Jugendliche in der Stadt Maaret al Numan im Nordwesten Syriens

Bürgerkrieg in Syrien Mindestens 44 Tote bei Luftangriff der syrischen Armee

Stand: 18.10.2012 19:02 Uhr

Bei dem Luftangriff auf eine syrische Stadt sind nach Angaben von Rettungskräften 44 Menschen getötet worden. Unter den Opfern des Angriffs auf Maaret al Numan in der Provinz Idlib waren den Angaben zufolge zahlreiche Kinder. Zuvor hatte ein Arzt von mindestens 20 Toten und 30 Vermissten gesprochen.

Jugendliche in der Stadt Maaret al Numan im Nordwesten Syriens

Nach dem Luftangriff - Jugendliche in der Stadt Maaret al Numan im Nordwesten Syriens

Offensive der syrischen Armee

Kampfflugzeuge der syrischen Luftwaffe hatten die Stadt den ganzen Morgen überflogen. Die syrischen Rebellen hatten die strategisch wichtige Stadt Anfang des Monats erobert. Maaret al Numan liegt an der Autobahn, welche die Hauptstadt Damaskus mit Aleppo verbindet.

Die syrische Armee setzte ihre Angriffe gegen die Rebellen im Land fort. Besonders im Umland von Damaskus und in der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei kam es zu heftigen Gefechten.

Zudem gibt es neue Berichte von Menschenrechtsgruppen, nach denen mindestens 28.000 Menschen seit Beginn des Syrien-Konflikts verschleppt wurden und noch immer verschwunden sind. Niemand sei vor der Terrorkampagne des Regimes sicher, erklärte die Aktivistenorganisation Avaaz der BBC.

Avaaz habe die Namen von 18.000 Vermissten und wisse von 10.000 weiteren Fällen, in denen Menschen seit Beginn der Proteste vor 19 Monaten von Soldaten oder Milizionären entführt worden sein, sagte die Direktorin der Avaaz-Kampagne, Alice Jay.

Brahimi reist erneut nach Damaskus

Am Wochenende wird der Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi erneut nach Damaskus reisen - allerdings ohne einen konkreten Friedensplan. Brahimi werde am Samstag in der syrischen Hauptstadt erwartet, meldete das Staatsfernsehen. Ob der Vermittler von UN und Arabischer Liga bei seinem zweiten Besuch in Syrien Präsident Baschar al-Assad treffen wird, ist unklar.

Die syrische Regierung hat bislang nicht einmal Brahimis Vorschlag für eine Waffenruhe während des islamischen Opferfestes in der kommenden Woche zugestimmt.

Seit dem Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im März 2011 starben nach Oppositionsangaben bereits mehr als 30.000 Menschen.

Deutschland erhöht Flüchtlingshilfe

Unterdessen hat Deutschland seine Unterstützung für syrische Flüchtlinge um fünf Millionen Euro erhöht. Mit den zusätzlichen Mitteln wolle die Bundesregierung einen Beitrag zur Linderung der Not im herannahenden Winter leisten, teilte Außenminister Guido Westerwelle mit. "Wir müssen den Flüchtlingen und den Nachbarländern, die sie so selbstlos aufnehmen, nach Kräften beistehen. Das ist unsere Pflicht gegenüber den Menschen", sagte er.

Mit dem Geld sollen den Angaben zufolge Hilfsorganisationen unterstützt werden, die die Menschen mit Kleidung, Decken und Öfen versorgen. Damit erhöht sich die humanitäre Hilfe der Bundesregierung im syrischen Bürgerkrieg auf 28,3 Millionen Euro.

Laut Schätzungen der UNO sind mehr als 300.000 Menschen in die Nachbarländer geflohen. Allein die Türkei hat nach einer Zählung der nationalen Katastrophenschutzbehörde fast 102.000 Menschen in den 14 Auffanglagern an der Grenze aufgenommen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 18. Oktober 2012 um 22:15 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
tagtest 19.10.2012 • 01:35 Uhr

@mipfel 18:38, Einige Klarstellungen.

1. Der Einsatz im Kosovo war m.E. kein völkerrechtswidriger Angriffskrieg sondern stand im Einklang mit der responsibility to protect. 2. Syrien ist nicht Libyen, das stimmt. Aber schon zu Libyen hat sich Deutschland unsäglich opportunistisch verhalten. De Maiziere sprach nach der erfolgreichen Beendigung des Libyen-Einsatzes denn auch davon, dass er und andere sich in Bezug auf Libyen "mindestens drei Mal geirrt" hätten... 3. Ihre Frage, inwieweit "ich" im Extremfalle deutsche (und andere) Opfer akzeptiere, muss ich aus logischen Gründen letztlich bejahen - es ist dies in der Tat der schlimme Preis der "responsibility to protect". Das bedeutet selbstverständlich, dass so etwas mit allergrösster Sorgfalt geplant sein muss. 4. Soldaten haben ein Anrecht auf die Unterstützung durch das Volk - da gebe ich Ihnen absolut Recht! PS: Ist es nicht eher (zynische) "Tagträumerei", in Syrien alles einfach weiter laufen zu lassen und zu hoffen, die Situation beruhigte sich "von alleine"?