Der brennende Tanker im Golf von Oman | Bildquelle: AP

Mutmaßliche Angriffe auf Tanker Auch Saudis machen Iran verantwortlich

Stand: 16.06.2019 11:59 Uhr

Auch Saudi-Arabien wirft dem Iran vor, hinter den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman zu stecken. Kronprinz bin Salman sagte, sein Land wolle keinen Krieg, werde aber seine Interessen schützen.

Nach den USA und Großbritannien macht auch Saudi-Arabien den Iran für mutmaßliche Angriffe auf zwei Öltanker verantwortlich. Der Iran habe trotz des zeitgleichen Vermittlungsversuchs des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Teheran die beiden Tanker attackiert, sagte Kronprinz Mohammed bin Salman in einem Interview der heimischen Zeitung "Aschark al-Ausat". Die internationale Gemeinschaft müsse dazu eine "entschlossene Haltung" einnehmen.

Der saudische Kronprinz bin Salman und US-Präsident Trump bei einem Treffen im März 2018 | Bildquelle: REUTERS
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Der saudische Kronprinz bin Salman - hier bei einem Treffen mit Trump im vergangenen Jahr - schloss sich der Sichtweise der USA an und beschuldigte den Iran.

Machtkampf in der Region

Saudi-Arabien wolle zwar keinen Krieg in der Region, das Königreich werde aber nicht zögern, seine Bevölkerung, seine Souveränität und seine Interessen vor Bedrohungen zu schützen. Das Problem liege allein in Teheran. Der Iran sei derjenige, der die Lage in der Region eskalieren lasse und terroristische Angriffe verübe, entweder direkt oder über ihm treue Milizen, so der saudische Kronprinz. "Das zeigt deutlich den Kurs des iranischen Regimes und seine Absichten, die auf die Sicherheit und Stabilität der Region abzielen."

Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran liefern sich einen Machtkampf um die regionale Vorherrschaft. Im Jemen führen die beiden Erzrivalen einen Stellvertreterkrieg und mischen auch im Syrien-Konflikt mit.

Genaue Hintergründe noch unklar

Die beiden Tanker waren am Donnerstagmorgen bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt worden. Zu dieser Zeit war Abe in Teheran, um im Konflikt mit dem Iran zu vermitteln. Die "Front Altair" einer norwegischen Reederei geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtete von zwei Detonationen. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar. Die Besatzung der "Front Altair" reiste nach zweitägigem Aufenthalt im Iran aus. Am Samstag flogen die Seeleute an Bord eines Flugs von Iran Air von Bandar Abbas nach Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Nach Ansicht der US-Regierung sind die iranischen Revolutionsgarden verantwortlich. Die USA hatten kurz nach den Zwischenfällen zur Untermauerung der Vorwürfe gegen den Iran ein Video präsentiert. Es soll zeigen, wie ein Schnellboot der Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufährt und die Besatzung des Bootes eine nicht explodierte Haftmine vom Tankerrumpf entfernt. Eine mögliche Erklärung wäre demnach, dass der Sprengstoff geborgen werden sollte, um Spuren zu beseitigen.

EU hält sich zurück - außer Großbritannien

Die EU hielt sich in der Diskussion um Schuldzuweisung bisher zurück. Lediglich die britische Regierung stellte sich an die Seite der USA. Außenminister Jeremy Hunt äußerte die Überzeugung, dass die mutmaßlichen Angriffe vom Iran, von dessen Revolutionsgarden, ausgeführt wurden. Beweise legte Hunt nicht vor. Das iranische Außenministerium soll deshalb den britischen Botschafter Rob Macaire einbestellt haben. Das wies dieser mittlerweile zurück. "Interessant. Und mir neu", schrieb Macaire auf Twitter. Vielmehr habe er selbst um ein dringendes Treffen im Außenministerium nachgesucht, das ihm auch gewährt worden sei. "Keine "Vorladung", so der Diplomat.

Die iranische Führung wies die Anschuldigungen mehrmals zurück. Abbas Musavi, Sprecher des iranischen Außenministeriums, sagte dem ARD-Studio Istanbul: "Erst haben sie gesagt, dass es eine Seemine war - dann sagten sie, etwas aus der Luft habe die Tanker getroffen. Ich weiß nicht, wie sehr die Amerikaner selbst an den Film glauben, den sie veröffentlichten."

Musavi riet anderen Nationen dazu, die Worte von US-Präsident Donald Trump kritisch zu betrachten: "Jetzt, wo die USA aus dem Atomabkommen ausgestiegen sind, sind die verbliebenen Länder dazu verpflichtet - so wie der Iran auch - ihren Verpflichtungen nachzukommen, und nicht ein Spiel zu spielen, das Trump und seinem Team hilft."

Die US-Regierung war im vergangenen Jahr im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen. Sie versucht, die Führung in Teheran mit Wirtschaftssanktionen unter Druck zu setzen, um eine neues, strengeres Abkommen auszuhandeln. Der Iran lehnt das bislang ab.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juni 2019 um 08:10 Uhr.

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