Soldaten gehen durch Manbidsch | Bildquelle: REUTERS

Syrien nach dem US-Abzug Moskau und Ankara wollen kooperieren

Stand: 29.12.2018 19:09 Uhr

Wie verschieben sich die Machtverhältnisse in Syrien nach dem Abzug der USA? Russland und die Türkei kündigten an, ihre Zusammenarbeit zu verstärken - auch wenn sie auf unterschiedlichen Seiten stehen.

Angesichts des geplanten Abzugs von US-Truppen aus Syrien haben Russland und die Türkei ihren künftigen Syrien-Einsatz abgestimmt. Beide Länder kündigten an, ihr Vorgehen in dem Bürgerkriegsland besser zu koordinieren. "Unter diesen neuen Bedingungen wollen wir an Land verstärkt zusammenarbeiten und so endgültig die terroristische Bedrohung bekämpfen", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Gespräch mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlut Cavusoglu in Moskau.

Man habe sich auf Schritte geeinigt, um alle Regionen Syriens von terroristischen Gruppen zu befreien, betonte Cavusoglu, ohne Details zu nennen. An dem Treffen nahmen auch die Verteidigungsminister beider Länder teil.

Gemeinsames Ziel sei eine Nachkriegslösung für Syrien. "Wir werden weiter alles tun, damit ein Verfassungskomitee gebildet wird", erklärte Lawrow. "Vor allem werden wir die Zusammenarbeit mit dem neuen Syrien-Beauftragten der Vereinten Nationen, Pedersen, vertiefen, der in den ersten Januarwochen sein Amt antritt."

Russland und die Türkei wollen ihre Syrien-Politik besser abstimmen
tagesthemen 23:25 Uhr, 29.12.2018, Demian von Osten, ARD Moskau

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Machtverhältnisse verschieben sich

Die US-Regierung hatte vergangene Woche überraschend den Abzug ihrer Truppen aus Syrien verkündet, da dort die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) weitgehend besiegt sei.

Durch den Abzug verschieben sich die Machtverhältnisse im Land. Russland und die Türkei spielen bei dem Konflikt eine wichtige Rolle: Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und hält auch Militärstützpunkte in dem Land. Die Türkei, die eigentlich auf der Seite der Rebellen steht, will auch gegen die Kurdenmiliz YPG vorgehen, die im Norden und Osten Syriens große Gebiete kontrolliert. Die Regierung in Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und stuft sie als Terrororganisation ein.

Den neu gewonnen Einfluss wollen Russland und die Türkei sichern. "Wir hoffen sehr, dass alle Seiten - vor allem unsere westlichen Kollegen, die die Bildung eines Verfassungskomitees so sehr gefordert haben - unsere weiteren Bemühungen nicht stören", sagte Lawrow.

Syrische Truppen in Manbidsch

Die Türkei hat eine Offensive gegen die kurdisch dominierten und von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte angekündigt, die fast ein Drittel Syriens unter ihrer Kontrolle haben. Am Freitag vermeldete das syrische Militär, in die bislang von Kurden gehaltene Stadt Manbidsch eingerückt zu sein.

Mit Informationen von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Dezember 2018 um 16:40 Uhr.

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