Syrien Giftgas Duma | Bildquelle: dpa

USA prüfen Hinweise Erneut Giftgas-Angriff in Syrien?

Stand: 22.05.2019 13:30 Uhr

Bei einer Offensive gegen Regimegegner in Idlib könnte die syrische Armee laut US-Außenministerium Chemiewaffen eingesetzt haben. Russland beschuldigt Milizen. Syrische Aktivisten sehen keine Beweise für einen erneuten Angriff.

Das US-Außenministerium prüft nach eigenen Angaben Hinweise auf einen möglichen Chemiewaffeneinsatz der syrischen Führung vor wenigen Tagen. Es gebe Anzeichen, dass die Kräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bei einer Attacke am vergangenen Sonntag im Nordwesten des Landes Chemiewaffen eingesetzt hätten.

"Wir sammeln noch Informationen zu diesem Vorfall, aber wir wiederholen unsere Warnung, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten schnell und in angemessener Weise reagieren werden, falls das Assad-Regime Chemiewaffen benutzt", erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Morgan Ortagus.

Russland beschuldigt Milizen

Das russische Militär dagegen beschuldigte Milizen, für einen Angriff auf die syrische Regierung in Nordwestsyrien verantwortlich zu sein. Gefangene Milizionäre, die mit der Terrormiliz Al-Kaida verbunden seien, hätten von dem Plan berichtet, Chemiewaffenangriffe zu fingieren und die syrische Regierung dafür verantwortlich zu machen, wie der russische Generalmajor Viktor Kuptschischin sagte.

Ortagus warf Russland - dem Hauptverbündeten Assads - eine "Desinformationskampagne" vor. Die syrische Führung und Russland würden andere Gruppen fälschlicherweise des Einsatzes von Chemiewaffen zu bezichtigen. Es sei "nicht zu leugnen", dass "das Assad-Regime Schuld an schrecklichen Chemiewaffen-Attacken trägt".

Syrische Aktivisten haben keine Hinweise

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat nach eigenen Angaben keinerlei Hinweise auf einen neuen Chemiewaffen-Angriff der Regierungstruppen. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdul Rahman, sagte, eine unabhängige Bestätigung für den Vorfall sei fast unmöglich, da sich zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Attacke nur Dschihadisten in der Region aufgehalten hätten. Es seien keine Zivilisten in der Gegend gewesen. Auch ein Sprecher der syrischen Rettungskräfte Weißhelme sagte, es gebe keine Bestätigung für einen neuen Giftgasangriff.

Die Gesundheitsbehörde in der Provinz Idlib teilte wiederum mit, ein Krankenhaus habe am Sonntag vier Menschen behandelt, die an der Front Giftgas ausgesetzt gewesen seien. Das medizinische Personal habe einen Geruch wahrgenommen, der Chlorgas geähnelt habe.

Immer wieder Berichte über Chemiewaffen-Einsätze

In Syrien gibt es immer wieder Berichte über mutmaßliche Giftgasangriffe, bei denen häufig auch Zivilisten sterben. Anfang vergangenen Jahres hatte ein Bericht des UN-Hochkommissars für Menschenrechte 34 solcher Angriffe im Syrien-Krieg aufgelistet, die eindeutig nachweisbar seien. Auch die UN-Institution machte die Assad-Regierung für den Großteil der Angriffe verantwortlich. Assads Führung weist solche Vorwürfe regelmäßig zurück. Seit einem Abkommen von 2013 verfüge Damaskus über keine Chemiewaffen mehr.

US-Präsident Donald Trump und seine Regierung hatten Assad in der Vergangenheit bereits mehrfach für den Fall eines Einsatzes von Chemiewaffen mit schwerwiegenden Konsequenzen gedroht.

Obama warnte mit "roter Linie"

Trumps Vorgänger Barack Obama hatte 2012 Syriens Regierung vor dem Einsatz von Giftgas gewarnt. Damit, sagte er damals, wäre die "rote Linie" überschritten - sollte heißen: In diesem Fall bliebe Amerika nichts anderes übrig, als militärisch einzugreifen. Doch als Assad dann Giftgas einsetzen ließ, nahm Obama von seiner ultimativen Drohung Abstand. Stattdessen ließ er sich auf einen Kompromiss mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein, die syrischen Vorräte an Giftgas außer Landes zu bringen und unschädlich zu machen.

Neuer Chemiewaffen-Einsatz in Syrien? – USA warnen das Assad-Regime
Jan Bösche, ARD Washington
22.05.2019 06:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Mai 2019 um 06:27 Uhr.

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