Eine Frau legt legt Blumen auf den Gehweg an der "Chabad of Poway"-Synagoge. | Bildquelle: David Maung/EPA-EFE/REX

Angriff in Kalifornien Eine Tote nach Schüssen in Synagoge

Stand: 28.04.2019 08:41 Uhr

Bei einer Schießerei in einer Synagoge nahe San Diego ist eine Frau getötet worden, drei Menschen wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter ist ein 19-jähriger Mann aus der Umgebung, der bislang polizeilich nicht aufgefallen war.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Weiß, männlich, Student, 19 Jahre alt, wohnhaft in San Diego - das ist bislang bekannt über den mutmaßlichen Angreifer der Synagoge von Poway. Poway ist ein kleines Städtchen nördlich von San Diego - ruhig, unauffällig. An diesem Samstag sind rund 100 Gläubige in den Chabad-Tempel gekommen, um den letzten Tag des Pessachfestes zu feiern. Doch die Feier endet für eine Frau tödlich, drei weitere Menschen, darunter der Rabbi, werden bei dem Angriff verletzt.

Sheriff Bill Gore | Bildquelle: David Maung/EPA-EFE/REX
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"Der Täter hatte offenbar Probleme mit seiner Waffe", so Sheriff William Gore.

"Gegen 11:23 Uhr betrat der Mann den Chabad-Tempel. Er trug ein Sturmgewehr bei sich und begann, um sich zu schießen. Er hatte aber offenbar Probleme mit seiner Waffe", so Sheriff William Gore vom San Diego Police Department. Anwohner Christopher Folts erzählte dem Sender CNN, er habe mehr als ein Dutzend Schüsse gehört.

19-Jähriger widerstandslos festgenommen 

"Zum Zeitpunkt der Schießerei hält sich auch ein außer Dienst befindlicher Grenzschützer in der Synagoge auf. Er schießt auf den Angreifer, als dieser flieht, trifft allerdings nur dessen Auto", berichtet Sheriff William Gore.

Kurze Zeit später wurde der 19-Jährige widerstandslos festgenommen. Er war zuvor polizeilich nicht aufgefallen. Der Bürgermeister von Poway, Steve Vaus, sagte wenige Stunden später: "Das ist nicht Poway. Unser Poway rückt zusammen, wie vor Kurzem bei einem religionsübergreifenden Fest. Wir umarmen einander - und das werden wir auch jetzt tun."

Nun überprüfen die Behörden ein im Internet veröffentlichtes Papier, das dem Festgenommenen zugeschrieben wird. Darin heißt es, dass Juden “nichts als die Hölle” verdienten. Und: “Ich werde sie dorthin schicken.” Der Verfasser nimmt auch Bezug auf den mutmaßlichen Attentäter von Christchurch, der für einen Anschlag auf zwei Moscheen mit 50 Todesopfern in Neuseeland verantwortlich sein soll. US-Präsident Donald Trump drückte den Opfern sein Mitgefühl aus und sprach von einem Hassverbrechen.

Immer mehr rassistische oder religiös motivierte Übergriffe

Die Zahl der Straftaten, die ein rassistisches oder religiöses Motiv haben, nimmt in den USA seit drei Jahren in Folge zu. Allein 2017 sei die Zahl antisemitischer Übergriffe in den USA um 57 Prozent gestiegen, dokumentiert die Anti-Defamation League. Der Vorfall nahe San Diego fand auf den Tag genau sechs Monate nach dem bislang folgenschwersten antisemitischen Verbrechen in der Geschichte der USA statt. Am 27. Oktober 2018 starben in der "Tree of Life"-Synagoge in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania elf Menschen im Kugelhagel eines Rechtsradikalen.

Tödlicher Angriff auf Synagoge nahe San Diego
Nicole Markwald, Los Angeles
28.04.2019 07:58 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 28. April 2019 Inforadio um 08:06 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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