Syrische Truppen beim Vorstoß auf Ost-Ghouta. | Bildquelle: AFP

Syrien USA verurteilen Angriffe auf Ost-Ghouta

Stand: 05.03.2018 04:00 Uhr

Die amerikanische Regierung hat die Angriffe auf die Rebellenenklave Ost-Ghouta scharf verurteilt. Auch kritisierte sie das Verhalten Russlands. Syrische Regierungstruppen rücken derweil weiter vor.

Die US-Regierung hat die Offensive der syrischen Regierungstruppen auf die Rebellenenklave Ost-Ghouta mit scharfen Worten kritisiert. Das Weiße Haus erklärte, die USA verurteilten "die fortdauernde Militäroffensive", die der syrische Machthaber Bashar al-Assad "mit Unterstützung von Russland und dem Iran gegen die Bevölkerung in Ost-Ghouta verübt."

Washington warf zudem der Regierung in Moskau vor, die vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Resolution zu missachten, die eine einmonatige Waffenruhe für Ost-Ghouta fordert.

"Dies ist dieselbe Kombination von Lügen und rücksichtsloser Gewalt, die Russland und das syrische Regime genutzt haben, um Aleppo 2016 zu isolieren und zerstören, als Tausende Zivilisten getötet wurden", erklärte das Weiße Haus.

Syrische Truppen rücken weiter vor

Ungeachtet der internationalen Forderungen nach einer Waffenruhe rückten syrische Regierungstruppen und verbündete Kämpfer weiter auf das von Rebellen gehaltene Gebiet Ost-Ghouta vor. Das melden syrische Staatsmedien und Aktivisten.

Ein von den "Weißhelmen" und der Agentur AP verifiziertes Bild zeigt die Helfer und Zivilisten bei dem Versuch, Menschen aus Trümmern zu bergen. | Bildquelle: AP
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Ein von den "Weißhelmen" und der Agentur AP verifiziertes Bild zeigt die Helfer und Zivilisten bei dem Versuch, Menschen aus Trümmern zu bergen.

Der staatliche Fernsehsender "Al Ichbarijah" berichtete, die Truppen hätten unterstützt von Geschützfeuer und Luftangriffen einen Graben überquert und ein etwa zwölf Quadratkilometer großes Gebiet besetzt. Der Vorstoß sei eine Reaktion auf den Beschuss von Damaskus und anderen Regierungsgebieten.

Nach Angaben von Aktivisten stehen rund zehn Prozent der belagerten Region östlich von Damaskus unter Kontrolle der Armee. Die Rebellen erklärten, sie hätten einen Gegenangriff gestartet und Kämpfer hinter die feindlichen Linien entsandt.

Rebellen melden Erfolge

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, die Aufständischen hätten mindestens eine Stadt zurückerobert. Eine unabhängige Bestätigung gibt es dafür nicht - Zivilisten suchten vor den Soldaten in unterirdischen Verstecken Zuflucht. Die Region Ost-Ghouta hat etwa 400.000 Einwohner. In den vergangenen zwei Wochen wurden mehr als 600 Menschen getötet.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Fluchtkorridore kaum genutzt

Seit Mitte Februar fliegen syrische Regierungstruppen mit russischer Unterstützung heftige Luftangriffe auf die Enklave Ost-Ghouta, wo sich Rebellen seit Jahren gegen die Armee behaupten.

Vor einigen Tagen begannen die Truppen eine Bodenoffensive gegen die Rebellen. Die Armee setzte ihren Vormarsch fort, obwohl der UN-Sicherheitsrat eine Waffenruhe fordert und Russland eine tägliche Feuerpause von fünf Stunden verkündet hat.

Zwar richteten die Regierungstruppen und die russischen Alliierten einen Korridor ein, durch den Zivilisten das Gebiet verlassen können. Doch nur wenige Menschen nutzen die Möglichkeit. Russland wirft den Rebellen vor, die Zivilisten an der Flucht zu hindern. Die Rebellen wiederum beschreiben den Korridor als einen Versuch, die Bewohner zu vertreiben. Die Vereinten Nationen fordern, die für täglich fünf Stunden vereinbarte Waffenruhe zu verlängern und auf ganz Syrien auszudehnen.

"Verantwortung bei Syrien und Russland"

Bereits vor der erneuten Stellungnahme des Weißen Hauses hatte US-Präsident Donald Trump Syrien und Russland kritisiert. Nach einem Gespräch mit der britischen Premierministerin Theresa May zeigten beide Regierungschefs sich einig, dass Damaskus und Moskau für die humanitäre Lage in Ost-Ghouta verantwortlich sind, erklärte die Regierung in London.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief seinen iranischen Kollegen Hassan Ruhani auf, den "nötigen Druck" auf Assad auszuüben, um die "rücksichtslosen" Angriffe auf Zivilisten in Ost-Ghouta zu beenden.

In seinem Telefonat mit Ruhani habe Macron betont, dass der Iran als Verbündeter der Regierung in Damaskus eine "besondere Verantwortung" trage und dabei helfen müsse, die UN-Resolution für eine Waffenruhe und humanitäre Hilfslieferungen umzusetzen, teilte der Elysée-Palast mit.

Syriens Präsident Assad kündigte an, die Militär-Offensive fortzusetzen. Allerdings werde es parallel dazu Zivilisten möglich sein, die von Aufständischen gehaltene Region zu verlassen, sagte Assad im Fernsehen. Er verwies auf die von Russland ausgerufene Waffenruhe. "Es gibt keinen Widerspruch zwischen einer Waffenruhe und Kampfeinsätzen", sagte Assad.

Über dieses Thema berichteten am 02. März 2018 die tagesschau um 20:00 Uhr und am 04. März 2018 Deutschlandfunk um 16:00 Uhr in den Nachrichten.

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