Ein Syrer raucht in seinem zerstörten Zimmer in Aleppo eine Pfeife . | Bildquelle: AFP

Sieben Jahre Syrien-Krieg Wie konnte es soweit kommen?

Stand: 15.03.2018 15:19 Uhr

Hunderttausende Tote, Millionen Vertriebene - sieben Jahre nach Beginn des Syrien-Krieges steht der Konflikt wie kaum ein anderer für das Scheitern der Weltgemeinschaft. Wie konnte es soweit kommen?

Eine Analyse von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

Sieben Jahre Krieg in Syrien und eine verheerende Bilanz: Mehr als 400.000 Menschen sind ums Leben gekommen. Sechs Millionen Menschen wurden im eigenen Land vertrieben, 13 Millionen sind auf Hilfe angewiesen. Nur jede zweite Klinik ist noch in Betrieb. 1,7 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule. Diese Zahlen der Vereinten Nationen lassen erschreckend viele kalt. Zu lange dauert der Krieg schon, zu kompliziert ist er geworden, zu hoffnungslos.

Alles beginnt 2011 mit friedlichen Protesten in Daraa. Bürger erheben sich gegen die Regierung, für Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit. Assad antwortet mit Panzern und Scharfschützen.

Die Lage in Syrien nach sieben Jahren Bürgerkrieg
tagesschau 20:00 Uhr, 15.03.2018, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Die Wende bringt Russland

Der Konflikt eskaliert überall im Land. Befeuert wird er mit dem Eingreifen regionaler Mächte wie dem Iran, Saudi-Arabien, Katar ab 2012. Die entscheidende Wende zugunsten Assads bringt 2015 das Eingreifen Russlands. In diesem Jahr eröffnet zudem die Türkei eine neue Front mit ihrer Militäroffensive auf die Kurdenmiliz YPG in Afrin. Längst geht es nicht mehr um Syrien. Das Land ist zum Spielball anderer Mächte geworden. Eben das macht jede politische Lösung unmöglich.

Prägend für den Syrien-Krieg ist der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran um die Vormacht in der Region. Teheran eilt Assad schon 2011 zu Hilfe, schickt Tausende Kämpfer zur Verstärkung der schwächelnden syrischen Bodentruppen, wird damit zu einem der wichtigsten Akteure im Land.

Syrische Truppen beim Vorstoß auf Ost-Ghouta. | Bildquelle: AFP
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Syrische Truppen beim Vorstoß auf Ost-Ghouta.

Irans Interessen

Dem Ziel, einen eigenen Korridor über den Irak, Syrien und den Libanon bis zum Mittelmeer zu schaffen, ist der Iran mittlerweile schon sehr nahe. Saudi-Arabien hält seit 2012 mit Waffenlieferungen an die Rebellen dagegen, darunter auch radikal-islamistische Gruppierungen. Syrien soll nach dem Sturz Assads aus dem Machtbereich des Erzfeindes Iran herausgelöst werden. Dieser Plan allerdings geht gründlich schief.

Irans Vormachtstreben wiederum ruft Israel auf den Plan, das deren Milizen vor der eigenen Haustür mit Luftschlägen in Schach halten will. Russland will mit seiner massiven Militärintervention der Region seinen Stempel aufdrücken, sich als Großmacht neu inszenieren.

Washington dagegen präsentiert sich im Syrienkrieg denkbar schwach. Der damalige US-Präsident Barack Obama setzt erst eine rote Linie für den Fall eines Giftgasangriffs, um sie nach einem eben solchen 2013 zu ignorieren. Im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) greifen die USA schließlich gemeinsam mit den Kurden, der Türkei, Russland und vielen weiteren Nationen machtvoll ein.

Das Standbild aus einem mit einer Drohne aufgenommenen Video zeigt beschädigte Gebäude in Rakka. | Bildquelle: dpa
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Beschädigte Gebäude in Rakka.

Geostrategische Gegensätze

Mit dem Sieg über die selbst erklärten Gotteskrieger aber kommt ihnen der gemeinsame Feind abhanden. Die geostrategischen Gegensätze treten seither wieder offen zutage. Während die Türkei die Kurdenmiliz YPG in Sorge um eine Autonomie im eigenen Land zerschlagen will, sieht der NATO-Partner USA in ihnen die wichtigsten Verbündeten.

Die Europäer spielen in dem Konflikt kaum eine Rolle. Ihr Augenmerk lag auf dem Kampf gegen den IS und einer Eindämmung der Flüchtlingskrise. Beides scheint halbwegs gelungen. Was bleibt, sind hilflose Floskeln und Appelle, auch aus Deutschland.

Lösung nicht in Sicht

Und so stehen die Zeichen auf Eskalation. Eine vielfach beschworene politische Lösung ist nicht in Sicht. Es droht gar eine Konfrontation der Großmächte mit unabsehbaren Folgen nicht nur für die Region. Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die letzten Rebellenhochburgen Ost-Ghouta und Idlib der Regierung Assad zufallen.

Der Preis dafür allerdings dürfte hoch sein: viele Tausend Tote, bittere Not und Leid, Kriegsverbrechen. Die Türkei könnte schon bald Afrin einnehmen und damit den Nordwesten Syriens unter ihre Kontrolle bringen.

Allerdings schafft sie sich damit womöglich vor der eigenen Haustür einen permanenten Unruheherd. Kurdische Milizen sind im Guerillakrieg erprobt. Die USA und Israel wiederum werden sich bemühen, den Einfluss des Iran einzudämmen. Ob das gelingt, ist fraglich. Kaum ein Konflikt steht damit so sehr für das Scheitern der Weltgemeinschaft und ihres Auftrags, Frieden zu schaffen und zu erhalten wie der in Syrien.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. März 2018 um 12:00 Uhr auf tagesschau24.

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