Eine lange Reihe Autos wartet vor einer Tankstelle in London.

Benzinengpässe in Großbritannien Johnson versetzt Militär in Bereitschaft

Stand: 28.09.2021 12:42 Uhr

Es soll laut der britischen Regierung eine eine reine Vorsichtsmaßnahme sein: Notfalls soll auch die Armee eingesetzt werden, um Benzin-Lieferungen zu übernehmen. Der zum Teil chaotische Ansturm auf Tankstellen hält weiter an.

In der Treibstoffkrise will der britische Premier Boris Johnson notfalls auf die Armee zurückgreifen. Eine begrenzte Zahl von Militärtanklaster-Fahrern sei in Bereitschaft versetzt worden sei, teilte Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng mit. Sie sollen bei Bedarf eingesetzt werden, um die Treibstoffversorgung zu gewährleisten.

Kwarteng bezeichnete die Bereitstellung von Armee-Fahrern als zeitlich befristete Vorsichtsmaßnahme.

Kaum Benzin in manchen Landesteilen

An zahlreichen Tankstellen in Großbritannien gibt es derzeit Engpässe mit Benzin und Diesel, seit Tagen kommt es zu Panikkäufen und langen Schlangen. In manchen Landesteilen ging an 50 bis 90 Prozent der Tankstellen das Benzin aus, wie der Branchenverband PRA mitteilte.

Hintergrund ist ein gewaltiger Mangel an Lastwagenfahrern, der zuvor bereits zu leeren Supermarktregalen geführt hatte. Wegen der Corona-Pandemie wurden etliche Fahrstunden und -prüfungen verschoben. Zudem wanderten wegen des Brexits etwa 20.000 vor allem osteuropäische Fachkräfte ab - neue strenge Einwanderungsregeln hemmen nun aber den Zuzug. Um die Probleme zu bekämpfen, will die Regierung unter anderem Arbeitsvisa für bis zu 5000 ausländische Lastwagenfahrer ausstellen.

Das britische Einzelhandelskonsortium geht davon aus, dass es Monate dauern wird, bis es genug britische Fahrer gebe. Es forderte, das Visa-Programm zügig auszuweiten.

Ansturm auf Tankstellen hält an

Der zum Teil chaotische Ansturm auf Tankstellen hält weiter an, an immer mehr Zapfsäulen steht "out of use", also "außer Betrieb", weil die Tankstellen keinen entsprechenden Nachschub erhalten. Vor den verbliebenen Zapfsäulen bildeten sich mitunter lange Schlangen. Vereinzelt kam es gar zu Rangeleien.

Britische Ärzte schlagen Alarm

Die Regierung macht Panikkäufe für die Krise verantwortlich und appelliert an die Bürger, nur so viel zu tanken, wie sie tatsächlich benötigen. Klar ist, dass inzwischen viele Autofahrer Schwierigkeiten haben, zur Arbeit zu kommen, weil sie nicht mehr tanken können. Die Ärztegewerkschaft British Medical Association fordert deshalb, dass medizinisches und generell systemrelevantes Personal an Tankstellen bevorzugt wird. Die Kraftstoffpreise sind angesichts der Lage so hoch wie seit acht Jahren nicht mehr.

Treibstoffhersteller kündigten in einer gemeinsamen Erklärung eine Entspannung in den kommenden Tagen an. Die Nachfrage werde sich auf üblichem Niveau normalisieren, weil viele Kunden überversorgt seien.

Weitere Rückschläge für Wirtschaft

Die britische Volkswirtschaft ist die fünftgrößte der Welt. Mitten in der Erholung von der Corona-Krise gibt es neue Rückschläge. So bringt inzwischen ein starker Anstieg der Erdgaspreise Energiekonzerne in Bedrängnis. Zudem führen die Lieferengpässe dazu, dass auch alltägliche Gebrauchsgüter vor dem Weihnachtsgeschäft deutlich teurer werden.

Mit Informationen von Imke Köhler, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete BR24 am 28. September 2021 um 12:06 Uhr.