Menschen fliehen aus der nordsyrischen Stadt Afrin | Bildquelle: AFP

Afrin und Ost-Ghouta Zehntausende fliehen aus Kampfgebieten

Stand: 17.03.2018 11:13 Uhr

Bei Angriffen in den umkämpften syrischen Gebieten Afrin und Ost-Ghouta sind laut Beobachtern erneut Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Zehntausende versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Massenflucht in den von schweren Kämpfen betroffenen syrischen Gebieten geht unvermindert weiter. Allein aus der mehrheitlich kurdischen Stadt Afrin sind nach Angaben von Aktivisten seit Mittwochabend bereits mehr als 150.000 Menschen vor der Offensive der türkischen Armee geflüchtet.

In der Nacht zum Samstag habe es heftige Kämpfe am Nordrand der Stadt gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die türkischen Truppen und ihre syrischen Verbündeten hätten versucht, in die Stadt vorzudringen.

Berichte über Angriff auf Krankenhaus

Zuvor hatte die Beobachtungsstelle erklärt, die türkische Armee habe das wichtigste Krankenhaus in Afrin beschossen und 16 Zivilisten getötet, darunter zwei schwangere Frauen. Die türkische Armee weist das zurück. Das Militär führe seine Schläge so, dass Zivilisten nicht zu Schaden kämen, erklärte sie über Twitter.

Flucht über den Süd-Korridor

Die Stadt ist beinahe komplett umzingelt. Lediglich im Süden gibt es einen Fluchtkorridor, der es den Bewohnern ermöglicht, die Stadt in Richtung der von syrischen Kurden oder der syrischen Regierung kontrollierten Gebiete zu verlassen. Die Zivilisten, welche die Stadt in den vergangenen Tagen verlassen hätten, seien "über diesen Süd-Korridor" geflüchtet, hieß es von der Beobachtungsstelle.

Seit Beginn seiner Offensive in Afrin im Januar hat das türkische Militär die YPG von der Grenze zurückgedrängt und ist von Westen und Osten auf die Stadt Afrin vorgerückt. Mit der Militäraktion soll verhindert werden, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet. Die Türkei sieht die YPG als verlängerten Arm der kurdischen PKK in der Türkei, die sie als Terror-Organisation einstuft.

Menschen fliehen aus der nordsyrischen Stadt Afrin | Bildquelle: AFP
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Bewohner von Afrin fliehen aus der nordsyrischen Stadt in Richtung Süden.

Tausende weitere Bewohner verlassen Ost-Ghouta

Auch aus der Rebellenhochburg Ost-Ghouta setzen sich die Fluchtbewegungen fort. Mehr als 11.000 Menschen haben nach Angaben des russischen Militärs am Samstagmorgen das syrische Gebiet bei Damaskus verlassen.

Jede Stunde seien rund 3000 Menschen durch einen humanitären Korridor der syrischen Regierung aus dem Gebiet gekommen, sagte Generalmajor Wladimir Solotuchin nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Der syrische UN-Botschafter Baschar Dschaafari hatte am Freitag gesagt, mehr als 40.000 Zivilisten hätten Ost-Ghuta seit Donnerstag verlassen.

Bei Luftangriffen der syrischen Regierung wurden am Freitag mehr als 100 Menschen getötet. Die Beobachtungsstelle meldete, bei neuen Luftangriffen seien am Samstag weitere 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Während der seit drei Wochen laufenden Offensive auf Ost-Ghuta kamen bereits mehr als 1300 Zivilisten um, knapp 5000 wurden verletzt.

Geflüchtete aus der Region Ost-Ghouta versammeln sich auf einem Schulgelände am Rande von Damaskus. | Bildquelle: AFP
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Geflüchtete aus der Region Ost-Ghouta versammeln sich auf einem Schulgelände am Rande von Damaskus.

Geteilte Region nach syrischer Offensive

Ost-Ghouta wurde nach Angaben der syrischen Armee zu 70 Prozent eingenommen. Das zuvor von Regimegegnern kontrollierte Gebiet ist nach der seit einem Monat anhaltenden Offensive durch syrische Regierungstruppen und ihre russischen und iranischen Verbündeten in drei getrennte Enklaven aufgespalten.

Am Freitag begann das achte Kriegsjahr in Syrien. Nach Schätzungen kamen seit Beginn des Konflikts eine halbe Million Menschen um. Sechs Millionen Syrer flohen aus dem Land, weitere fünf Millionen wurden innerhalb Syriens vertrieben. In dem Bürgerkrieg sind die Angaben der Beobachtungsstelle - wie auch jene der Konfliktparteien - für Medien kaum zu überprüfen.

Angriff auf Krankenhaus in Afrin und Reaktionen
Michael Lehmann, ARD Istanbul
17.03.2018 12:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. März 2018 um 11:00 Uhr.

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