Tesla-Werk in Fremont | Bildquelle: picture alliance / San Jose Merc

Mitarbeiter in den USA Für Tesla arbeiten, heißt schuften

Stand: 18.11.2019 09:48 Uhr

Der Jubel war groß, als Tesla ankündigte, in Brandenburg eine Fabrik zu bauen. Wie aber werden die Arbeitsbedingungen aussehen? In den USA sind alle Versuche, eine Gewerkschaft zu gründen, bislang gescheitert.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

In Buffalo im US-Bundesstaat New York steht die "Gigafabrik 2" - eine große Halle, in der vor allem Module für Photovoltaikanlagen entstehen. Ende 2018 gab es Versuche der Stahlarbeitergewerkschaft "United Steelworkers Union", sich dort zu organisieren. Robert Walsh, ein Mitarbeiter, sagte dem örtlichen TV-Sender: "Ich will hier Karriere machen, eine lange Zeit arbeiten, bis zur Rente. Wir bekommen aber zu wenig Geld für die Arbeit, die wir hier machen."

Zwölf-Stunden-Schichten am Fließband, schlechte und unsicherere Arbeitsbedingungen, Stress. Das sind nur einige Punkte, die ehemalige Mitarbeiter dem Unternehmen vorwerfen.

Der Sender CNBC hatte im Juli aufgedeckt, dass Mitarbeiter in der kalifornischen Fabrik in Fremont unter schwierigen Bedingungen arbeiteten. Um die Produktionszahlen zu erreichen, wurde beispielsweise kurzerhand ein riesiges Zelt aufgebaut, in dem die Elektroautos gebaut wurden. Während der Feuersaison sei das Arbeiten in dem teils offenen Zelt aber unangenehm gewesen.

Per Tweet gegen Gewerkschaften

Tesla selbst behauptet von sich immer wieder, dass sie überdurchschnittliche Gehälter zahlen würden. Zudem sei der Sicherheitsstandard verbessert worden, nachdem es in einigen Tesla-Fabriken Arbeitsunfälle gegeben habe.

Grundsätzlich sei man offen dafür, dass sich Mitarbeiter organisierten, hatte Tesla-Chef Elon Musk geäußert. Tatsächlich scheint Tesla Mitarbeiter aber aktiv davon abzuhalten, einer Gewerkschaft beizutreten. Unter anderem hatte Musk sich per Twitter geäußert, als einige Mitarbeiter in Fremont Flyer für Gewerkschaften verteilten. Er schrieb: "Nichts hindert das Tesla-Team in unserem Autowerk daran, eine Gewerkschaft zu gründen. Könnten das morgen tun, wenn sie wollten. Aber warum Gewerkschaftsbeiträge zahlen und Aktienoptionen für nichts aufgeben?"

Mit diesem Tweet habe Musk gegen Arbeitsrecht verstoßen, urteilte Ende September ein kalifornisches Gericht. In dem Urteil ging es gleich um mehrere unfaire Maßnahmen, die Tesla gegen seine Mitarbeiter angewendet haben soll. Mitarbeiter seien vom Sicherheitspersonal bedroht worden, als sie Flyer austeilten.

Außerdem soll ein gewerkschaftsfreundlicher Mitarbeiter entlassen worden sein. Diesem sollten nun, nach dem Gerichtsurteil, die Wiedereinstellung und die Rückzahlung angeboten werden. Außerdem verpflichtete das Gericht Tesla dazu, in Fremont ein Treffen zum Thema Gewerkschaften abzuhalten, an dem auch Musk teilnehmen müsse. 

Vorgeschmack bei Autozulieferer in Rheinland-Pfalz

Wie nun die Zusammenarbeit zwischen Tesla und den Gewerkschaften in der geplanten Fabrik in Brandenburg aussehen könnte? Einen Vorgeschmack gab es bei den Gehaltsverhandlungen bei dem von Tesla übernommenen Autozulieferer Grohmann in Rheinland-Pfalz. Dort hatte sich die IG Metall für höhere Löhne stark gemacht. Am Ende war das Ergebnis zwar, dass Tesla nicht in den Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie einsteigt. Die Gehälter der Mitarbeiter wurden aber um rund 30 Prozent über der bisherigen Gehaltsstruktur angehoben und es gibt eine Jobgarantie bis ins Jahr 2022.

Tesla und die Gewerkschaften
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
18.11.2019 08:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. November 2019 um 06:45 Uhr.

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