Soldaten der Freien Syrischen Armee an einem Checkpoint in Afrin | Bildquelle: AFP

Nach Eroberung der Stadt Türkei will nicht lange in Afrin bleiben

Stand: 19.03.2018 12:50 Uhr

Nach der Eroberung der Stadt Afrin durch türkische Truppen erheben kurdische Vertreter schwere Vorwürfe. Die Zivilbevölkerung werde bedroht, viele Geflüchtete seien obdachlos. Die Türkei versprach, sich bald zurückzuziehen.

Die Stadt Afrin im türkisch-syrischen Grenzgebiet befindet sich seit dem Wochenende unter der Kontrolle türkisch-syrischer Einheiten, doch die Lage dort bleibt unübersichtlich.

Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bekir Bozdag kündigte an, die Einheiten seines Landes würden in Afrin nicht bleiben, sondern die Region "den wahren Besitzern" zurückgeben. Wann genau der Rückzug erfolgen solle und wem die Stadt übergeben werde, wurde nicht berichtet.

Die Sicherheitslage habe sich durch die Eroberung der Stadt deutlich verbessert, sagte Bozdag. Den türkischen Einheiten seien Waffen in die Hände gefallen, die die kurdischen YPG-Kämpfer von den USA erhalten hätten. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete wiederum von einem Bombenanschlag in der Stadt, bei dem sieben Zivilisten und vier Mitglieder der von der Türkei unterstützten Rebellengruppe Freie Syrische Armee getötet worden seien.

Plünderungen in Afrin nach der Eroberung der Stadt durch türkische Truppen und arabische Milizen | Bildquelle: AFP
galerie

Die kurdischen Einheiten sind aus Afrin vertrieben - nach ihrer Niederlage kam es zu Plünderungen.

Sorge um die Zivilbevölkerung

Ein kurdischer Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Bevölkerung werde durch die von der Türkei gestützten Kämpfer bedroht. Worauf diese Drohungen abzielen sollen, ist bislang unklar.

Reuters zitiert den Mann weiter mit der Aussage, aus der Region seien rund 200.000 Menschen geflohen, die nun ohne Obdach sowie ohne Zugang zu Wasser und Nahrung seien. Viele würden in ihren Autos oder unter Bäumen schlafen. Die Aussagen können von unabhängigen Quellen nicht überprüft werden.

Das Internationale Rote Kreuz (IRK) forderte einen ungehinderten Zugang zu Flüchtlingen. Das IRK müsse in Afrin arbeiten können, erklärte dessen Präsident Peter Maurer.

Die Hauptstadt Afrin der gleichnamigen Region war am Sonntag von der türkischen Armee und verbündeten arabischen Milizen eingenommen worden. Nach der Eroberung kam es zu Plünderungen in der Stadt.

Viele Flüchtlinge auch in Ost-Ghouta

Auch in der umkämpften Region Ost-Ghouta sind weiterhin Tausende Menschen auf der Flucht. Allein an diesem Vormittag hätten rund 6000 Menschen die Region verlassen, meldeten mehrere russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium des Landes.

Gestern hatte der syrische Präsident Baschar al Assad die syrischen Regierungstruppen in der Gegend besucht. Auf der Facebook-Seite des Präsidenten veröffentlichte Fotos zeigten Assad, wie er vor einem Panzer stehend mit Soldaten spricht. Der Besuch soll möglicherweise auch demonstrieren, dass die syrischen Einheiten die Rebellen in Ost-Ghouta immer weiter zurückdrängen.

Ost-Ghouta grenzt an die Hauptstadt Damaskus und ist seit 2013 unter Kontrolle von Aufständischen. Assads Regierung startete vor einem Monat eine Großoffensive, um das Gebiet zurückzuerobern. Die Soldaten sind seitdem tief in das Rebellengebiet eingedrungen, was viele Zivilisten zur Flucht trieb.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. März 2018 um 12:00 Uhr.

Darstellung: