Der Tanker "Front Altair" | Bildquelle: REUTERS

Vorfälle auf Tankern im Golf von Oman Neues Feuer für alte Spannungen

Stand: 13.06.2019 17:31 Uhr

Auf zwei Tankern im Golf von Oman gab es Explosionen. Die Hintergründe sind unklar, trotzdem heizen die Vorfälle den Konflikt zwischen den Konkurrenten Iran und Saudi-Arabien an. Viele Länder fürchten eine Eskalation.

Nach noch ungeklärten Zwischenfällen, die sich kurz hintereinander auf zwei Öltankern im Golf von Oman ereignet hatten, zeigt sich die internationale Politik besorgt, dass die ohnehin schon großen Spannungen in der Region weiter zunehmen könnten.

Der Golf von Oman verbindet die ölreiche persische Golfregion mit dem offenen Meer. Über diese Verbindung läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Rohöltransports per Schiff. An die Meeresregion grenzen sowohl der Iran als auch die Vereinigten Arabischen Emirate.

Am Morgen durchquerte der zur norwegischen Reederei "Frontline" gehörende Tanker "Front Altair" den Golf von Oman, als es nach Angaben der norwegischen Seefahrtsbehörde drei Explosionen an Bord gegeben haben soll, infolge derer ein Brand ausbrach. Die Behörde sprach von einem "Angriff" - eine Darstellung, die die Reederei bislang nicht bestätigte.

Angriff auf Tanker im Golf von Oman
tagesschau 20:00 Uhr, 13.06.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Norwegen erhöht Sicherheitsstufe

An Bord des Tankers, der unter der Flagge der Marshallinseln das Ziel Taiwan ansteuerte, befanden sich rund 75.000 Tonnen Rohbenzin. Inzwischen ist laut "Frontline" ein Schlepper bei dem Schiff angekommen. Alle 23 Besatzungsmitglieder seien ohne Verletzungen in Sicherheit gebracht worden. Die Crew wurde zunächst in einem iranischen Hafen an Land gebracht und soll nun schnellstmöglich in die jeweiligen Heimatländer gebracht werden.

Trotzdem erhöhte das norwegische Amt die Sicherheitsstufe rund um die Golfregion und riet Schiffen unter norwegischer Flagge, sich von iranischen Territorialgewässern fernzuhalten.

Auch die Hamburger Reedereigruppe Bernhard Schulte Shipmanagement in Singapur meldete am Morgen einen Zwischenfall auf der von einem japanischen Schiffseigner gecharterten "Kokuka Courageous": Der mit Methanol beladene Tanker sei am Rumpf beschädigt worden. Die Ladung sei jedoch intakt, die 21-köpfige Mannschaft wurde auf ein anderes Schiff gebracht. Eines der Crewmitglieder erlitt leichte Verletzungen. Nach Angaben des japanischen Schiffseigners soll es im Maschinenraum ebenfalls gebrannt haben.

Öltanker ''Front Altair'' (Archivbild: April 2018) | Bildquelle: ARTJOM LOFITSKI/MARINETRAFFIC.CO
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"Front Altair" wurde 2016 gebaut und fährt unter der Flagge der Marshallinseln. (Archivbild)

Reaktion auf US-Sanktionen?

Keine der beiden Reedereien sprach bisher ihrerseits von Angriffen auf die eigenen Schiffe. Einige Beobachter im Nahen Osten ordnen die Zwischenfälle aber bereits ein als Antwort des Iran auf die Sanktionen der USA. Mit ihnen wollen die Amerikaner verhindern, dass der Iran weiterhin Erdöl exportiert. Ibrahim Freihat vom Doha-Forschungszentrum sagte im Sender Aljazeera:

"Durch eine Eskalation könnte der Iran geschädigt werden. Aber sollte er hinter diesem Angriff stecken, dann will er damit eine klare Botschaft gesendet haben - und zwar: Wenn wir kein Öl ausführen dürfen, dann soll auch niemand anderes das tun können."

"Eine Bedrohung für den Frieden"

Die Zwischenfälle rufen große Sorge bei der internationalen Politik hervor. Bundesaußenminister Heiko Maas nannte die Vorfälle "außerordentlich beunruhigend" und warnte davor, dass sie zu einer Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien führen könnten. Sabotageakte seien generell immer eine Bedrohung für offene Handelswege und "aktuell auch eine Bedrohung für den Frieden".

Auch die EU mahnte, "die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

Der Iran wies jeden Verdacht von sich, für die Explosionen auf den Tankern verantwortlich zu sein. Präsident Hassan Rouhani betonte in einer im Fernsehen übertragenen Rede, der Iran habe "immer versucht, Stabilität und Frieden in der Region zu wahren".

Gleichzeitig erklärte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in einem Tweet: "Verdächtig beschreibt nicht ansatzweise, was heute Morgen passiert ist", schrieb er in Bezug auf die Zwischenfälle und mutmaßte, diese könnten in Zusammenhang mit dem Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe im Iran stehen. Abe versucht, im angespannten Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien zu vermitteln.

Russland stärkt Iran den Rücken

Rückhalt erhielt die iranische Regierung von Russland. Niemand kenne die Hintergründe der Vorfälle, betonte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow und rief alle Mächte in der Region zu Gesprächen auf, um weitere Spannungen zu vermeiden. Und der Vize-Außenminister Sergej Rjabkow warnte davor, dem Iran die Verantwortung zuzuschieben.

Bereits vor vier Wochen hatten die Vereinigten Arabischen Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe im Golf von Oman gemeldet. Nach saudi-arabischen Angaben wurden zwei Tanker des Landes schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar. Damals wies der Iran die Vorwürfe von Amerikanern und Saudis zurück, für die Sabotageakte verantwortlich zu sein. Die Vereinigten Arabischen Emirate vermieden zwar jede Schuldzuweisung; sie erklärten aber, nur ein Staat könne eine solch komplexe Operation gegen die Schiffe ausgeführt haben.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2019 um 16:00 Uhr.

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