Von der Türkei unterstützte Kämpfer nahe der syrischen Stadt Manbidsch | Bildquelle: REUTERS

Konflikt in Nordsyrien Droht eine Eskalation in Manbidsch?

Stand: 28.12.2018 16:59 Uhr

In Syrien könnte ein Zusammenstoß zwischen pro-türkischen Milizen und der syrischen Armee drohen: Von Ankara unterstützte Kämpfer sind offenbar auf dem Weg nach Manbidsch - dort sollen zuvor Assads Truppen eingerückt sein.

Von der Türkei unterstützte Rebellen sind nach eigenen Angaben in die nordsyrische Stadt Manbidsch unterwegs. Damit droht dort ein Aufeinandertreffen mit Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Konvois bewegten sich zusammen mit den türkischen Streitkräften auf die Frontlinien in Manbidsch zu - in "voller Bereitschaft, militärische Operationen zur Befreiung der Stadt zu starten", wie die Rebellengruppe laut der Nachrichtenagentur Reuters erklärte.

Zuvor sollen Einheiten der syrischen Armee in Manbidsch eingerückt sein. Die bisher von den USA unterstützte kurdische Miliz YPG hatte die Assad-Regierung um Beistand gegen die Türkei gebeten. "So laden wir die syrische Regierung - zu der wir gehören - ein, Streitkräfte zu entsenden, um die Stellungen einzunehmen und Manbidsch angesichts der türkischen Gefahren zu schützen", erklärte sie. Die YPG hatte eigenen Angaben zufolge die Stadt geräumt. Die Kämpfer der Miliz seien aus der Stadt abgezogen, um die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu bekämpfen.

Ein Sprecher der syrischen Armee sagte, Soldaten hätten in der Stadt die syrische Nationalflagge gehisst. Die US-geführte Koalition widersprach den Darstellungen laut der Nachrichtenagentur AP jedoch. Dass syrische Truppen in die Stadt eingerückt seien, sei "nicht korrekt", erklärte sie. Russland, das Assad im Bürgerkrieg unterstützt, begrüßte die Nachricht von einer Truppenverlagerung der syrischen Armee. "Dies ist natürlich ein positiver Schritt zur Stabilisierung der Situation", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Karte Syrien und Türkei, dem Ort Manbidsch und der region Kilis
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Die kurdische YPG eroberte Manbidsch 2016 von Kämpfern des "IS" zurück.

Unruhe durch US-Truppenabzug

Die YPG sieht sich durch den geplanten US-Truppenabzug aus Syrien in Bedrängnis. Im Jahr 2016 hatte sie Manbidsch erobert und damals die Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus der Stadt vertrieben. Dabei war sie von der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA mit Luftangriffen, Spezialkräften und Waffen unterstützt worden.

Die Präsenz der Kurdenmiliz in der Stadt westlich des Euphrat war der Türkei aber von Beginn an ein Dorn im Auge. Präsident Recep Tayyip Erdogan will ein unabhängiges kurdisches Gebiet an der Südgrenze seines Landes verhindern. Er hatte vor kurzem eine Militäroffensive angekündigt, um die YPG aus der Region zu vertreiben.

Mit Blick auf die Situation in Nordsyrien bekräftigte Erdogan heute vor Journalisten: "Unser Ziel ist es, der YPG eine Lektion zu erteilen und wir sind gewillt, dies zu tun." Es sei aber auch klar, dass die Gebiete um Manbidsch zu Syrien gehörten. "Unser oberstes Ziel ist es, sicherzustellen, dass alle Terrorgruppen das Gebiet verlassen", sagte Erdogan. "Für uns wird nichts mehr zu tun sein, wenn die Terrorgruppen verschwinden." Aus Sicht Erdogans ist die YPG mit der verbotenen Terrororganisation PKK verbündet.

Zuspruch für Assad von arabischen Staaten

Beobachter befürchten, dass Erdogan seine Armee in Gang setzen wird, sobald die in Syrien stationierten US-Soldaten abgezogen sind. Dabei geht es um landesweit vermutlich 2000 Mann, die bisher die syrischen Kurden im Kampf gegen den IS unterstützt hatten. In Manbidsch hatten die USA einen Stützpunkt. US-Präsident Donald Trump hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Truppen aus Syrien abzuziehen.

Die Entwicklung zeigt, wie sich die Allianzen in Syrien nun neu sortieren. Die mit dem US-Militär verbündeten Kurden-Milizen fühlen sich im Stich gelassen und suchen neue Verbündete. Syriens Machthaber Baschar al-Assad weitet sein Einflussgebiet weiter aus und bekommt auch von arabischen Staaten, die zu seinen Gegnern zählten, wieder Zuspruch. Die ersten beiden arabischen Golfstaaten - Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) - öffnen wieder ihre Botschaften in Damaskus. Die arabischen Golfstaaten wollen nach dem US-Abzug vor allem den Einfluss des Irans in Syrien eindämmen.

Über dieses Thema berichtete am 28. Dezember 2018 Deutschlandfunk um 12:11 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag" und NDR Info um 16:45 Uhr in den Nachrichten.

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