Syrische Aufständische in der Provinz Daraa | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Luftangriffe - USA halten sich raus

Stand: 24.06.2018 18:47 Uhr

Mit Unterstützung der russischen Luftwaffe soll die syrische Regierung die Provinz Daraa angegriffen haben. Sie wird von Rebellen gehalten. Die USA kündigten an, in den Konflikt nicht eingreifen zu wollen.

Russlands Luftwaffe hat nach Angaben von Aktivisten erstmals seit rund einem Jahr die syrische Provinz Daraa bombardiert. Daraa liegt im Süden des Landes und wird größtenteils von Aufständischen kontrolliert und gehört zu einer der Deeskalationszonen.

Russische Flugzeuge hätten seit Samstagabend fast 70 Angriffe geflogen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Fünf Zivilisten seien getötet worden. Auch eine Klinik sei wegen der großen Schäden nun außer Betrieb. Es soll sich um die ersten russischen Angriffe in der Gegend seit knapp einem Jahr handeln.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Syriens Luftwaffe habe zudem fast 20 Fassbomben abgeworfen, erklärten die Menschenrechtsbeobachter weiter. Dabei handelt es sich um eine international geächtete Waffe. Die Bombardierung unterstütze den Angriff der Regierung auf Rebellen, darunter auch islamistische Gruppen. Es gebe heftige Kämpfe.

Karte: Syrien mit Provinz Daraa
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In der Rebellenhochburg Daraa im Südwesten Syriens nahm der syrische Bürgerkrieg 2011 seinen Anfang.

Die USA wollen militärisch nicht eingreifen

Der Nachrichtenagentur Reuters liegt eine Botschaft der US-Regierung an die Führung der Freien Syrischen Armee vor. Darin heißt es, die Aufständischen im Süden Syriens sollten nicht damit rechnen, dass sie Unterstützung vom US-Militär erhalten.

Die USA hatten zuvor Syriens Präsident Bashar al-Assad sowie Russland vor Angriffen in der Gegend gewarnt und "entschlossene Gegenmaßnahmen" angedroht. Die Aufständischen hofften deshalb offenbar, die USA würden militärisch eingreifen.

Kampfhubschrauber warfen Flugblätter ab

Augenzeugen berichten, dass syrische Kampfhubschrauber in den vergangenen Tagen Flugblätter abgeworfen hätten, in denen die Zivilisten vor bevorstehenden Angriffen gewarnt wurden. Das Gebiet im Süden ist neben der Region um Idlib im Nordwesten eines von zwei größeren Gebieten in Syrien, die noch von Aufständischen beherrscht werden.

Die syrische Armee verstärkte jüngst ihre Truppen im Süden und drohte mit einer Offensive auf die Gebiete der Regimegegner für den Fall, dass die Verhandlungen scheitern. Das Assad-Regime verhandelt derzeit über seinen Verbündeten Russland mit den Aufständischen, um sie zur Aufgabe ihrer Gebiete im Süden zu bewegen. Die Vereinten Nationen befürchten, dass die Kämpfe in dem Landesteil 750.000 Zivilisten gefährden könnten.

Mit Informationen von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Russland bombardiert Süden Syriens - keine USA-Unterstützung für Aufständische
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
24.06.2018 20:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Juni 2018 um 18:23 Uhr.

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