Kampf um Ras al-Ain | AP

Nach Abzug der US-Truppen Manbidsch wieder in syrischer Hand

Stand: 16.10.2019 13:58 Uhr

Die syrischen Truppen haben die Stadt Manbidsch wieder unter Kontrolle. Die US-Soldaten waren offenbar von dort überstürzt aufgebrochen - ein Triumph auch für Moskau.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über den Dächern von Manbidsch wehen wieder syrische Fahnen - und russische. Im Zuge der Entscheidung Washingtons, fast alle US-Soldaten aus Syrien abzuziehen, gaben die Amerikaner ihre Präsenz in Manbidsch am Dienstag auf. Kurz darauf rückten Truppen der syrischen Regierung ein, zusammen mit russischer Militärpolizei. Manbidsch ist also nicht mehr unter der Kontrolle der von Kurden geführten Autonomiebehörde in Nordsyrien.

Carsten Kühntopp ARD-Studio Kairo

Viele Bewohner der Stadt hoffen, dass ihnen dadurch ein Angriff durch die Türkei erspart bleibt. "Wir hatten Angst vor einer türkischen Aggression gegen Manbidsch, aber jetzt - wegen der Anwesenheit der syrischen Armee - wird es für die türkische Armee nicht möglich sein, in unser Gebiet zu kommen", sagt ein junger Mann. "Wir fühlen uns jetzt sicherer und besser als vorher, wo wir Angst hatten." Doch erst am Dienstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan deutlich gemacht, dass auch Manbidsch ein Ziel für seine Truppen bleibt.

Syrische Truppen in Manbidsch | dpa

Die syrischenTruppen feierten ihren Einmarsch in Manbidsch. Bild: dpa

Russische Truppen noch nicht sichtbar

Die Situation an dem fast 500 Kilometer langen syrisch-türkischen Grenzabschnitt zwischen dem Euphrat und dem Irak ist weitgehend unverändert. Am Dienstag hatte Russland erklärt, man habe Soldaten an die Front geschickt. Doch weder in den Grenzgebieten, in denen gekämpft wird, noch dort, wo es derzeit friedlich ist, scheinen bisher russische Truppen aufgetaucht zu sein.

Weiterhin ebenfalls nicht an der Grenze stationiert sind offenbar syrische Regierungssoldaten. Eigentlich hatte Damaskus am Sonntag mit den Kurden vereinbart, dass man Truppen dorthin schicken wird. Der libanesische Militärexperte Elias Hanna glaubt jedoch, dass Präsident Bashar al-Assad dazu gar nicht in der Lage wäre: Die Grenze sei zu lang und eine Versorgung der Soldaten kaum möglich.

Karte von Syrien mit den Städten Ras Al-Ain und Manbidsch

Dem Sender Al Dschasira sagte Hanna, dass die Übereinkunft zwischen Assad und den Kurden den Konflikt dennoch verändert habe: "Heute sehen wir, dass der Krieg eine neue Dynamik bekommen hat, wegen dieser Vereinbarung. Die Truppen der Syrischen Demokratischen Kräfte sind in ihren Stellungen geblieben, bekommen aber durch das Assad-Regime eine legitime Deckung, und Russland verwaltet alles. Und somit entsteht ein neuer Sicherheitsmechanismus für eine Übergangsphase."

US-Truppen brachen offenbar überstürzt auf

Als die amerikanischen Soldaten Manbidsch verließen, waren sie offenbar in Eile. Ihren Stützpunkt bauten sie nicht komplett ab. Zelte, Feldbetten, Telekommunikationsmasten, Bulldozer, Fitnessgeräte und vieles andere ließen sie zurück, wie ein Internetvideo eines russischen Reporters zeigt, der einen Rundgang durch die Basis machte. In der Kantine stehen Tische und Bänke, halb abgegessene Teller, eine Mikrowelle - und Kühlschränke, die noch gut mit Getränken gefüllt sind. Der Abzug der Amerikaner aus Manbidsch ist der neueste Triumph für Moskau in Syrien - errungen, ohne dass ein einziger Schuss fiel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Oktober 2019 um 13:14 Uhr.

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KOMMENTARE

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pxslo 16.10.2019 • 17:59 Uhr

@17:23 von karwandler

"Und weil die Türkei keine F-35 kriegt wird sie fifth generation einfach überspringen und 2025 einen sixth generation Jäger bauen." Genau so ist es. Die Türkei war an der Entwicklung des F-35 beteiligt und fertigt auch wichtige Teile. Man hat genügend Erfahrungen gesammelt, um den eigenen Kampfflieger zu entwickeln und Ende der 2020'er Jahre in den Dienst zu stellen.