Bernard Tapie | Bildquelle: AFP

Adidas-Affäre Freispruch für Geschäftsmann Tapie

Stand: 09.07.2019 14:00 Uhr

Nach jahrelangem Rechtsstreit ist der französische Geschäftsmann Tapie in der Adidas-Affäre freigesprochen worden. Es gebe keine Beweise für Betrug und die Hinterziehung öffentlicher Gelder, so das Gericht.

In der sogenannten Adidas-Affäre ist der französische Geschäftsmann Bernard Tapie nach jahrelangem Rechtsstreit freigesprochen worden. Das Pariser Strafgericht urteilte, es gebe keine Beweise für Betrug und die Hinterziehung öffentlicher Gelder. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft für Tapie gefordert.

Tapie hatte sich beim Verkauf von Anteilen am deutschen Sportartikelhersteller Anfang der 1990er-Jahre von der damaligen Staatsbank Crédit Lyonnais geprellt gesehen und geklagt. In einem Schiedsverfahren bekam Tapie 2008 mehr als 400 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen. Der Schiedsspruch wurde später aber von einem Zivilgericht aufgehoben.

Es lasse sich nicht nachweisen, dass Tapie auf das Urteil des privaten Schiedsgerichts von 2008 Einfluss genommen habe, so die Richter.

"Sehr emotionale" Reaktion von Tapie

Die Entscheidung sei eine immense Befriedigung und Befreiung, sagte Tapies Anwalt, Hervé Temime. Sein Mandant habe "sehr emotional" auf das Urteil reagiert, so Temime. Der 76-Jährige war während der Urteilsverkündung wegen einer Krebserkrankung nicht dabei.Tapie hat die Vorwürfe des Betrugs und der Hinterziehung öffentlicher Gelder bestritten.

Christine Lagarde | Bildquelle: AFP
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Die designierte Präsidentin der Europäischen Zentralbank Lagarde soll damals das private Schiedsgericht angerufen haben. Lagarde ging aber straffrei aus.

Lagarde soll sich eingemischt haben

In dem Fall spielt auch die designierte Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, eine Rolle. Sie wurde 2016 wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Staatsgeldern schuldig gesprochen. Sie soll damals als französische Wirtschaftsministerin das private Schiedsgericht angerufen haben. Allerdings ging Lagarde straffrei aus.

In Frankreich sorgte die Adidas-Affäre für große Empörung: Es stand der Verdacht im Raum, dass Lagarde im Auftrag des damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy handelte, den Tapie vor seinem Wahlsieg 2007 unterstützt hatte. Sarkozy hat eine Einflussnahme aber stets von sich gewiesen.

Stephane Richard | Bildquelle: AFP
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Dem Chef des französischen Telekom-Konzerns Orange, Stéphane Richard, wurde auch eine Mitschuld vorgeworfen. Er war damals Stabschef von Lagarde.

Ex-Stabschef von Lagarde auch freigesprochen

Ebenfalls wurde der Chef des französischen Telekom-Konzerns Orange in der Affäre freigesprochen. Stéphane Richard war im Zusammenhang mit einer Zahlung an Tapie aus der Staatskasse eine Mitschuld vorgeworfen worden. Er war damals Stabschef von Lagarde.

Das Urteil sei eine "immense Erleichterung", sagte Richard zu Reportern im Gericht. Einige seiner engsten Mitarbeiter waren in Tränen aufgelöst.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 09. Juli 2019 um 14:05 Uhr.

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