AfD-Politiker Christian Blex und der syrische Großmufti Hassun am 05.03.2018 | Bildquelle: AFP

Reaktionen auf AfD-Reise nach Syrien "Augen vor dem Leid verschlossen"

Stand: 10.03.2018 16:00 Uhr

Die Syrienreise von AfD-Politikern entrüstet - auch die Menschen in Syrien. Dass die AfDler dem Assad-Regime sogar glauben, Damaskus sei so sicher wie Berlin, macht sie fassungslos.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

Sich "ein Bild der Lage" vor Ort zu machen. Das war das erklärte Ziel der Reise von Bundestagsabgeordneten und Landespolitikern der AfD in Syrien. Um die Situation in den "von Terroristen befreiten Gebieten" zu verstehen, trafen sie sich mit Vertretern der Regierung Assad wie dem "Minister für nationale Versöhnung" und dem Großmufti Ahmed Hassun, den der Nahost-Analyst Hisham Hellyer als Sprachrohr von Präsident Baschar al-Assad einordnet.

AfD-Politiker Christian Blex und Boutros Marjani | Bildquelle: YOUSSEF BADAWI/EPA-EFE/REX/Shutt
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AfD-Politiker Christian Blex mit einer Delegation syrischer Parlamentarier in Damaskus.

Ein anderes Bild hätte sich vermutlich ergeben, wenn sie mit Menschen in den Rebellengebieten gesprochen hätten, die seit Monaten unter Beschuss der syrischen und russischen Luftwaffe stehen. Syrer, die in Ost-Ghouta, Idlib, Azaz leben und nicht den überwiegend islamistischen Rebellengruppen angehören, übten gegenüber dem ARD-Studio Kairo scharfe Kritik an dem Besuch der deutschen Politiker.

"Keiner, der seine Familie verloren hat, wird sie respektieren"

Wael Alhomsy aus Ost-Ghouta hat seine Frau nach einem Bombenangriff verloren. Sein Haus ist zerstört. Seine beiden Kinder konnte er aus den Trümmern retten, wie er erzählt. An die Adresse der AfD-Politiker fragt er: "Haben Sie nicht gesehen, dass hier jeden Tag Frauen und Kinder getötet werden, dass Kriegsverbrechen begangen wurden, es Hunderte von Massakern in Ost-Ghouta gab? Ich frage mich, wie sie Assad unterstützen können, der international geächtete Chemiewaffen einsetzt?"

Mahmooud Hassano | Bildquelle: ARD-Studio Kairo
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Mahmud Hassano floh vor Bomben in Aleppo. Er lebt jetzt in Azaz.

Ahmad Alhila | Bildquelle: ARD-Studio Kairo
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Auch Ahmad Alhila lebt jetzt in Azaz, als Schriftsteller. Er floh aus Damaskus.

Alhomsy kann nicht verstehen, warum die AfD-Vertreter die Menschen in den Rebellengebieten nicht angehört und unterstützt haben. Er ist überzeugt: "Keiner, der seine Familie verloren hat oder schwer verletzt wurde, wird sie je respektieren."

"Nur Kinder, die ihr Zuhause verloren haben, sollten sprechen dürfen"

Mahmud Hassano floh einst vor den Bomben in Aleppo, lebt nun in Azaz im Nordwesten Syriens. Der Inhaber eines kleinen Geschäfts hätte sich gewünscht, dass die AfD-Delegation Menschen in Flüchtlingslagern besucht hätte, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. "Die einzigen, die das Recht haben, über Syrien zu sprechen, sind die Kinder, die ohne Decke in Zelten leben müssen, nachdem Assad ihr Zuhause zerstört hat", meint er. Millionen Syrer lehnten Assad ab, nun würden Politiker ihm den Hof machen, kritisiert Hassano. "Wer Vertreter des Regimes besucht, verschließt die Augen vor dem Leid der Bevölkerung.

Rückkehr von Flüchtlingen fördern? Grotesk!

Safwan Alyasin arbeitet als Krankenschwester. Sie floh aus Homs, lebt nun in Idlib im Norden Syriens. Das Anliegen der AfD-Politiker, die Rückkehr syrischer Flüchtlinge aus Deutschland nach Syrien zu fördern, hält sie für grotesk: "Diese Flüchtlinge leben nicht in Deutschland, weil es ihnen dort so gut gefällt, sondern weil sie vor den Verbrechen des Regimes geflohen sind. Erst wenn Assad nicht mehr im Amt ist, werden sie zurückkommen."

"Nicht gedacht, dass sie so naiv sind"

Ahmad Alhilal floh aus Aleppo und lebt nun in Azaz. Dort arbeitet er als Schriftsteller. Dass AfD-Politiker Damaskus für so sicher wie Berlin hielten, hält er für absurd: "Das straft doch die Propaganda des Assad-Regimes Lügen, die immer erzählt, Rebellen würden die Hauptstadt bombardieren. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so naiv sind." Die Flüchtlinge würden erst zurückkommen, wenn die Vereinten Nationen Syrien für sicher erklärten, nicht eine AfD-Delegation, ergänzt er. In der Tat beschießen Rebellen Wohnviertel der Hauptstadt seit Wochen mit Raketen. Dutzende Zivilisten sind dabei ums Leben gekommen.

Alhilal hofft, dass die Deutschen sich durch diesen Besuch und ihre Erklärungen nicht beeinflussen ließen. Schließlich ginge es den AfD-Abgeordneten nur um politische Spielchen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. März 2018 um 12:51 Uhr.

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