US-Soldaten in Afghanistan umstehen ein Militärfahrzeug, das bei einem Selbstmordanschlag der Taliban explodiert ist (Archivbild). | Bildquelle: AFP

US-Vereinbarung mit Taliban Weniger Gewalt - als Testlauf für Frieden

Stand: 21.02.2020 14:04 Uhr

US-Außenminister Pompeo verkündet eine Vereinbarung mit den Taliban: Eine Woche lang sollen sie sich mit Gewaltakten zurückhalten. Die USA stellen dafür ein Friedensabkommen in Aussicht. Doch viele Details sind unklar.

Die USA haben mit den Taliban eine gemeinsame Vereinbarung getroffen, die neue Schritte im Friedensprozess einleiten soll. Wie US-Außenminister Mike Pompeo auf Twitter mitteilte, habe man eine "signifikante Reduktion der Gewalt" in Afghanistan vereinbart. Er lobte die Übereinkunft als "wichtigen Schritt auf dem langen Weg zum Frieden" und rief alle Afghanen dazu auf, diese Gelegenheit zu nutzen.

Übereinkunft gilt laut Kabul ab Mitternacht

Die USA verhandeln seit mehr als einem Jahr mit den Taliban über einen möglichen Abzug Tausender US-Soldaten gegen Sicherheitsgarantien. Vor Pompeos Mitteilung hatte der Nationale Sicherheitsrat Afghanistans verkündet, dass sich die Konfliktparteien von Freitagabend an eine Woche lang mit Waffengewalt zurückhalten sollten. Ein Sprecher des afghanischen Nachrichtendienstes NSC bestätigte, die Übereinkunft trete um Mitternacht in Kraft. Die Taliban selbst nahmen zunächst keine Stellung.

Pompeo gab von US-Seite keine Details bekannt, ab wann die Vereinbarung zur Reduktion der Gewalt gelten solle oder was sie konkret umfasst. Lässt die Gewalt nach, soll dadurch aber ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban näherrücken.

Erfolgsaussichten der Friedenspläne unklar

Pompeo gab sich bereits sicher, dass dies auch glücken wird: "Wir bereiten uns auf die Unterzeichnung am 29. Februar vor", sagte er nach einem Besuch in Saudi-Arabien. Das mögliche Abkommen solle den Weg für einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan ebnen und innerafghanische Friedensverhandlungen in Gang setzen. Das Ziel seien ein dauerhafter Waffenstillstand und ein politischer Zukunftsplan.

Angesichts der politischen Krise in Kabul ist jedoch unklar, wie realistisch die Pläne sind: Erst am Dienstag war nach fünf Monaten Wartezeit das Resultat der Präsidentschaftswahl im September 2019 bekantngegeben worden. Amtsinhaber Aschraf Ghani wurde von der Wahlkommission zum Sieger erklärt, sein Herausforderer Abdullah Abdullah erkannte die Wahl allerdings nicht an und erklärte, er wolle eine Gegenregierung bilden.

NATO-Generalsekretär begrüßt Einigung

Jens Stoltenberg, der Generalsekretär der NATO, zeigte sich erfreut über die Vereinbarung. "Ich begrüße die heutige Ankündigung, dass eine Verständigung auf eine deutliche Reduktion der Gewalt in Afghanistan erreicht wurde", sagte er in Brüssel. Dies sei ein entscheidender Test dafür, ob die Taliban zum Friedensschluss willens und fähig seien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Februar 2020 um 13:00 Uhr.

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