Leben in zerstörten Straßen in Duma | Bildquelle: SWR

Nach Kriegsjahren in Duma "Es wird noch besser - dank Assad"

Stand: 14.03.2019 00:42 Uhr

Nach Jahren der Bombardements und vermutlich einem Giftgasangriff ist die syrische Stadt Duma wieder unter Regierungskontrolle. Auch wenn Aufbau-Hilfe fehlt - die Bewohner holen sich Stück für Stück ihr Leben zurück.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Der Lärm aus der Schmiede dringt bis auf die Straße. Yassin und seine Brüder haben das Rollgitter hochgezogen; ihre Werkstatt grenzt an den Bürgersteig und gleicht einer Garage. An der Wand lehnen Spaten; ein paar Hämmer und Äxte hängen von der niedrigen Decke. Yassin und die anderen arbeiten an Schleifstein und Amboss. Das Geschäft laufe gut, sagt der Schmied, und fügt hinzu: Besser könne es kaum sein. "Wir haben alles, und Schritt für Schritt wird es noch besser. Jetzt haben wir wieder regelmäßig Strom."

Schmied in Duma | Bildquelle: SWR
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Der Schmied Yassin in seiner Werkstatt in Duma.

Regelmäßig Strom - für die Menschen in Duma ist allein das viel wert. Die Stadt, etwa 15 Kilometer östlich von Damaskus gelegen, ist komplett zerstört. Jahrelang lieferten sich hier bewaffnete Aufständische und Regierungstruppen heftige Gefechte. Tausende Menschen flohen aus der Stadt, viele kamen ums Leben. Seit April 2018 kontrolliert die syrische Armee Duma.

Die Bauern können wieder ernten

Kaum ein Haus ist noch intakt. Wo früher Fenster waren, klaffen riesige Lücken. Hauswände sind eingerissen, ganze Etagendecken hängen herab. Aber dort, wo wenigstens ein Erdgeschoss noch heil blieb, haben sich Händler niedergelassen. Einer verkauft Mandarinen und Kohl, ein anderer Minze und Thymian - frische Ernte aus der Umgebung.

"Während der Krise gab es gar keine Arbeit", erzählt Yassin, der Schmied, über die lange Zeit von Belagerung und Kämpfen. "Wir arbeiten mit den Bauern zusammen. In der Krise gab es nichts, aber jetzt bewirtschaften sie ihre Ackerstücke wieder."

Leben in zerstörten Straßen in Duma | Bildquelle: SWR
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Die Spuren des Kriegs sind quasi überall in Duma zu sehen.

Eine Kundin, von Kopf bis Fuß verschleiert, kauft bei Yassin einen neuen Hammer. Es gibt viel zu tun für die, die in Duma geblieben sind. Die Straßen sind voller Schlaglöcher, die Bürgersteige kaputt, es riecht nach verbranntem Diesel. Ein paar Soldaten haben sich ein kleines Feuer unter einem Wellblechdach gemacht. Die Häusergerippe am Straßenrand lassen erahnen, wie schön Duma früher einmal gewesen sein muss. Wer etwas wieder aufbauen will, muss selbst Hand anlegen. Dem syrischen Staat mangelt es an Geld. Seine Verbündeten Russland und Iran halten sich mit Aufbau-Hilfe zurück, der Westen ohnehin - aus politischen Gründen.

Syrische Armee befreite Duma von Islamisten

Am Rande der Stadt hat vor kurzem ein Café eröffnet: ein großes Plastikzelt mit ein paar Heizstrahlern, Tischen und Stühlen. Drei junge Paare haben sich in den Familienbereich zurückgezogen, rauchen Wasserpfeife, flüstern leise.

Sie hätten in den vergangenen acht Jahren viel durchmachen müssen, erzählt einer von ihnen, der 22-jährige Qais. "Es war katastrophal. Aber nun, Gott sei Dank und Dank der syrischen Armee ist alles in Duma wieder so wie vorher. Und es wird noch viel, viel besser werden, so lange Bashar Al-Assad an der Spitze dieses Landes ist."

Qais sagt das, während ihn ein Mann vom Informationsministerium und weitere fünf Soldaten beim Interview beobachten. Qais Freundin Marwa ist froh darüber, dass in Duma nicht länger islamistische Extremisten das Sagen haben. Das Leben sei schöner geworden, sagt sie. "Wir haben alles. Es gibt wieder mehr Arbeitsmöglichkeiten - auch für mich als Frau. Ich kann wieder arbeiten, rausgehen oder sogar mein Studium beenden. Unter den Extremisten war es unmöglich, dass wir als Frauen irgendetwas machen."

Marwa wünscht sich, bald einen Job zu finden, um ihre Familie zu unterstützen, denn auch ihr Vater ist seit Jahren arbeitslos. Nur mit Hilfe von Freunden und Verwandten können sie sich über Wasser halten.

Pizzabäckerei in Duma | Bildquelle: SWR
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Ahmed und seine Kollegen arbeiten täglich acht bis zehn Stunden in der Pizzabäckerei

Lebensmittelversorgung wieder gewährleistet

In einem kleinen Geschäft an der Hauptstraße herrscht reger Betrieb. Ahmed macht keine Pause. Während er spricht, muss er zusehen, dass die frisch gebackenen Teigtaschen und Mini-Pizzen schnell verpackt und verkauft werden. Seit vier Jahren arbeitet der junge Familienvater in der Bäckerei. Früher sei es sehr schwierig gewesen mit der Arbeit, wegen des Krieges und wegen des Beschusses, sagt er. Außerdem habe es kaum Lebensmittel wie Mehl gegeben. "Auch andere Zutaten wie Fleisch und Käse fehlten, womit wir unser Geschäft machen. Jetzt ist es besser: Die Zutaten, die wir brauchen, sind nun gesichert."

Um die Ausgaben für seine Frau, seine drei kleinen Kinder und sich selbst zu decken, braucht Ahmed umgerechnet sechs Dollar pro Tag. Dafür arbeitet er jeden Tag acht bis zehn Stunden.

Leben in Trümmern - Wie Syrer in Duma ihren Alltag meistern
Anne Allmeling, ARD Kairo
14.03.2019 07:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 13. März 2019 um 18:30 Uhr.

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