Aldi Novel Adilang auf einem Fischerboot mit Holzhütte auf dem offenen Meer. | Bildquelle: CONSULATE GENERAL OF INDONESIA I

Teenager gerettet 49 Tage allein im Pazifik

Stand: 26.09.2018 12:09 Uhr

Der 19-jährige Aldi Novel Adilang erholt sich langsam von seiner Odyssee im Pazifik. Wieder zu Hause erzählt er, wie er die 49 Tage auf der schwimmenden Fischerhütte überlebte. Ein Albtraum, der zum Wunder wurde.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Mit letzter Kraft klettert der ausgemergelte junge Mann eine Strickleiter hinauf, dann sinkt er auf dem Deck des Schiffs aus Panama zusammen. Nach 49 Tagen ist seine Irrfahrt endlich zu Ende: "Manchmal hatte ich schlimme Gedanken, mich umzubringen zum Beispiel. Aber dann lösten sie sich wieder auf in der Hoffnung, dass mich eines Tages ein Schiff retten wird."

Anfang September war Aldi Novel Adilang endlich von der MV Arpeggio aufgesammelt worden, irgendwo im Pazifik vor der Insel Guam, Tausende Kilometer weit von seiner Heimat. "Während dieser Zeit habe ich nur daran gedacht, meine Familie, meine Brüder wiederzusehen", sagt er.

Nachts Lichter am Floßboden anschalten

Der 19-Jährige von der indonesischen Insel Sulawesi hatte einen der einsamsten Jobs der Welt: Er arbeitete auf einer schwimmenden Fischfalle, einem Floß, das 125 Kilometer vom Land entfernt fest im Meer vertäut ist, mit einer kleinen Hütte darauf. Aldis Aufgabe war es, nachts die generatorbetriebenen Lichter am Floßboden anzuschalten. Die Lichter lockten die Fische an und in die Falle. Einmal in der Woche kam sein Chef vorbei, brachte frische Vorräte und holte den Fang ab. Mitte Juli rissen heftige Winde und Wellen das Verankerungsseil aus dem Boden.

Die Fischfallen, sogenannte Rompongs, haben meist keinen Motor und kein Steuer. Daher trieb Aldi hilflos auf dem Pazfik. Sein Wasservorrat reichte für eine Woche: "Dann habe ich Wasser getrunken, das ich aus meinen Kleidern gewrungen habe, damit habe ich das Salz aus dem Meerwasser ein bisschen gefiltert."

Aldi Novel Adilang und seine Eltern | Bildquelle: REUTERS
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Aldi Novel Adilang mit seinen Eltern: Er zeigt Bilder von seiner Rettung durch die japanische Küstenwache.

Lieder aus der Bibel singen

Zehn Schiffe seien an ihm vorbeigefahren, ohne ihn zu sehen, erzählt er, endlich wieder zu Hause in Sulawesi. Sieben Wochen war er mutterseelenallein auf dem riesigen Pazifik. Um zu überleben, fing er Fische und briet sie über einem Feuer aus Teilen des Floßes, um nicht die Hoffnung zu verlieren, sang er. "Ich fing an, die Bibel zu lesen und ich habe geistliche Lieder gesungen, denn auf dem Floß hatte ich eine Bibel dabei."

Der Frachter, der ihn rettete, war auf dem Weg nach Japan. Dort angekommen, konnte Aldi endlich in seine Heimat zurückfliegen. Rompongs werden häufig zur traditionellen Fischerei in Indonesien eingesetzt, Aldis Chef zum Beispiel soll mehr als 50 Rompongs besitzen. Auf ihn sind die Eltern des Jungen sehr wütend: "Jedes Mal, wenn ich ihn angerufen habe, sagte er nur, Aldi sei schon in Sicherheit auf den Philippinen. Dabei wusste er selbst nichts!"

Es war bereits das dritte Mal, dass das Floß des jungen Fischfanghelfers sich losgerissen hatte, aber jedesmal vorher war er schnell gerettet worden. Jetzt will Aldi Novel Adilang nicht mehr auf einem Rompong arbeiten. Eine solche Odyssee möchte er nicht noch einmal erleben - für 110 Euro im Monat.

Seenot: Wie ein Teenager überlebte
Lena Bodewein, ARD Singapur
26.09.2018 11:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk "Informationen am Mittag" am 26. September 2018 um 12:40 Uhr.

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