. Juni eine Sturzflut den Weg ins Freie versperrt hatte. Steigt das Wasser, wird es auch dort eng. Die Gruppe müsste sich dann auf weniger als zehn Quadratmetern zusammendrängen, so die Taucher, die die Jugendlichen mit dem Nötigsten versorgen. Längerfristig ist keine Entspannung in Sicht, denn von Juni bis November herrscht Regenzeit in Thailand.

Ein Brief, den die Jugendlichen in der thailändischen Höhle geschrieben haben. | Bildquelle: ROYAL THAI NAVY/HANDOUT/EPA-EFE/
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"Macht Euch keine Sorgen, wir sind alle stark", schreiben die Jungs in einem Brief an ihre Eltern.

Das Wasser ist nicht die einzige Sorge, die die Helfer plagt. Am Zufluchtsort der Jungen wird der Sauerstoff knapp. Von normal 21 Prozent sank er bereits auf 15 Prozent, sagte Narongsak gestern bei einer Pressekonferenz. Auch die hygienischen Zustände seien "erbärmlich", berichtete die Zeitung "The Nation". Jeder aus der Gruppe müsse sich auf engstem Raum erleichtern. Bakterien, Viren und Pilze können sich leicht ausbreiten.

"Macht euch keine Sorgen"

Den Angehörigen, die seit Tagen vor der Höhle warten, überbrachte ein Rettungstaucher nun einen handgeschriebenen Zettel mit persönlichen Botschaften der Jungs. "Macht euch keine Sorgen, wir sind alle stark", schieben sie. Einer der Jungen bittet seine Eltern: "Vergesst bitte nicht, meine Geburtstagsparty abzusagen!"

Der Trainer bat die Familien seiner Schützlinge um Verzeihung und versprach, sich bestmöglich um die Jungs zu kümmern. "Derzeit geht es ihnen allen gut", schrieb Ekapol Chanthawong.

Höhlendrama: Rettungsarbeiten in kritischer Phase
Albrecht Breitschuh, NDR
07.07.2018 14:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juli 2018 um 15:00 Uhr.

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