Facebook-Chef Zuckerberg sagt per Videokonferenz vor dem US-Kongress aus. | REUTERS

Anhörung zur Marktmacht US-Kongress knöpft sich Tech-Giganten vor

Stand: 30.07.2020 05:26 Uhr

Vier Stunden lang stellten sich die Chefs von vier Tech-Giganten Fragen von US-Abgeordneten zu ihrer Marktmacht. Die parierten viele der Attacken, kamen aber auch immer wieder ins Straucheln.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Das Eingangs-Statement von David Cicilline, Abgeordneter der Demokraten, gab den Ton für die gesamte mehr als fünfstündige Anhörung vor. Cicilline sagte, die Gründer der USA hätten sich nicht vor dem König verneigt, genauso sollten man nun auch mit den Kaisern der Online-Wirtschaft handhaben.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Noch bevor die eigentliche Befragung der per Video zugeschalteten Tech-Bosse begann, war die Stoßrichtung der Politiker klar - zum Teil über die Parteigrenzen hinweg.

Viele der Praktiken der Tech-Unternehmen beschädigen unsere Wirtschaft. Sie verhindern Unternehmertum, zerstören Arbeitsplätze, verteuern Produkte. Vereinfacht gesagt: Sie haben zu viel Macht.

Tech-Chefs gaben sich bescheiden

Die Chefs der vier Tech-Unternehmen gaben sich hingegen betont bescheiden. Ihr Motto: Wir sind nicht gefährlich. Amazon-Chef Jeff Bezos erzählte, wie seine alleinstehende Mutter ihn groß zog. Google-Chef Sundar Pichai berichtete, wie er in Indien ohne Computer aufwuchs, und Mark Zuckerberg sagte, er habe sein Firmenimperium aus dem Nichts aufgebaut. 

Vor allem Zuckerberg nahmen die Politiker in die Mangel. Ihm warfen sie vor, erst schüchtere er Konkurrenten ein, um sie dann aufzukaufen - wie 2012 geschehen, als Facebook die Fotoplattform Instagram aufkaufte. Jerry Nadler, der Ausschussvorsitzende, fragte den Facebook-Chef: "Ihren eigenen Worten zufolge haben sie Instagram aufgekauft, um einen Wettbewerber zu neutralisieren?"

Antwort Zuckerberg:

Im Nachhinein mag das vielleicht so aussehen. Damals war nicht absehbar, dass Instagram die Größe erreichen würde, wie es sie heute erreicht hat.

Bezos will sich oft nicht erinnern können

Amazon-Chef Jeff Bezos wurde mehrfach gefragt, ob sein Unternehmen Daten von Händlern ausgewertet habe, die Waren auf der Plattform des Konzerns verkaufen, um ihnen mit eigenen Angeboten dann Konkurrenz zu machen. Der Amazon-Chef sagte, er könne das nicht garantieren. Häufig kam Bezos sichtlich ins stammeln und meinte, er könne sich nicht erinnern.

Google-Chef Sundar Pichai musste sich immer wieder anhören, sein Konzern benachteilige andere Unternehmen bei den Suchtrefferergebnissen. Und zwar dann, wenn andere Produkte eine zu mächtige Konkurrenz darstellten.

Am besten kam noch Apple-Chef Tim Cook weg. In seiner Befragung ging es darum, ob Apple Entwickler anderer Apps in seiner Download-Plattform benachteilige und von ihnen zu hohe Verkaufsprovisionen verlange. Viele der Angriffe wehrten die Tech-Chefs ab. Zu oft verwiesen sie aber auf Antworten, die sie nachreichen wollten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2020 um 10:00 Uhr.