Untersuchungen der UN Setzten syrische Rebellen Giftgas ein?

Stand: 06.05.2013 11:46 Uhr

UN-Chefermittlerin del Ponte
galerie

Chefermittlerin del Ponte untersucht Kriegsverbrechen in Syrien.

Die Vereinten Nationen überprüfen Hinweise, wonach Rebellen in Syrien Giftgas eingesetzt haben könnten. "Nach den Aussagen, die wir gesammelt haben, haben die Rebellen Chemiewaffen eingesetzt und auf das Gas Sarin zurückgegriffen", sagte Carla del Ponte, Mitglied der UN-Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen in Syrien, im Schweizer Fernsehsender RSI.

Die Ermittlungen seien aber noch lange nicht abgeschlossen, betonte del Ponte. "Doch soweit wir das feststellen konnten, haben bisher nur die Widersacher des Regimes Sarin eingesetzt." Ob auch Assad-Truppen zu Giftgas greifen, müssten weitere Ermittlungen ergeben.

US-Regierung überprüft Hinweise

Rebellengruppen und die syrische Regierung werfen sich gegenseitig vor, Chemiewaffen einzusetzen. Doch bislang wurde öffentlich nur das Assad-Regime verdächtigt. Zuletzt bestätigte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel, die US-Geheimdienste überprüften entsprechende Hinweise.

US-Präsident Barack Obama mahnt bislang zur Besonnenheit. In der Vergangenheit hatte er gesagt, ein Einsatz von Chemiewaffen sei eine "rote Linie", bei deren Überschreitung eine Intervention möglich sei. Die russische Regierung warnte am Wochenende, die Informationen dürften nicht als Vorwand für eine Intervention in Syrien genutzt werden.

Stichwort: Sarin

Das Nervengas Sarin zählt zu den giftigsten Kampfstoffen, die je hergestellt wurden. Die geruchlose Phosphorverbindung wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen. Schon ein Milligramm kann in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen.

Sarin wurde Ende der 1930er-Jahre von deutschen Chemikern als Insektenvernichtungsmittel entwickelt und im Zweiten Weltkrieg als Kampfstoff produziert, aber nicht eingesetzt. Heute verfügen die Streitkräfte vieler Länder über Sarin. Das Institut für Strategische Studien in London geht davon aus, dass Syrien seit den 1970er-Jahren große Mengen Chemiewaffen produziert hat, darunter auch Sarin.

Bereits 1995 war Sarin bei einem Anschlag eingesetzt worden. Die Aum-Sekte tötete damals mit dem Gas in Tokios U-Bahn zwölf Menschen, Tausende wurden verletzt.

Darstellung: