Rauch über der Stadt Hamouria in der Region Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP

Syrien Truppen rücken auf Ost-Ghouta vor

Stand: 04.03.2018 20:43 Uhr

Trotz der Forderung des UN-Sicherheitsrats nach einer Waffenruhe gehen die Kämpfe in Syrien weiter. Regierungstreue Kräfte rückten in Dörfer der von Rebellen gehaltenen Provinz Ost-Ghouta vor.

Syrische Regierungstruppen und verbündete Kämpfer haben bei ihrer Offensive auf das von Rebellen gehaltene Gebiet Ost-Ghouta Geländegewinne erzielt. Das melden syrische Staatsmedien und Aktivisten.

Die Armee habe mehrere Bezirke erobert und rücke "an mehreren Fronten" auf die Rebellenenklave vor, so die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf einen Informanten im Militär. In anderen Medienberichten war von sechs Dörfern und Städten die Rede am Rande von Ost-Ghouta die Rede.

Der staatliche Fernsehsender "Al Ichbarijah" berichtete, die Truppen hätten unterstützt von Geschützfeuer und Luftangriffen einen Graben überquert und ein etwa zwölf Quadratkilometer großes Gebiet besetzt. Der Vorstoß sei eine Reaktion auf den Beschuss von Damaskus und anderen Regierungsgebieten.

Nach Angaben von Aktivisten stehen rund zehn Prozent der belagerten Region östlich von Damaskus unter Kontrolle der Armee.

Zivilisten harren in Kellern aus

Die Rebellen erklärten, sie hätten einen Gegenangriff gestartet und Kämpfer hinter die feindlichen Linien entsandt.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, die Aufständischen hätten mindestens eine Stadt zurückerobert. Zivilisten suchten vor den Soldaten in unterirdischen Verstecken Zuflucht. Die Region Ost-Ghouta hat etwa 400.000 Einwohner. In den vergangenen zwei Wochen wurden mehr als 600 Menschen getötet.

Ein von den "Weißhelmen" und der Agentur AP verifiziertes Bild zeigt die Helfer und Zivilisten bei dem Versuch, Menschen aus Trümmern zu bergen. | Bildquelle: AP
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Ein von den "Weißhelmen" und der Agentur AP verifiziertes Bild zeigt die Helfer und Zivilisten bei dem Versuch, Menschen aus Trümmern zu bergen.

Fluchtkorridore kaum genutzt

Seit Mitte Februar fliegen syrische Regierungstruppen mit russischer Unterstützung heftige Luftangriffe auf die Enklave Ost-Ghuta, wo sich Rebellen seit Jahren gegen die Armee behaupten.

Vor einigen Tagen begannen die Truppen eine Bodenoffensive gegen die Rebellen. Die Armee setzte ihren Vormarsch fort, obwohl der UN-Sicherheitsrat eine Waffenruhe fordert und Russland eine tägliche Feuerpause von fünf Stunden verkündet hat.

Ziel der Regierungskräfte ist es offenbar, den im Norden gelegenen Hauptort Duma vom Rest der Region abzuschneiden und das Gebiet von Al-Mardsch im Südosten zu isolieren.

Zwar richteten die Regierungstruppen und die russischen Alliierten einen Korridor ein, durch den Zivilisten das Gebiet verlassen können. Doch nur wenige Menschen nutzen die Möglichkeit. Russland wirft den Rebellen vor, die Zivilisten an der Flucht zu hindern. Die Rebellen wiederum beschreiben den Korridor als einen Versuch, die Bewohner zu vertreiben. Die Vereinten Nationen fordern, die für täglich fünf Stunden vereinbarte Waffenruhe zu verlängern und auf ganz Syrien auszudehnen.

"Verantwortung bei Syrien und Russland"

Die britische Premierministerin Theresa May und US-Präsident Donald Trump sind sich einig, dass Syrien und Russland für die humanitäre in Ost-Ghouta verantwortlich sind, erklärte die Regierung in London nach einem Telefonat der beiden Politiker.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief seinen iranischen Kollegen Hassan Ruhani auf, den "nötigen Druck" auf Assad auszuüben, um die "rücksichtslosen" Angriffe auf Zivilisten in Ost-Ghuta zu beenden.

In seinem Telefonat mit Ruhani habe Macron betont, dass der Iran als Verbündeter der Regierung in Damaskus eine "besondere Verantwortung" trage und dabei helfen müsse, die UN-Resolution für eine Waffenruhe und humanitäre Hilfslieferungen umzusetzen, teilte der Elysée-Palast mit.

Syriens Präsident Assad kündigte an, die Militär-Offensive fortzusetzen. Allerdings werde es parallel dazu Zivilisten möglich sein, die von Aufständischen gehaltene Region zu verlassen, sagte Assad im Fernsehen. Er verwies auf die von Russland ausgerufene Waffenruhe. "Es gibt keinen Widerspruch zwischen einer Waffenruhe und Kampfeinsätzen", sagte Assad.

Über dieses Thema berichteten am 02. März 2018 die tagesschau um 20:00 Uhr und am 04. März 2018 Deutschlandfunk um 16:00 Uhr in den Nachrichten.

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