Zerstörte Gebäude in Ost-Ghouta | Bildquelle: dpa

Ost-Ghouta in Syrien Feuerpause offenbar gebrochen

Stand: 27.02.2018 11:25 Uhr

Die Feuerpause in Ost-Ghouta war keine drei Stunden in Kraft, da beschuldigte Russland die Rebellen, Fluchtkorridore zu beschießen. Die widersprechen jedoch - und berichten von Luftangriffen der Armee.

Im umkämpften syrischen Rebellengebiet Ost-Ghouta ist die von Russland initiierte fünfstündige Feuerpause offenbar gebrochen worden. Die Regierung in Moskau erklärte, die Aufständischen hätten die Vereinbarung gebrochen. Der humanitäre Korridor, über den Zivilisten das umkämpfte Gebiet östlich von Damaskus verlassen sollten, liege unter massivem Beschuss, meldete die Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf russisches Militär. In Ost-Ghouta sind etwa 400.000 Menschen fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.

Oppositionsgruppen widersprachen den Berichten. Man habe den Fluchtkorridor nicht beschossen, erklärte die Islamistenmiliz Dschaisch al-Islam. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete zudem, die syrische Luftwaffe habe mehrere Dörfer in der Enklave beschossen. Ein Hubschrauber habe zwei Fassbomben abgeworfen, in einigen Orten seien zudem Raketen und Granaten eingeschlagen.

Kurze Waffenruhe

Die Waffenruhe geht auf eine Anordnung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zurück. Russland ist einer der wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung. Die Feuerpause soll auch in den nächsten Tagen zwischen 9.00 und 14.00 Uhr Ortszeit (8.00 bis 13.00 Uhr MEZ) gelten.

Zerstörte Gebäude in Ost-Ghouta | Bildquelle: dpa
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Weite Teile von Ost-Ghouta sind nach wochenlangen Kämpfen zerstört.

US-Regierung kritisiert Moskau

Kritiker bemängeln jedoch, dass die Feuerpause viel zu kurz sei. Die US-Regierung forderte Moskau auf, seinen Einfluss auf Syrien geltend zu machen und ein sofortiges Ende der syrischen Offensive durchzusetzen. "Russland hat den Einfluss, diese Operationen zu beenden", erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert.

Forderung nach 30-tägiger Feuerpause

Der UN-Sicherheitsrat hatte in einer Resolution am Samstag gefordert, "dass alle Parteien ohne Verzögerung die Kampfhandlungen einstellen für einen Zeitraum von mindestens 30 aufeinander folgenden Tagen in ganz Syrien für eine anhaltende humanitäre Pause". Die Resolution enthält allerdings keine völkerrechtlich bindenden Druckmittel zur Durchsetzung der Waffenruhe. Der Rat hatte wiederholt über den Beschluss abstimmen müssen, da Russland den ursprünglichen Entwurf durch sein Veto blockiert und Änderungen eingefordert hatte.

Ost-Ghouta hatte in den vergangenen neun Tagen die schlimmste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren erlebt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, mehr als 560 Zivilisten seien getötet worden.

Daniel Hechler, ARD Kairo, über die bevorstehende Feuerpause
tagesschau 12:00 Uhr, 27.02.2018

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Türkei greift weiter in Syrien an

Der türkische Präsident Erdogan | Bildquelle: REUTERS
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Der türkische Präsident Erdogan bestreitet zivile Opfer in Afrin.

Allerdings wird in anderen Teilen Syriens weiter gekämpft. Die türkische Regierung sieht ihren Militäreinsatz im nordsyrischen Afrin nicht durch den UN-Beschluss vom Samstag betroffen, weil er nach ihrer Auffassung nicht für den Kampf gegen Terroristen gilt - und als solche bezeichnet sie die Kämpfer der kurdischen Miliz YPG.

Mit Blick auf Afrin rief der französische Präsident Emmanuel Macron den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf, die Waffenruhe auch in Nordsyrien einzuhalten. Die Feuerpause gelte "für das gesamte Gebiet Syriens, darunter Afrin, und muss überall und von allen umgehend umgesetzt werden", sagte er

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Februar 2018 u.a. um 09:00 Uhr.

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