Regenwald auf der Ilha do Cardoso im Bundesstaat Sao Paulo. | Bildquelle: dpa

Tag der Tropenwälder Abholzen, abbrennen, abschlachten

Stand: 14.09.2020 09:04 Uhr

Der Tag der Tropenwälder soll auf die gefährdete grüne Lunge der Erde aufmerksam machen. Deren Vernichtung wird durch die Corona-Pandemie verstärkt - so auch in Indonesien.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Die Waldbrandsaison in Indonesien ist im vollen Gange, auf dem indonesischen Teil Borneos herrscht seit Juli Alarmzustand - Trockenzeit und Brandrodung sind eine große Gefahr für die tropischen Wälder Indonesiens.

Das Land hat weltweit die drittgrößte Waldfläche und es ist typisch für die bewaldeten Länder der Welt: Die haben rund um den Globus einen großen Anteil an armen Einwohnern. Und deshalb sind die Wälder zum Beispiel in Indonesien in diesem Jahr besonders gefährdet: Corona trifft die Menschen hart, die Einbußen in Wirtschaft und Tourismus lassen viele leiden.

Reiche Wälder, arme Bevölkerung

In Indonesiens Dschungel leben Tiger, Elefanten, Nashörner, Orang-Utans, es gibt tausende Vogelarten, hunderte Reptilienarten, 37.000 Pflanzenarten. Der Reichtum dieser Wälder ist immens, die Armut der Bevölkerung ist oft groß.

Also greifen sie zu. Nicht alle, aber es gibt genügend schwarze Schafe: Sie holzen illegal ab - um begehrte Edelhölzer zu verkaufen. Sie brennen ab, um Platz für Palmöl-Plantagen zu schaffen. Sie schlachten ab, denn gefährdete Tierarten sind sehr gefragt. Der illegale Handel mit Wildtieren, ob sie tot sind oder lebendig, floriert.

Und wer sich diesem Treiben in den Weg stellt, lebt gefährlich. Immer wieder werden Wild- und Waldschützer in Südostasien umgebracht. So erzählt es Isy, der im Nationalpark Tanjung Puting auf Borneo arbeitet: "Als ich einmal durch den Wald patrouillierte und nach illegalen Abholzern suchte, wurde ich von ihnen bedroht: 'Wenn du nicht innerhalb von drei Tagen hier abhaust, dann töten wir dich.' Aber wir sind dageblieben, haben uns nicht vertreiben lassen und den Wald weiter beschützt."

Palmölplantagen bedrohen Orang-Utans

Eine der Gefahren auch hier: Palmöl. Indonesien ist weltgrößter Palmölproduzent und hängt stark von Exporten ab. Die Fläche der Plantagen hat sich innerhalb von elf Jahren verfünffacht. Das bedroht vor allem den Lebensraum der Orang-Utans, die nur hier und in Malaysia leben.

Die Tierschützerin Manohara berichtet: "Die Orang Utans können nirgendwo mehr leben, also gehen sie früher oder später in die bewohnten Gebiete, in die Palmölplantange, weil sie nichts mehr zu essen haben, oder sie fressen das, was die Dorfbewohner anbauen - sie werden lästig, und die Bewohner wollen sie so schnell wie möglich loswerden. Meistens töten sie die Mütter und nehmen die Kinder, um sie in den illegalen Tierhandel zu verkaufen oder nach Übersee."

Ein Orang-Utan aus Sumatra hängt an einem Baum | Bildquelle: REUTERS
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Ein Orang-Utan hängt an einem Baum im Naturschutzgebiet Jantho in Aceh, Indonesien.

100.000 Orang Utans sind seit dem Jahr 2000 in Indonesien gestorben, manche Forscher sagen sogar 150.000 Tiere. Nach einer gerade veröffentlichen Studie des World Wildlife Fund sind Zweidrittel der untersuchten Tierwelt in den vergangenen 50 Jahren ausgerottet worden - weil wir Wälder in landwirtschaftliche Nutzflächen verwandeln.

Entwaldung steigt um 50 Prozent

Die Entwaldung treibt den Klimawandel voran: Im vergangenen Jahr ist alle sechs Sekunden tropischer Regenwald in der Größe eines Fußballfeldes vernichtet worden. Eine Entwicklung, die die Corona-Pandemie noch verstärkt hat - um genau zu sein: in Indonesien sogar um 50 Prozent, das zeigen Satellitendaten. Viele Behörden und Waldschützer können wegen der Corona-Maßnahmen und Budgetkürzungen nicht reisen. Darum ist der Wald in den meisten Teilen des riesigen Indonesiens sich selbst überlassen - beziehungsweise Wilderern, Abholzern und Brandrodern.

Immerhin hat das Land gerade eine Finanzspritze der Vereinten Nationen erhalten - rund 100 Millionen Dollar, um Bränden vorzubeugen und das Klima zu schützen. Das Geld ist in gewisser Weise auch Belohnung dafür, dass Indonesien in den vergangenen Jahren weniger Wald gerodet hat als vorher. Doch Corona gefährdet auch das.

Tag der Tropenwälder - Abholzen, abbrennen, abschlachten
Lena Bodewein, ARD Singapur
14.09.2020 06:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2020 um 06:16 Uhr.

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