Einer der Anschlagsorte in Al-Suwaida, Syrien | Bildquelle: AP

Attacken in Suweida Bis zu 220 Tote nach IS-Anschlagsserie

Stand: 25.07.2018 20:55 Uhr

Es war einer der verheerendsten Tage seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs. Mit einer Serie von Angriffen und Anschlägen tötete der IS bis zu 220 Menschen. Regierungstruppen schlugen zurück.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat mit einer Serie von Anschlägen und Angriffen auf Regierungstruppen im Südwesten Syriens zahlreiche Menschen getötet. Je nach Quelle unterscheiden sich die Opferzahlen - die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London berichtet von bis zu 220 Todesopfern. Ihr zufolge sprengten sich allein in der Stadt Suweida vier Attentäter in die Luft, später hätten weitere Selbstmordattentäter und Kämpfer Dörfer nördlich und östlich der Provinzhauptstadt gestürmt.

Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar. Allerdings reklamierte auch der IS die Anschlags- und Angriffsserie für sich und sprach von mehr als 100 Getöteten in Suweida. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Armee habe den Angriff zurückgeschlagen. Sie sprach von zahlreichen Toten und Verletzten, nannte aber keine Zahlen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Teilweise widersprüchliche Angaben

Was in Suweida genau geschah, lässt sich allerdings aufgrund der teilweise widersprüchlichen Darstellungen nicht mit Gewissheit sagen. Der IS teilte mit, "Soldaten des Kaliphats" hätten in Suweida Kontrollposten und Gebäude der Regierung angegriffen und ihre Sprengstoffgürtel gezündet. Der regierungstreue Fernsehsender Al-Ichbarija zeigte Bilder von mehreren Anschlagszielen in der von Drusen bewohnten Provinz, darunter ein Gemüsemarkt und ein belebter Platz in Suweida.

Sana berichtete wiederum, ein Attentäter habe sich auf einem Markt in die Luft gesprengt. Sicherheitskräfte hätten zwei weitere Attentäter verfolgt und diese getötet, ehe sie ihre Sprengstoffgürtel gezündet hätten. Ein Anwohner sagte, unter den Menschen in Suweida herrsche Panik. Andere berichteten, Explosionen hätten das ganze Gebiet erschüttert. Suweidas Gouverneur Amir al-Ischi sagte dagegen, die Stadt sei "sicher und ruhig".

IS-Kämpfer seit Tagen Ziel von Luftangriffen

Die IS-Kämpfer in der Region westlich von Suweida sind seit Tagen das Ziel von heftigen Luftangriffen russischer und syrischer Kampfflugzeuge ausgesetzt. Die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad haben den IS in den vergangenen Monaten aus ihren Hochburgen im Osten des Landes vertrieben. Doch verfügt die Extremistengruppe weiter über Rückzugsgebiete in der Wüste, von wo sie immer wieder Anschläge auf die Regierungstruppen verübt.

In Suweida leben viele Angehörige der Religionsgemeinschaft der Drusen, die sich weitgehend aus dem Bürgerkrieg herausgehalten hat. Anschläge waren dort bisher eher selten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Juli 2018 um 17:30 Uhr.

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