Rauch steigt nach Beschuss der Ortschaft Barsamis in der syrischen Provinz Idlib auf. (4. Mai) | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Zivilisten bei Luftangriffen getötet

Stand: 05.05.2019 01:23 Uhr

Die von Rebellen kontrollierte syrische Provinz Idlib ist Ziel vieler Luftangriffe geworden. Mindestens sechs Zivilisten sollen getötet worden sein. Bei Artilleriebeschuss wurden zwei türkische Soldaten verletzt.

Syrische Regierungstruppen haben die Angriffe auf Ziele in der Provinz Idlib und angrenzende Gebieten im Nordwesten der Nachbarprovinz Hama erneut ausgeweitet. Dorthin haben sich die letzten Rebellen zurückgezogen. Nach Information der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es allein am Samstag 115 Luftangriffe, die sowohl von Flugzeugen der syrischen Armee als auch russischen Einheiten ausgeführt worden sein sollen. Mindestens sechs Zivilisten seien dabei getötet worden, darunter zwei Kinder.

Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der jüngsten Eskalation vor fünf Tagen stieg laut Beobachtungsstelle auf 69. Die oppositionelle Gruppe Syrische Zivilverteidigung sprach sogar von 22 getöteten Zivilisten und mehr als 60 Verwundeten seit Freitagabend.

Türkische Soldaten verletzt

Artilleriegranaten schlugen in der Nähe einer türkischen Stellung in Idlib ein. Zwei Soldaten wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara verletzt und zur Behandlung zurück in die Türkei gebracht. Das Ministerium machte die syrische Armee für den Beschuss verantwortlich.

Die türkischen Truppen überwachen einen Waffenstillstand, der mit Russland und der syrischen Regierung ausgehandelt wurde. Die Regierung in Ankara befürchtet eine Massenflucht von Zivilisten, sollte es eine groß angelegte Bodenoffensive auf Idlib geben.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Sorge um Zivilbevölkerung

Der seit September vergangenen Jahres brüchige Waffenstillstand wird immer fragiler. In den vergangenen Wochen lieferten sich syrische Regierungstruppen und Kämpfer der extremistischen Hajat Tahrir al-Scham (HTS) Gefechte, bei denen mehr als 20 Soldaten und Kämpfer getötet worden sein sollen. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, Stellungen der HTS seien das Ziel der Luftangriffe gewesen. Die HTS ist die stärkste und einflussreichste Organisation in Idlib. Sie steht mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida in Verbindung.

In der Region leben rund drei Millionen Menschen, etwa die Hälfte von ihnen sind Flüchtlinge. Hilfsorganisationen warnen im Fall einer Bodenoffensive vor einer humanitären Katastrophe.

Luftangriffe auf Idlib
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
05.05.2019 06:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Mai 2019 um 23:00 Uhr.

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