US-Außenminister Pompeo äußert sich zu den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman. | Bildquelle: AFP

Explosionen auf Tankern in Golfregion Pompeo macht den Iran verantwortlich

Stand: 13.06.2019 21:22 Uhr

Noch steht nicht fest, was die Explosionen auf zwei Tankern im Golf von Oman ausgelöst hat, doch für die USA ist klar: Der Iran steht dahinter. Anschuldigungen, die die Sorge vor einer Eskalation in der Region anfachen.

US-Außenminister Mike Pompeo macht den Iran für die Explosionen verantwortlich, die sich auf zwei Öltankern im Golf von Oman ereignet haben. Beweis seien für die US-Regierung etwa die "Art der Waffen", die laut Pompeo bei den "Angriffen" verwendet wurden.

Die Zwischenfälle auf den Tankern ereigneten sich, als beide Schiffe den Golf von Oman durchquerten, eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Rohöltransport. An die Meeresregion grenzen sowohl der Iran als auch die Vereinigten Arabischen Emirate.

Pompeo warf dem Iran vor, die "unprovozierten Attacken" seien Teil einer "Kampagne" gewesen, um die Spannungen eskalieren zu lassen. Das Handeln der iranischen Führung stelle eine Gefahr für den internationalen Frieden und die Sicherheit dar. Der Außenminister kündigte an, die USA würden ihre Einheiten und Interessen in der Region verteidigen. Näher ging Pompeo auf eventuelle Konsequenzen nicht ein.

Angriffe auf Tanker heizen Konflikt am Golf an
tagesthemen 22:15 Uhr, 13.06.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Reedereien haben Angriff bislang nicht bestätigt

Am Morgen hatte es nach Angaben der norwegischen Seefahrtsbehörde drei Explosionen an Bord des zur norwegischen Reederei "Frontline" gehörenden Tankers "Front Altair" gegeben, danach brach zudem ein Feuer aus. An Bord des Tankers, der unter der Flagge der Marshallinseln das Ziel Taiwan ansteuerte, befanden sich rund 75.000 Tonnen Rohbenzin. Alle 23 Besatzungsmitglieder wurden laut "Frontline" ohne Verletzungen in Sicherheit gebracht. Die Crew wurde zunächst in einem iranischen Hafen an Land gebracht und soll nun schnellstmöglich in die jeweiligen Heimatländer gebracht werden.

Trotzdem erhöhte das norwegische Amt die Sicherheitsstufe rund um die Golfregion und riet Schiffen unter norwegischer Flagge, sich von iranischen Territorialgewässern fernzuhalten.

Auch die Hamburger Reedereigruppe Bernhard Schulte Shipmanagement in Singapur meldete einen Zwischenfall auf der von einem japanischen Schiffseigner gecharterten "Kokuka Courageous": Der mit Methanol beladene Tanker sei am Rumpf beschädigt worden. Die Ladung sei jedoch intakt, die 21-köpfige Mannschaft wurde auf ein anderes Schiff gebracht. Eines der Crewmitglieder erlitt leichte Verletzungen.

Keine der beiden Reedereien sprach bisher ihrerseits von Angriffen auf die eigenen Schiffe.

Seit Monaten spitzt sich Streit mit USA zu

Trotzdem drohen die Vorfälle die Spannungen in der Region weiter anzuheizen: Zum einen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien, zum anderen zwischen der iranischen und der US-Regierung. Die USA waren im Mai 2018 aus dem 2015 zwischen den fünf UN-Vetomächten, Deutschland und dem Iran geschlossenen Atomabkommen ausgestiegen. Seitdem spitzt sich der Streit zwischen den USA und dem Iran immer mehr zu, wiederholt hat die US-Regierung Sanktionen gegen das Land verhängt, um den Iran vor allem wirtschaftlich zu schwächen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten wiederum bereits vor vier Wochen Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe im Golf von Oman gemeldet. Nach saudi-arabischen Angaben wurden zwei Tanker des Landes schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar. Damals wies der Iran die Vorwürfe von Amerikanern und Saudis zurück, für die Sabotageakte verantwortlich zu sein. Die Vereinigten Arabischen Emirate vermieden zwar jede Schuldzuweisung; sie erklärten aber, nur ein Staat könne eine solch komplexe Operation gegen die Schiffe ausgeführt haben.

Iran weist Schuld zurück

Verena Bünten, ARD Washington, zum Vorfall im Golf von Oman
nachtmagazin 00:15 Uhr, 14.06.2019

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Auch jetzt wies der Iran jeden Verdacht von sich, für die Explosionen auf den Tankern verantwortlich zu sein. Präsident Hassan Rouhani betonte in einer im Fernsehen übertragenen Rede, der Iran habe "immer versucht, Stabilität und Frieden in der Region zu wahren".

Gleichzeitig erklärte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in einem Tweet: "Verdächtig beschreibt nicht ansatzweise, was heute Morgen passiert ist", schrieb er in Bezug auf die Zwischenfälle und mutmaßte, diese könnten in Zusammenhang mit dem Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe im Iran stehen. Abe versucht, im angespannten Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien zu vermitteln.

Rückhalt erhielt die iranische Regierung von Russland. Niemand kenne die Hintergründe der Vorfälle, betonte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow und rief alle Mächte in der Region zu Gesprächen auf, um weitere Spannungen zu vermeiden.

"Bedrohung für den Frieden"

Doch bei der internationalen Politik wächst die Sorge, die Tanker-Zwischenfälle könnten zur Eskalation führen. Die Welt könne sich keine große Konfrontation in der Golfregion leisten, warnte UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Ähnlich hatten sich zuvor schon Bundesaußenminister Heiko Maas und eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini geäußert. Beide warnten vor einer Eskalation. Maas fügte hinzu, Sabotageakte seien generell immer eine Bedrohung für offene Handelswege und "aktuell auch eine Bedrohung für den Frieden".

US-Regierung macht Iran für Angriffe auf Öltanker verantwortlich
Jan Bösche, ARD Washington
13.06.2019 21:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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