Bewohner waten durch eine vom Taifun "Rai" überflutete Straße.  | picture alliance/dpa/AP

Taifun "Rai" auf den Philippinen "Es war wie das Ende der Welt"

Stand: 20.12.2021 03:25 Uhr

Taifun "Rai" hat schwere Schäden auf den Philippinen verursacht. Wie schwer, wird erst langsam klar: Die Polizei spricht nun von mehr als 200 Toten, 300.000 Menschen mussten fliehen. Tausende Helfer sind im Einsatz.

Die Zahl der Todesopfer durch Taifun "Rai" auf den Philippinen ist auf mehr als 200 gestiegen. Wie die Polizei mitteilte, starben bei dem Durchzug des bislang heftigsten Wirbelsturms in diesem Jahr 208 Menschen. Die Opferzahl könnte allerdings weiter steigen: 52 Menschen wurden den Angaben zufolge vermisst.

Infrastruktur beschädigt

Mehr als 300.000 Menschen mussten fliehen, viele von ihnen können nicht in ihre Häuser zurückkehren. Mindestens 239 Menschen wurden laut Polizei verletzt. Zahlreiche Dächer flogen von Häusern, Strommasten stürzten um und mehrere Dörfer wurden überflutet. In vielen Gebieten wurden die Stromversorgung und das Telefonnetz lahmgelegt. Auch Krankenhäuser wurden beschädigt.

Eine der am stärksten betroffenen Provinzen war die Insel Bohol. Dort lag die Zahl der Todesopfer am Montag laut Angaben von Gouverneur Arthur Yap bei 74. Zehn weitere Menschen starben auf den Dinagat-Inseln, wie der für die Informationspolitik zuständige örtliche Beamte, Jeffrey Crisostomo, der Nachrichtenagentur AFP sagte.

"Ich sah, wie der Taifun die Provinzhauptstadt Stück für Stück verwüstete", sagte Crisostomo dem Radiosender DZBB. "Große Tische, so schwer wie ein Mann, flogen durch die Luft." Die Rettungs- und Aufräumarbeiten waren am Wochenende in vollem Gange: Tausende Einsatzkräfte räumten mit Baggern blockierte Straßen frei und versorgten per Schiff abgeschnittene Gebiete mit Trinkwasser, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe.

Touristen mit Flugzeugen und Booten gerettet

Auch auf der Ferieninsel Siargao und der Nordspitze von Mindanao entstanden schwere Schäden. "Alles flog durch die Luft, es war wie das Ende der Welt", berichtete der Reiseleiter Raphy Repdos von der Insel Siargao, auf der sich zur Vorweihnachtszeit besonders viele Surfer und Urlauber aufhielten." Vom Militär veröffentlichte Luftaufnahmen zeigen, dass im wichtigsten Inselort General Luna unzählige Häuser zerstört wurden. Am Sonntag wurden Touristen per Flugzeug und Boot von der Insel geholt.

Staatschef Rodrigo Duterte besuchte am Samstag einige der am schwersten betroffenen Gegenden und sagte zu, "Geld zu sammeln", um den Opfern zu helfen. Zugleich räumte er ein, dass die Regierung bankrott sei. Der Wiederaufbau werde "ein langer, harter Weg für die Menschen", sagte der Leiter der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften auf den Philippinen, Alberto Bocanegra. Die Hilfsorganisation bat in einem Spendenaufruf um umgerechnet gut 19 Millionen Euro.

Karte der Philippinen mit Guimaras, Bukidnon und Surigao City

Ende der Taifun-Saison

"Rai", von den Einheimischen "Odette" genannt, war am Donnerstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 195 Kilometern pro Stunde auf Land getroffen. Die Einstufung als Super-Taifun entspricht einem Hurrikan der Kategorie fünf in den USA. Weltweit ereignen sich in der Regel etwa fünf Stürme dieser Stärke pro Jahr. "Rai" traf die Philippinen zum Ende der Taifun-Saison. Die meisten heftigen Wirbelstürme entwickeln sich zwischen Juli und Oktober.

Durch den Klimawandel und die damit steigenden Meerestemperaturen nehmen Wirbelstürme in ihrer Zahl und Intensität zu. Der bisher schlimmste Taifun "Haiyan" hatte im November 2013 mehr als 6300 Menschen das Leben gekostet. Mehr als vier Millionen Menschen mussten fliehen.